Am 30. Oktober 2026 erlebte die Muttergesellschaft von Google, Alphabet, einen beispiellosen Kurssturz. Innerhalb weniger Handelsstunden fiel die Aktie um 12,64 %, wodurch an der Wall Street rund 500 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung evaporierten. Der Rückgang reiht sich nach dem Rekordverlust von Nvidia im Januar 2025 als zweitschwerster Tagesverlust eines Unternehmens in die Geschichte der modernen Börse ein.
Ursachen des Kurssturzes
Die Ursache lag in den Quartalszahlen des dritten Quartals: Der Umsatz stieg um 25 % auf 127,6 Mrd. $, doch der Nettogewinn schrumpfte um ein Viertel auf 26,2 Mrd. $. Besonders kritisch war das Abschwächen der Suchmaschinen-Werbeeinnahmen, die im Quartal nur noch um 12 % auf 63,35 Mrd. $ zunahmen – deutlich unter den Erwartungen von 98,5 Mrd. $.
Werbeboom endet, KI-Formate bleiben schwach
Philipp Schindler, Vorstandsmitglied von Alphabet, erklärte, dass die Zahl der Suchanfragen zwar wieder ein Fünf-Jahres-Hoch erreiche, neue KI-gestützte Werbeformate jedoch bislang weniger Ertrag bringe als die klassische Suche. Das Ergebnis war ein starkes Verkaufssignal der Investoren, die die Aktie in großem Umfang abstreiften.
Cloud-Wachstum im Kontrast
Während die Werbeerlöse stagnieren, legt das Google-Cloud-Geschäft ab. Der Umsatz aus Cloud-Diensten erreichte 30,7 Mrd. $ und wuchs damit um 103 % zum Vorjahr. Das operative Ergebnis stieg von 3,6 Mrd. $ auf 11,1 Mrd. $, die Marge von rund 24 % auf 36 % – ein Trend, den Analysten mit dem Aufstieg von Amazon Web Services im Jahr 2015 vergleichen.
Auftragsbestand als stiller Treiber
Alphabet führte zum Quartalsende Aufträge im Wert von 567,7 Mrd. $ aus, davon rund 560,8 Mrd. $ im Cloud-Segment. Experten schätzen, dass etwa die Hälfte dieses Bestands innerhalb von 24 Monaten in Umsatz umgewandelt wird, was ein potenzielles zusätzliches Jahresvolumen von etwa 35 Mrd. $ bedeuten könnte.
Finanzielle Folgekosten und Marktreaktion
Die Investitionen in KI-Infrastruktur erreichten im Quartal 51,4 Mrd. $, und das Management plant für das Gesamtjahr Ausgaben zwischen 195 und 205 Mrd. $. Diese Summen drückten den freien Cashflow auf -9,1 Mrd. $. Um die Finanzierung zu sichern, stellte Alphabet im Juni neue Stamm- und Wandel-Vorzugsemissionen aus und sammelte damit 49,6 Mrd. $, während ein geplantes Rückkauf-Programm von bis zu 40 Mrd. $ bislang ungenutzt blieb.
Der Verlust wirkte sich auf den gesamten Technologiesektor aus: Der Nasdaq-100 fiel um 1,4 %, und auch andere Giganten wie Amazon und Intel verloren nachbörslich an Wert. In Deutschland spiegelte sich die Unruhe im DAX wider, wobei insbesondere Software-Aktien wie SAP unter dem KI-Umbruch litten, während Hardware- und Halbleiterunternehmen wie Siemens Energy und Infineon von der steigenden Nachfrage nach Rechenzentren profitierten.
Ausblick für Anleger
Einige Marktbeobachter sehen im drastischen Kursrückgang eine Kaufgelegenheit, da das Cloud-Geschäft robuste Wachstumszahlen liefert und der Auftragsbestand bereits gesichert ist. Kritisch bleiben jedoch die hohen Ausgaben für KI-Rechenzentren und die Unsicherheit, wann diese Investitionen nachhaltig Rendite bringen. Anleger sollten daher sowohl die potenziellen Gewinne aus dem Cloud-Segment als auch das Risiko eines anhaltenden Negativ-Cashflows sorgfältig abwägen.



