Im vierten Quartal 2026 haben zwei zentrale Finanzereignisse die Aufmerksamkeit von Investoren und Politikern gleichermaßen auf sich gezogen. Einerseits steht der umfangreiche Verkauf eines belgischen Einkaufszentrums, andererseits die düstere Steuerschätzung für das deutsche Bundesland Hessen. Beide Vorgänge zeigen, wie stark Marktstrategien und fiskalische Rahmenbedingungen das wirtschaftliche Umfeld beeinflussen.
Während das eine Ereignis vor allem im Immobilien- und Fonds-Segment für Gesprächsstoff sorgt, wirft das andere Fragen nach der zukünftigen Haushalts- und Steuerpolitik auf. In diesem Beitrag werden die wichtigsten Fakten, Hintergründe und potenziellen Auswirkungen beider Themen kompakt zusammengefasst.
Veräußerung des belgischen Einkaufszentrums Les Grands Prés
Der offene Publikumsfonds UniImmo: Europa hat das Shoppingcenter Les Grands Prés in Mons, Belgien, für rund 265 Millionen Euro an die niederländische Immobiliengesellschaft Eurocommercial Properties abgegeben. Das Geschäft wurde als Share Deal strukturiert und soll laut Angaben des Verkäufers am 4. November 2026 abgeschlossen werden. Der Deal stellt den größten Verkauf eines belgischen Shopping-Centres seit 2018 dar.
Strategische Gründe für den Verkauf
Nach den Worten von Roman Müller, Head of Investment Management Retail bei Union Investment, diene der Schritt der Portfolio-Verjüngung. Ziel sei es, den Fokus stärker auf liquider handelbare Objekte mit kleineren bis mittleren Losgrößen zu legen. Seit dem Erwerb im Jahr 2004 für rund 109 Millionen Euro hat Union Investment mehrere Modernisierungsphasen eingeleitet – unter anderem eine Investition von 70 Millionen Euro zwischen 2014 und 2016, die die Verkaufsfläche um 8.200 Quadratmeter erweiterte und eine neue Ikea-Filiale integrierte.
Auswirkungen auf den UniImmo-Europa-Fonds
Der Verkauf soll dem Fonds einen deutlichen Performance-Beitrag leisten und gleichzeitig die Liquiditätsposition stärken. Durch den höheren Verkaufspreis im Vergleich zum ursprünglichen Kaufwert entsteht ein substanzieller Kapitalzufluss, der künftig in weitere, stärker liquidierbare Anlageklassen umgeleitet werden kann. Die Immobilie ist nahezu vollständig vermietet und verzeichnet seit 2019 Umsatzsteigerungen von über 30 % gegenüber dem Vorkrisen-Niveau.
Steuerschätzung für Hessen 2026: Defizit von 203 Millionen Euro
Das hessische Finanzministerium hat für das laufende Jahr 2026 eine Steuerschätzung veröffentlicht, die ein Minus von 203 Millionen Euro gegenüber dem Haushaltsplan ausweist. Die erwarteten Einnahmen betragen 27,8 Milliarden Euro. Trotz dieses Defizits prognostiziert die Behörde ab 2027 jährlich etwa 100 Millionen Euro an Mehreinnahmen, hauptsächlich getrieben durch steigende Gewerbesteuer in den Kommunen.
Ursachen und Unsicherheiten
Die Schätzung berücksichtigt noch nicht geplante Steuerrechtsänderungen, etwa die im kommenden Jahr anzunehmende Einkommensteuerreform. Finanzminister Alexander Lorz betont, dass trotz der unerwarteten Ausfälle keine neuen Finanzierungsspielräume entstehen. Er weist darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft zwar überraschend robust ist, aber nach wie vor anfällig für bestehende Krisenherde bleibt, was weitere fiskalische Belastungen mit sich bringen könnte.
Folgen für Kommunen und den Finanzkraftausgleich
Für die hessischen Kommunen erwarten die Experten zwischen 2026 und 2030 zusätzliche Einnahmen von rund zwei Milliarden Euro, vor allem wegen des prognostizierten Anstiegs der Gewerbesteuer. Gleichzeitig muss das Land im Zeitraum 2026/27 rund 8,1 Milliarden Euro in den Finanzkraftausgleich an ärmere Länder überweisen. Die Verteilung dieser Mehreinnahmen auf die einzelnen Kommunen bleibt offen – ob sie breit gestreut oder auf steuerstarke Gemeinden konzentriert werden, ist noch nicht abzusehen.
Beide Ereignisse zeigen, wie eng Investment-Entscheidungen und staatliche Finanzplanung miteinander verknüpft sind. Während Union Investment durch den Verkauf von Les Grands Prés seine Bilanz stärkt, muss Hessen durch strukturelle Sparmaßnahmen und Reformen seine Haushaltslage stabilisieren.



