Im jüngsten Quartal meldete der US-Konzern Amazon ein Umsatzwachstum von 12 % auf 201,9 Mrd. $, obwohl der Prime Day wegen der FIFA-Weltmeisterschaft bereits im Juni stattfand. Während die Cloud-Sparte AWS mit einem Jahreszuwachs von 39 % auf 46 Mrd. $ glänzte, stagnierten die Online-Verkäufe nahezu und stiegen lediglich um 2 % auf 68,5 Mrd. $.
Die Zahlen zeigen eine klare Schieflage zwischen dem stark expandierenden Cloud-Geschäft und dem rückläufigen Kerngeschäft. Der operative Gewinn des Gesamtunternehmens sprang auf 28,1 Mrd. $, doch der freie Cashflow fiel im 12-Monats-Durchschnitt auf minus 42,4 Mrd. $, weil massive Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) und zugehörige Rechenzentren getätigt wurden.
Quartalszahlen im Überblick
Der Umsatz von AWS wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 39 % und brachte einen Betriebsgewinn von 17,8 Mrd. $ – ein Plus von 56 %. Im selben Zeitraum stiegen die Umsätze in Nordamerika nur um 6 % und international um 5 %, was die schwache Performance des Online-Handels verdeutlicht. Die Werbeerlöse erreichten 19,6 Mrd. $, 11 % mehr, lagen jedoch hinter den Analystenerwartungen von 20,8 Mrd. $.
Der Gesamtnettogewinn sank von 21,2 Mrd. $ im Vorjahresquartal auf 20,7 Mrd. $. Das Unternehmen begründete die Differenz mit früheren Gewinnen aus dem Investment in die KI-Firma Anthropic, das im Vorjahr bereits in die Bilanz eingeflossen war.
KI- und Cloud-Investitionen – Treiber und Belastung
Amazon plant für das laufende Geschäftsjahr Ausgaben von rund 220 Mrd. $ für Sachanlagen, wobei bereits im zurückliegenden Quartal über 77 Mrd. $ in den Ausbau von Rechenzentren und zugehöriger Infrastruktur investiert wurden – deutlich über den Analystenschätzungen. Diese Ausgaben sind primär auf die steigende Nachfrage nach KI-Rechenleistung von Unternehmen wie OpenAI und Anthropic zurückzuführen, die verstärkt auf AWS zurückgreifen.
Obwohl die massive Kapitalbindung den freien Cashflow in den negativen zweistelligen Milliarden-Bereich drückte, erwartet CEO Andy Jassy, dass das Cloud-Geschäft in den Jahren 2027 und 2028 jährlich um mehr als 40 % wachsen könnte. Er argumentiert, dass noch nie ein Unternehmen einen Jahresumsatz von einer Billion Dollar erreicht hat und dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren zwei solcher Größen entstehen könnten.
Ausblick, Marktreaktion und Anlegerstimmung
Für das vierte Quartal prognostiziert Amazon einen Gesamtumsatz zwischen 240 Mrd. $ und 247 Mrd. $, etwas unter den Markterwartungen von 244,5 Mrd. $. Der operative Gewinn soll demnach auf 28,5 Mrd. $ bis 33,5 Mrd. $ steigen. Trotz dieser Vorgaben fiel die Aktie im nachbörslichen Handel um rund 7 % bis 8 %, weil Investoren skeptisch gegenüber dem hohen Mittelabfluss und dem langsamen Tempo im Online-Handel sind.
Analysten betonen, dass das robuste Wachstum von AWS allein nicht ausreicht, um die Bedenken über die anhaltend hohen KI-Ausgaben zu zerstreuen. Entscheidend wird sein, inwieweit Amazon die investierten Milliarden in profitables Wachstum umwandeln kann und ob das Kerngeschäft wieder an Schwung gewinnt.



