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29 Oktober 2026

Börsenplus in Europa: Lagarde verlässt ECB, Quartalszahlen im Fokus

Die europäischen Märkte setzten am 29. Oktober nach der EZB‑Entscheidung und den Quartalszahlen nach oben – mit überraschenden Bewegungen bei Alphabet und Prysmian.

Börsenplus in Europa: Lagarde verlässt ECB, Quartalszahlen im Fokus

Am 29. Oktober 2026 beendete der europäische Handelstag mit einem überwiegend positiven Echo. Der Euro Stoxx 50 legte um 0,6 % zu, während der italienische FTSE MIB knapp über die Marke von 50 000 Punkten kletterte (+0,4 %). Auch die Hauptindizes in Deutschland, Frankreich und Spanien zeigten ein gemischtes Bild: Der DAX gewann 1,4 %, das CAC 40 legte 1,05 % zu, das Ibex 35 dagegen verlor 0,1 %.

Entscheid der Europäischen Zentralbank und Lagarde-Abschied

Die Versammlung der Europäischen Zentralbank (EZB) hielt die Leitzinsen unverändert: Einlagenzins bleibt bei 2,50 %, Hauptrefinanzierungsgeschäft bei 2,65 % und marginales Refinanzierungsgeschäft bei 2,90 %. Trotz des Stopps im Oktober ließ Präsidentin Christine Lagarde die Option einer erneuten Zinserhöhung im Dezember offen und bezeichnete den Kurs der Geldpolitik als eindeutig. Die implizierten Wahrscheinlichkeiten für einen 25-Basispunkte-Anstieg im Dezember stiegen auf 88 %. Gleichzeitig verkündete Lagarde, ihr Amt bereits im Februar zu verlassen – ein Schritt, der vier Monate vor dem regulären Ablauf ihres Mandats erfolgt.

Quartalsberichte und ihre Wirkung auf die italienischen Kurse

Auf der Mailänder Piazza Affari standen die Ergebnisse von Prysmian, STMicroelectronics (STM) und Italgas im Mittelpunkt. Prysmian überzeugte mit einer Kurssteigerung von 6,6 %, getrieben durch eine Aufwärtsrevision der Umsatz- und Ergebnisprognosen. Im Gegensatz dazu geriet Campari unter Druck und fiel um 6,5 %, nachdem das Unternehmen schwächere Zahlen meldete. Auch Leonardo und Fincantieri profitierten, sie legten um 3,9 % bzw. 1,9 % zu.

Im Bankensektor zeigte sich ein gemischtes Bild: Banco BPM sank um 0,3 %, Intesa Sanpaolo verlor 0,4 %, während die Monte dei Paschi di Siena (MPS) leicht um 0,2 % zulegte. Auf der Hauptversammlung von MPS wurde der Vorschlag von CEO Luigi Lovaglio, eine Fusion mit Banco BPM und Banca Generali zu prüfen, abgelehnt – ebenso die mögliche Übernahme von Mediobanca.

Globale Einflüsse: USA, Alphabet und Rohstoffe

Auf der anderen Seite des Atlantiks sorgte das überarbeitete US-BIP für Aufsehen: Die vorläufige Revision auf 3,4 % übertraf Erwartungen, während der Kern-PCE-Preisindex für September bei 3,6 % lag. Trotz dieser robusten Zahlen blieb die Federal Reserve bei ihrer Zinspolitik unverändert. Trotzdem drückte die enttäuschende Quartalsmeldung von Alphabet – das Unternehmen meldete ein negatives Free-Cash-Flow von 9,07 Mrd. $ und hielt die geplanten Investitionen in KI-Infrastruktur zwischen 195 Mrd. und 205 Mrd. $ – die US-Märkte, wo die Aktie um bis zu 12 % fiel.

Rohstoffmärkte reagierten weniger stark: Brent-Öl fiel unter die Marke von 110 $ pro Barrel, während der Goldpreis leicht über der psychologischen Schwelle von 4.000 $ pro Unze verharrte. Im Devisenhandel tickte der EUR/USD bei 1,116, der USD/JPY bei 157,8. Der BTP/Bund-Spread für 10-Jahres-Anleihen pendelte um 114 Basispunkte, das Renditeziel des italienischen 10-Jahres-BTP lag bei rund 4,5 %.

Kryptowährungen und Ausblick

Im Kryptobereich blieb der Bitcoin weitgehend stabil bei etwa 81.400 $. Die Märkte scheinen nun abzuwarten, ob die EZB im Dezember tatsächlich die angekündigte Zinserhöhung umsetzt und wie sich die hohen Ausgaben im KI-Sektor auf die Gewinne von Unternehmen wie Alphabet auswirken werden.

Autor

Anna Schmidt