In den letzten Tagen haben die Kommunen Nördlingen und Münster eigenständige Expertengruppen eingesetzt, um plötzlich entstandene Defizite in ihren Haushalten zu analysieren und Gegenstrategien zu entwickeln. Während Nördlingen mit einer Arbeitsgruppe Haushalt im Verborgenen arbeitet, hat Münster unter Leitung von Kämmerin Christine Zeller eine öffentlichere Taskforce Finanzen ins Leben gerufen.
Arbeitsgruppe Haushalt in Nördlingen – Ziel und Zusammensetzung
Nach der Sommerpause trat der Nördlinger Stadtrat am 21. September zu seiner ersten regulären Sitzung zusammen. Parallel dazu traf sich bereits eine noch nicht öffentliche Arbeitsgruppe Haushalt die neben Ratsmitgliedern auch Verwaltungsangestellte umfasst. Ihr Auftrag: die städtischen Finanzen eingehend zu prüfen und mögliche Einsparpotenziale aufzudecken, ohne die bislang geltende Gewerbesteuer zu erhöhen – ein Konzept, das von der CSU ausdrücklich abgelehnt wird. Die Gruppe arbeitet stillschweigend, um erste Analysen zu fertigen, bevor sie dem Rat konkrete Handlungsempfehlungen vorlegt.
Taskforce Finanzen in Münster – Entstehung und Handlungsrahmen
Die Stadt Münster sah sich im September mit einem unerwarteten Defizit von mehr als 90 Millionen Euro konfrontiert. Grund dafür war der fast vollständige Wegfall der vom Land vorgesehenen Schlüsselzuweisungen Statt der geplanten rund 95 Millionen Euro kamen lediglich 2,8 Millionen Euro an.
Um rasch und rechtssicher zu reagieren, berief Kämmerin und Stadtdirektorin Christine Zeller am 8. September eine Taskforce Finanzen ein. Zwölf Vertreterinnen und Vertreter aus allen Dezernaten wurden ausgewählt, darunter Julia Dickfer (Amt für Bürger- und Ratsservice) und Frank Möller (Amt für Finanzen und Beteiligungen). Das Gremium hat die Aufgabe, die bereits beschlossene Haushaltssperre zu prüfen, weitere Sparmaßnahmen zu erarbeiten und ein Sparpaket bis zum ersten Quartal 2027 dem Rat vorzulegen.
Mitglieder der Münster-Taskforce
Die Taskforce setzt sich aus folgenden Personen zusammen: Julia Dickfer, Markus Göpel, Chris Hagel, Mario Huslage, Christoph Kattentidt, Frank Möller, Peter Nagy, Thomas Reisener, Franziska Weber, Judith Westfechtel sowie Oberbürgermeister Tilman Fuchs, der die Gruppe inhaltlich unterstützt.
Erste Maßnahmen und mögliche Auswirkungen
Als Sofortreaktion hat die Kämmerin eine Haushaltssperre verhängt, die die Ausgaben aller Ämter streng kontrolliert. Aufschiebbare Leistungen dürfen nicht neu beauftragt oder Verträge verlängert werden – Ausnahmen bilden nur gesetzlich verbindliche Transferleistungen sowie unverzichtbare Ausgaben im Bereich Gefahrenabwehr und Verkehrssicherung. Ziel ist, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt langfristig zu sichern, ohne die Grundversorgung zu gefährden.
In Nördlingen hingegen bleibt die Diskussion um mögliche Steuererhöhungen noch offen. Die Arbeitsgruppe prüft jedoch bereits, in welchen Bereichen Personal- und Betriebskosten gesenkt werden können, um die städtische Beide Städte verfolgen das gleiche Prinzip: mit fachübergreifenden Gremien kurzfristige Engpässe überbrücken und gleichzeitig langfristige Investitionen zu schützen.
Die Entwicklungen in Nördlingen und Münster zeigen, wie lokale Verwaltungen flexibel reagieren können, wenn erwartete Einnahmen ausfallen. Durch die Kombination aus interner Analyse und transparenten Sparmaßnahmen hoffen die Kommunen, das Vertrauen ihrer Bürger zu erhalten und die finanzielle Stabilität zu wahren.



