Der traditionsreiche deutsche Getränkekonzern Berentzen steht kurz davor, sich aus dem regulierten Handel zu verabschieden. Ein öffentliches Übernahmeangebot des US-Spirituosenriesen Sazerac wurde am 21. September 2026 offiziell bestätigt. Die beiden Unternehmen haben einen Vertrag unterzeichnet, der Sazerac ermöglicht, sämtliche ausstehenden Aktien zu übernehmen.
Übernahmeangebot von Sazerac
Sazerac zahlt 5,55 Euro je Berentzen-Aktie in bar. Das Angebot gilt für alle Anteile der Berentzen-Gruppe und ist an die Bedingung geknüpft, dass mindestens 50 % plus eine Aktie angenommen werden. Ein offensiver Premienaufschlag von rund 68 % bezieht sich auf den unbeeinflussten, volumengewichteten Durchschnittskurs der drei Monate vor dem 16. September 2026. Die Gesamtsumme der Transaktion beläuft sich auf etwa 53 Millionen Euro.
Finanzielle Rahmenbedingungen und Aktienkursentwicklung
Zum Zeitpunkt der Ankündigung lag der Börsenkurs von Berentzen bereits deutlich über dem früheren Referenzwert, da die Nachricht selbst die Aktie in die Höhe trieb. Der Schlusskurs am Freitag betrug 4,53 Euro, wodurch die tatsächliche Prämie bei etwa 22,5 % liegt. Trotz dieses Kursanstiegs stieg das Handelsvolumen, weil fast alle Anteile im Streubesitz sind. Die Bewertung von rund 53 Millionen Euro entspricht 9,6 Millionen Aktien, die Sazerac erwerben will.
Strategische Hintergründe und Zukunftsaussichten
Für Sazerac ist die Akquisition kein Einzelgeschäft, sondern ein Baustein einer größeren europäischen Expansionsstrategie. Der Konzern, gegründet 1850 in New Orleans und heute mit Sitz in Louisville, Kentucky, verfügt über Marken wie Southern Comfort und Buffalo Trace. Durch die Integration von Berentzen, das Produkte wie Apfelkorn, Puschkin Vodka, Doornkaat, Bommerlunder und die alkoholfreien Marken Mio Mio sowie Lizenzprodukte von Sinalco produziert, soll die Präsenz am deutschen Markt gestärkt werden. Sazerac betont, dass die historischen Marken und die bestehende Produktionsstätte in Haselünne erhalten bleiben sollen.
Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal 2026 erwartet. Nach erfolgreichem Vollzug erfolgt ein Delisting der Berentzen-Aktien an der Frankfurter Börse. Regulatorische Genehmigungen sind nicht erforderlich, sodass der Zeitplan ambitioniert, aber realistisch erscheint. Für die rund 430 Beschäftigten des Unternehmens bedeutet der Wechsel potenziell stabile Arbeitsplätze, da der neue Eigentümer die lokalen Produktionskapazitäten weiter nutzen will.



