Zum Inhalt springen
1 Oktober 2026

Nvidia plant bis 2028 Rückkäufe im Wert von 235 Mrd. $

Nvidia setzt mit einer Rekord‑Ermächtigung von 150 Mrd. $ neue Maßstäbe im Kapitaleinsatz und signalisiert damit finanzielle Stärke im KI‑Zeitalter.

Nvidia plant bis 2028 Rückkäufe im Wert von 235 Mrd. $

Der US-Chip-Hersteller Nvidia hat am 28. September ein weiteres Aktienrückkauf-Programm in Höhe von 150 Milliarden US-Dollar verabschiedet. Zusammen mit den noch nicht genutzten Mitteln aus früheren Genehmigungen kann das Unternehmen bis Ende Januar 2028 insgesamt 235 Milliarden US-Dollar für den Rückkauf eigener Aktien einsetzen. Die Ankündigung stellt einen der größten Rückkauf-Rahmen in der Unternehmensgeschichte dar, übertrifft sogar den bisherigen Rekord von Apple um rund ein Drittel.

Ein solches Vorhaben wirkt auf den ersten Blick wie ein klares Zeichen finanzieller Robustheit. Durch den Rückkauf reduziert Nvidia die Zahl der im Umlauf befindlichen Aktien, was bei gleichbleibendem Gewinn rechnerisch zu einem höheren Gewinn pro Aktie führen kann. Gleichzeitig signalisiert das Unternehmen, dass es nach intensiven Investitionen in sein Kern-Geschäft und das wachsende KI-Ökosystem über überschüssige Liquidität verfügt, die an die Anteilseigner zurückfließen kann.

Details des Rückkaufprogramms und Zeithorizont

Der neue Rahmen von 150 Mrd. $ ist nicht als sofortige, verpflichtende Auszahlung zu verstehen. Nvidia behält die Flexibilität, die Käufe über einen Zeitraum von fast fünf Jahren zu staffeln. Die Gesamtsumme von 235 Mrd. $ ergibt sich aus dem neuen Betrag plus noch verfügbare Volumina aus drei vorherigen Genehmigungen, die bislang nicht vollständig ausgeschöpft wurden. Um den vollen Umfang bis zum Geschäftsjahresende 2028 zu erreichen, müsste das Unternehmen durchschnittlich rund 44 Mrd. $ pro Quartal investieren – mehr als doppelt so viel wie im zweiten Quartal des aktuellen Geschäftsjahres.

Die Finanzchef-in Colette Kress betont, dass die Rückkäufe freiwillig sind und jederzeit ausgesetzt werden können. Derzeit liegt der freie Cashflow bei etwa 69,9 Mrd. $ für das erste Halbjahr, ausreichend, um die kombinierten Ausschüttungen – inklusive einer gestiegenen Dividende von 0,25 $ pro Aktie und Quartal – zu decken.

Konkurrenzsituation: KI-Kunden versus Aktienrückkäufe

Während Nvidia über erhebliche Mittel für Rückkäufe verfügt, investieren bedeutende Technologieriesen wie Alphabet und Meta derzeit stark in den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur und haben ihre eigenen Rückkaufprogramme zurückgefahren. Diese Divergenz unterstreicht Nvidias besondere Position: Das Unternehmen kann nicht nur vom Boom der KI-Hardware profitieren, sondern auch Kapital an seine Aktionäre zurückführen, während seine Hauptabnehmer selbst hohe Ausgaben tätigen.

Gleichzeitig steht das Unternehmen vor einer Speicherkrise die das Endkundengeschäft mit Grafikkarten belastet. Nvidia hat sich verpflichtet, erhebliche Mengen an High-End-Speicher zu sichern, was die Gesamtausgaben für Lieferanten von 119 Mrd. $ auf 279 Mrd. $ im zweiten Quartal ansteigen lässt. Diese Kosten übersteigen bereits den gesamten Rückkaufrahmen und könnten die Margen im PC-Segment belasten.

Finanzielle Bewertung und potenzielle Risiken

Analysten sehen in dem Rückkaufprogramm ein starkes Zeichen für die Kapitalallokation des Unternehmens, jedoch kein Ersatz für kontinuierliches Umsatz- und Gewinnwachstum. Der eigentliche Test wird sein, ob die hohen Investitionen der Kunden in KI-Infrastruktur langfristig aufrechterhalten werden können. Sollte die Nachfrage nach Nvidias Produkten nachlassen, könnte die Fähigkeit, den vollen Rückkaufrahmen zu realisieren, eingeschränkt sein.

Ein weiterer Aspekt ist die aktuelle Diskrepanz zwischen den ausgezahlten Dividenden (6 Mrd. $ im letzten Quartal) und dem freien Cashflow (21,3 Mrd. $ im selben Zeitraum). Obwohl der Cashflow im Halbjahr noch ausreichend erscheint, hat er sich im Vergleich zum Vorquartal mehr als halbiert, getrieben durch stark gestiegene Forderungen von Kunden. Anleger sollten daher die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen und die mögliche Belastung durch die Speicherverpflichtungen im Blick behalten.

Die wahre Wirkung hängt jedoch von der langfristigen Entwicklung der KI-Nachfrage und der Fähigkeit des Unternehmens ab, trotz steigender Beschaffungskosten an der Gewinnsteigerung festzuhalten.

Autor

Markus Weber