Im Rahmen des Bundes-Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität hat der Odenwaldkreis am 2. November eine erste Tranche von rund 16,1 Millionen Euro erhalten. Die Mittel sollen bis 2036 insgesamt auf etwa 25,5 Millionen Euro anwachsen, wobei die zweite Auszahlung voraussichtlich 2029 erfolgt. Während die Gesamtsumme langfristig den Landkreis stärken soll, liegt das unmittelbare Augenmerk auf der Verteilung der ersten Auszahlung.
Aufteilung der ersten Tranche
Der Kreistag hat beschlossen, dass 10 Millionen Euro in die Modernisierung und den Ausbau der schulischen Einrichtungen fließen. Ziel ist, digitale Lernräume und energieeffiziente Gebäude zu schaffen, um den Anspruch an eine klimafreundliche Bildung zu erfüllen. Weitere 5 Millionen Euro werden an die Gesundheitszentrum Odenwaldkreis GmbH weitergeleitet, um die medizinische Versorgung in ländlichen Bereichen auszubauen und neue Fachabteilungen zu etablieren.
Zusätzlich hat der Rat jeweils 500 000 Euro für die Digitalisierung der Kreisverwaltung und für den Katastrophenschutz reserviert. Diese beiden Posten sollen die digitale Servicequalität für Bürger*innen erhöhen und gleichzeitig die Resilienz gegenüber Naturgefahren stärken. Flexibilität bleibt erhalten: Sollte ein Bereich dringender Bedarf haben, können Mittel im laufenden Jahr umgeschichtet werden.
Personelle Neuordnung im Kreisausschuss
Parallel zur finanziellen Entscheidung wurde Harald Buschmann als neuer ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter vorgestellt. Der Kreistagsvorsitzende Rüdiger Holschuh überreichte ihm die Ernennungsurkunde, während Landrat Frank Matiaske die feierliche Einführung vornahm. Buschmann übernimmt das Amt, das vorher von Kevin Schmauß besetzt war, der im August 2026 zum hauptamtlichen Beigeordneten berufen wurde. Laut Hauptsatzung des Odenwaldkreises gibt es insgesamt zehn ehrenamtliche Beigeordnete; Buschmann war als nächster Kandidat auf dem gemeinsamen Wahlvorschlag von SPD und CDU vorgesehen.
Weiterführende finanzpolitische Entwicklungen
Ein weiteres wichtiges Signal kam von Landrat Matiaske, der bestätigte, dass Hessen nicht mehr als Standort für ein Endlager für atomaren Abfall infrage kommt. Die aktuelle Untersuchung der Bundesgesellschaft für Endlagerung hat den Vordere Odenwald in der Nachbarschaft des Kreises Bergstraße als potenziellen Standort bereits vom Tisch genommen. Damit entlastet der Landkreis nicht nur in ökologischer Hinsicht, sondern kann sich stärker auf die bereits zugesagten Investitionen konzentrieren.
Steuerliche Belastungen im Odenwaldkreis
Während die Bundesmittel neue Spielräume eröffnen, steht die kommunale Finanzlage weiterhin unter Druck. Der hessische Steuerzahlerbund weist darauf hin, dass sieben der zwölf Gemeinden im Odenwaldkreis ihre Grundsteuer-Hebesätze erhöht haben. Besonders auffällig ist Mossautal, das die Grundsteuer B um 655 Punkte anhebt – das stärkste Wachstum im Bundesland. Im Pro-Kopf-Vergleich bezahlt ein Bewohner von Mossautal durchschnittlich 502 Euro, gefolgt von Brombachtal mit 475 Euro. Die Belastung liegt damit deutlich über dem hessischen Durchschnitt von 259 Euro.
Der Bund der Steuerzahler fordert neben finanzieller Unterstützung vom Bund und Land auch Sparmaßnahmen auf kommunaler Ebene. Insbesondere die freiwilligen Leistungen und die interkommunale Zusammenarbeit sollen geprüft werden, um die Haushalte zu entlasten. Im Odenwaldkreis gibt es zudem Diskussionen über die mögliche Einführung einer Grundsteuer C, die jedoch bislang von keiner Gemeinde genutzt wird, da der administrative Aufwand den zu erwartenden Ertrag übersteigt.
Zusammengefasst stehen dem Odenwaldkreis sowohl erhebliche Investitionen aus dem Bundes-Sondervermögen als auch anhaltende Herausforderungen im Bereich der kommunalen Besteuerung gegenüber. Die kommenden Jahre werden zeigen, inwieweit die neuen Mittel die finanzielle Stabilität sichern und gleichzeitig die Lebensqualität in Schulen, Gesundheitseinrichtungen und digitalisierten Verwaltungen erhöhen können.



