Deutschland gilt als Land der Sparer. Doch trotz hoher Sparraten bleibt das Vermögen der deutschen Bürger im internationalen Vergleich bescheiden. Ein neuer Bericht der Schweizer Bank UBS zeigt, woran das liegt: an zu wenig Wohneigentum und einer starken Abneigung gegen renditeträchtige Anlagen.
Der Global Wealth Report der UBS offenbart ein bemerkenswertes Paradoxon: Während der deutsche Staat wohlhabend ist, bleibt der durchschnittliche Bürger im Vergleich zu anderen Europäern zurück. Zwar liegt das durchschnittliche Nettovermögen pro Erwachsenem in Deutschland bei 346.600 Dollar, doch dieser Wert täuscht über die wahre Vermögensverteilung hinweg.
Die Täuschung des Durchschnitts
Der Medianwert also der Wert, der genau in der Mitte der Verteilung liegt, zeigt ein weitaus düstereres Bild. Hier besitzt der durchschnittliche Deutsche lediglich 53.500 Dollar, umgerechnet etwa 47.000 Euro. Zum Vergleich: In Luxemburg liegt dieser Wert bei fast 394.000 Dollar, in Italien bei 131.000 Dollar und in Frankreich bei 121.900 Dollar.
Dieser Vermögensunterschied ist nicht nur statistisch relevant, sondern hat auch reale Auswirkungen auf die Lebensqualität und die Altersvorsorge der deutschen Mittelschicht. Der Bericht zeigt, dass die deutsche Mittelschicht im internationalen Vergleich auffallend schmal aufgestellt ist.
Wohneigentum: Der fehlende Baustein
Ein zentraler Grund für die schwache Vermögensbildung in Deutschland ist die geringe Eigentumsquote bei Wohnimmobilien. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lag die Eigentumsquote 2026 bei knapp 42 Prozent der Haushalte. In Großstädten wie Hamburg und Berlin ist die Quote noch deutlich niedriger.
Wohneigentum ist ein mächtiger Wohlstandsmotor. In vielen Ländern dient das Eigenheim nicht nur als Wohnraum, sondern auch als langfristige Vermögensanlage. Während Immobilienpreise in weiten Teilen Europas stark gestiegen sind, haben viele Deutsche über Jahre hinweg Miete gezahlt, ohne dabei Vermögen aufzubauen.
Länder mit einer hohen Eigentumsquote schneiden beim Medianvermögen oft deutlich besser ab. In Deutschland hingegen hat die starke Mietkultur dazu geführt, dass vielen Familien der wichtigste Vermögensbaustein fehlt.
Die Angst vor der Börse
Ein weiterer Faktor, der die Vermögensbildung in Deutschland bremst, ist die fast schon kulturell verankerte Skepsis gegenüber Kapitalmarktanlagen. Während in Ländern wie den USA und Schweden große Teile des privaten Wohlstands in Aktien und Fonds stecken, fürchten viele Deutsche die Börse noch immer wie ein Spielcasino.
Diese Risikoaversion hat teure Konsequenzen. Wer sein Geld jahrzehntelang auf dem Sparbuch parkt, statt es produktiv arbeiten zu lassen, baut kein Vermögen auf. Die Inflation frisst still und leise die Kaufkraft auf, während die Zahl auf dem Kontoauszug gleich bleibt.
Immobilien und Aktien sind die beiden großen Rolltreppen der Vermögensbildung. Viel zu viele Deutsche nutzen beide nicht. Sie stehen daneben und wundern sich irgendwann, warum andere nach oben fahren.
Der Bericht der UBS zeigt deutlich: Um den Wohlstand der deutschen Mittelschicht nachhaltig zu stärken, müssen die Deutschen ihre Einstellung zu Wohneigentum und Kapitalmarktanlagen überdenken. Nur so kann der Vermögensaufbau langfristig gesichert werden.


