Die Schweinehalter in Europa stehen vor großen Herausforderungen. Seit Monaten arbeiten sie mit Verlusten, und die Situation hat sich im ersten Halbjahr 2026 weiter verschärft. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Spanien bis hin zu strukturellen Überkapazitäten auf dem Markt.
Die Schweinepreise sind im Mai und Juni 2026 deutlich gefallen. Während normalerweise im Mai mit Beginn der Grillsaison die Preise steigen, verzeichnete man in diesem Jahr einen starken Rückgang. Der Preis für Schweine fiel im Mai um 10 Cent auf 1,60 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht (SG) und im Juni nochmals um weitere 10 Cent auf 1,50 Euro. Die Gründe dafür sind das kühle Wetter, das die Grillsaison verzögerte, und die reichliche Versorgung des EU-Marktes mit Schweinefleisch, unter anderem aufgrund von ASP-bedingten Exportsperren in Spanien.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Schweinehalter
Die fallenden Schweinepreise haben erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit der Schweinehaltung. Die Preise liegen seit vielen Monaten deutlich unterhalb der Vollkostendeckung. Bei Preisen von 1,60 Euro pro Kilogramm SG machen Schweinemäster und Ferkelerzeuger massive Verluste. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) hat berechnet, dass ein Schweinepreis von rund 2,00 Euro pro Kilogramm SG nötig wäre, um die Produktionskosten zu decken. Die Lücke von 40 Cent pro Kilogramm bedeutet für die Schweinehaltung massive betriebswirtschaftliche Verluste.
Die Situation wird durch die erhöhten Schlachtungen im Jahr 2026 weiter verschärft. Europaweit wurden 2026 mehr Schweine geschlachtet als erwartet. Die Gesamtzahl der EU-Schlachtungen wurde von Eurostat auf 229 Millionen Tiere veranschlagt, was einem Anstieg von 2,1 Prozent im Vergleich zu 2026 entspricht. Dieser Anstieg ist überraschend, da der Sauenbestand im Vorjahr erheblich geschrumpft war. Die erhöhten Schlachtzahlen wurden durch eine verbesserte Fruchtbarkeit der Zuchtsauen und geringere Tierverluste erreicht.
Strukturelle Veränderungen in der Schlachtbranche
Auch in der deutschen Schlachtbranche gibt es weitreichende strukturelle Veränderungen. Im Jahr 2026 wurden in Deutschland insgesamt 44,91 Millionen Schweine gewerblich geschlachtet, was einem Zuwachs von rund 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Gleichzeitig gingen die Lieferungen von Schweinen zur Schlachtung aus dem Ausland deutlich zurück. Der niederländische Schlachtkonzern Vion bot einen der größten Schweineschlachtbetriebe Süddeutschlands in Crailsheim zum Verkauf an. Die Übernahme durch den Branchenprimus Tönnies wurde jedoch vom Bundeskartellamt untersagt. Im Frühjahr 2026 wurde schließlich mit dem Zerlegespezialisten Boeser Frischfleisch ein neuer Käufer für den Schlachtstandort in Crailsheim gefunden.
Die Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest
Der Nachweis von ASP in Spanien hat massive Auswirkungen auf die Schweinepreise und die Schweinefleischproduktion in der EU. Spanisches Schweinefleisch, das eigentlich für den Export bestimmt war, wird nun am EU-Binnenmarkt verkauft. Dies hat zu einem Überangebot und einem weiteren Preisverfall geführt. Die spanischen Schweinehalter arbeiten ebenfalls mit hohen Verlusten, und viele kleinere Betriebe dürften die Produktion komplett einstellen.
Die dänische Regierung plant, die Schweineproduktion stärker auf die heimische Wertschöpfung auszurichten. Geplante Eingriffe könnten auch Auswirkungen auf deutsche Schweinehalter haben. Die neue Mitte-links-Regierung unter Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat ein Programm vorgelegt, das die Branche im Kern erschüttert: Das Ende der exportorientierten Schweineproduktion ist erklärtes politisches Ziel. Während derzeit noch rund 16,7 Millionen Ferkel pro Jahr das Land verlassen, soll dieser Strom künftig massiv gedrosselt werden.
Hinter den Plänen steckt die Idee, die Wertschöpfung wieder zurück ins eigene Land zu holen. Anstatt Millionen von Ferkeln zur Mast nach Deutschland oder Polen zu schicken, sollen diese Tiere nach dem Willen der Regierung vorrangig in Dänemark gemästet, veredelt und geschlachtet werden. Damit will die Politik heimische Arbeitsplätze in den Schlachthöfen und der Verarbeitung sichern.
Die Regierung plant zudem eine massive Verschärfung der Tierschutzregeln, die den Export indirekt erschweren könnten. Bis 2030 soll ein vollständiges Verbot des Schwanzkupierens durchgesetzt werden. Zudem ist geplant, die Fixierung von Sauen im Abferkelbereich komplett abzuschaffen, die Absetzzeit auf mindestens vier Wochen festzulegen und deutlich mehr Platz in den Buchten vorzuschreiben.
Experten halten die Pläne jedoch für kaum umsetzbar. In einem Bericht der dänischen Fachzeitschrift LandbrugsAvisen kommen Experten zu einem vernichtenden Urteil. Peter Pagh, Professor für Recht an der Universität Kopenhagen, sagt, dass der EU-Vertrag mengenmäßige Ausfuhrbeschränkungen zwischen Mitgliedstaaten strikt untersagt. Henning Otte Hansen, Seniorberater an der Universität Kopenhagen, bezeichnet die Pläne sogar als „nahezu aussichtslos“ und eine „Totgeburt“.
Für die deutschen Schweinemäster bleibt die Entwicklung in Dänemark eine kritische Variable. Ein massiver Rückgang des dänischen Ferkelangebots würde die hiesigen Lieferketten vor enorme Herausforderungen stellen.



