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26 September 2026

Neues Altersvorsorgedepot: ETFs, Zulagen und Kosten ab 2027

Das neue Altersvorsorgedepot ermöglicht geförderte ETF‑Sparpläne ohne Garantie – aber Kosten und Fristen sind entscheidend.

Neues Altersvorsorgedepot: ETFs, Zulagen und Kosten ab 2027

Zum 1. Januar 2027 tritt das Altersvorsorgedepot in Kraft und beendet das Neugeschäft der bislang bekannten Riester-Rente. Statt einer klassischen Rentenversicherung können Sparer künftig staatlich gefördert ihr Geld direkt in börsengehandelte Fonds oder andere Wertpapiere aus einer Positivliste investieren. Das Konzept verbindet die bewährte Zulagen-Logik mit der Flexibilität von ETFs, lässt jedoch die bisherige Beitrags- und Garantiestruktur hinter sich.

Der Staat zahlt dabei auf die ersten 360 Euro des Jahresbeitrags 50 % Zuschuss, also maximal 180 Euro, und auf die darauf folgenden 1.440 Euro 25 % – das ergibt bei einem Jahres-Eigenbeitrag von 1.800 Euro die Höchstzulage von 540 Euro. Familien erhalten zusätzlich bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind, bereits ab einem Eigenbeitrag von 25 Euro im Monat. Der Mindesteigenbeitrag liegt bei 120 Euro jährlich; darunter entfällt jede Förderung.

Förderungsdetails und steuerliche Behandlung

Während der Ansparphase fallen keinerlei Steuern auf Kursgewinne oder Umschichtungen an – das Steuer-Freistellungsprinzip gilt ausschließlich für die spätere Auszahlungsphase, in der das angesparte Kapital wie sonstige Kapitalerträge besteuert wird. Damit können Sparer von Zins- und Zinseszinseffekten profitieren, ohne die übliche Abgeltungssteuer in der Laufzeit zu zahlen.

Ein entscheidender Unterschied zu klassischen Riester-Produkten liegt im Wegfall einer Beitragsgarantie. Das eingezahlte Kapital unterliegt dem Marktrisiko; Anleger können jedoch bis zu 100 % ihres Portfolios in Aktien anlegen, was bei Riester-Verträgen mit Garantiezusagen bislang nicht möglich war. Selbstständige und Freiberufler erhalten erstmals den direkten Zugang zur Förderung, ohne dass ein zusätzlicher Vertragspartner nötig ist.

Kosten, Sonderregelungen und potenzielle Fallstricke

Die jährlichen Verwaltungs- und Depotgebühren bewegen sich zwischen 0,2 % und 1,0 % des Vermögens. Bei einer langfristigen Laufzeit von 40 Jahren kann das zu einem durchschnittlichen Endvermögen von rund 67.700 Euro führen – wobei das Ergebnis stark von der tatsächlichen Kostenbelastung abhängt. Zusätzlich gibt es Sonderzulagen: 200 Euro einmalig für Personen unter 25 Jahren und bis zu 175 Euro Grundzulage für indirekt berechtigte Ehepartner.

Wichtig zu wissen ist, dass das Altersvorsorgedepot nicht mit der angekündigten „Frühstart-Rente für Kinder“ zu verwechseln ist; letzteres ist noch nicht gesetzlich verankert. Ebenso können bereits im normalen ETF-Depot erworbene Anteile nicht in das geförderte Depot übertragen werden – zulässig ist ausschließlich die Übertragung von Guthaben aus einem bestehenden Riester-Vertrag.

Praktische Vorbereitung: Warum ein normales Depot jetzt sinnvoll ist

Am 1. Januar 2027 wird ein enormer Ansturm auf die neuen Depots erwartet. Identitätsprüfungen, Video-Ident-Termine und die Freischaltung von Depots können in Spitzenzeiten Tage bis Wochen dauern. Wer bereits heute ein kostenloses ETF-Depot bei einem Online-Broker eröffnet, hat die aufwändigsten Schritte – insbesondere die Identitätsprüfung – bereits erledigt und kann sofort nach dem offiziellen Start den Förderplan aktivieren.

Ein vorzeitiger ETF-Sparplan hat darüber hinaus drei weitere Vorteile: Er testet die persönliche Sparrate, ermöglicht das Kennenlernen der Positivliste-Fonds und nutzt sofort den Zinseszinseffekt. Wer dann im Januar 2027 das Altersvorsorgedepot aktiviert, profitiert von nahtlosem Aufbau und vermeidet verpasste Zulagen. Für Riester-Bestandskunden gilt zudem eine harte Frist: Die Kündigung des alten Vertrags muss bis zum 31. März erfolgen, damit das Guthaben bis zum 30. Juni ins neue Depot übertragen werden kann.

Ein frühzeitiger Einstieg über ein reguläres Depot legt den Grundstein für einen reibungslosen Übergang und maximiert die staatlichen Zulagen.

Autor

Markus Weber