In den letzten Jahren werden die Sommer in Deutschland immer heißer. Temperaturen über 40 Grad sind keine Seltenheit mehr. Diese extreme Hitze führt zu einer Zunahme von hitzebedingten Erkrankungen, von leichten Störungen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen wie dem Hitzschlag.
Experten wie Uwe Janssens ehemaliger Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), warnen vor den Gefahren. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, sowie Personen, die sich trotz Hitze stark belasten.
Risikogruppen im Fokus
Ältere Menschen gehören zu den Hauptrisikogruppen. Sie sind oft durch chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme vorbelastet und haben ein herabgesetztes Durstempfinden. Dies führt zu einer schnelleren Dehydrierung bei Hitze. Zudem leben viele Senioren allein und sind sozial isoliert, was die Situation verschlimmert.
Säuglinge und Kleinkinder sind ebenfalls stark gefährdet. Ihr Körper kann die Körperkerntemperatur noch nicht ausreichend regulieren, was zu ernsthaften Schäden führen kann. Hermann Josef Kahl Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, betont die Notwendigkeit, Kinder vor Hitze und Sonneneinstrahlung zu schützen.
Die Gefahren der Hitze
Bei extremer Hitze steigt die Körperkerntemperatur an. Normalerweise wird diese durch Schwitzen reguliert. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist diese Fähigkeit jedoch noch nicht ausreichend entwickelt. Auch Erwachsene, die sich trotz Hitze stark belasten, sind gefährdet.
Ein Sonnenstich entsteht durch direkte Sonneneinwirkung auf Kopf und Nacken. Symptome sind KopfschmerzenÜbelkeitErbrechen und Schwindel. Im Extremfall kann es zu neurologischen Problemen wie einem Hirnödem kommen.
Eine Hitzeerschöpfung entsteht durch Überwärmung des Körpers und Flüssigkeitsmangel. Die Körperkerntemperatur steigt auf 39 bis 40 Grad an. Bei einem Hitzschlag steigt die Temperatur auf 40,5 bis 41 Grad. In diesem Zustand versagt die Temperaturregulation, und der Körper kann die Organe nicht mehr ausreichend versorgen.
Schutzmaßnahmen und Verantwortung
Bundesumweltminister Carsten Schneider sieht die Länder und Kommunen in der Verantwortung für den Hitzeschutz in Krankenhäusern. Er verwies auf die vom Bund bereitgestellten Milliarden für Infrastrukturinvestitionen. Allerdings kritisiert die Deutsche Krankenhausgesellschaft die zu geringen Investitionen.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert verbindliche Vorgaben und echte Investitionen für den Hitzeschutz in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Bisher enden Hitzeschutzpläne dort, wo sie Geld kosten. Die Intensivmedizinerin Anne Hübner sieht die deutschen Krankenhäuser beim Hitzeschutz ‚zehn Jahre hinter Frankreich‘.
Extreme Hitze führt zu einer erhöhten Sterblichkeit, insbesondere bei älteren Menschen. Im Jahr 2018 starben im Zusammenhang mit Hitze etwa 7.000 Menschen. Im Jahr 2026 waren es bei elf Hitzetagen 2.500 Todesfälle, mehr als die Hälfte bei Menschen über 85 Jahre.



