Die letzten Monate haben für viele Anleger von ecoligo eine Phase der Unsicherheit gebracht. Seit Ende April 2026 häufen sich die Nachrichten über ausgesetzte Zins- und Tilgungszahlungen. Als langjähriger Investor und Beobachter der Plattform habe ich mich intensiv mit der aktuellen Situation auseinandergesetzt.
Meine Reise mit ecoligo begann im März 2019, als ich mein erstes Impact Investment über die deutsche Crowdfundingplattform tätigte. Seitdem habe ich mich an über 100 Solarenergieprojekten in Afrika, Asien und Lateinamerika beteiligt. Mein Ziel war es stets, finanzielle Renditen mit konkreten Klimaschutzprojekten zu verbinden. Über die Jahre hinweg verlief mein Engagement positiv, selbst während der Coronapandemie und des Ukrainekriegs.
Die ersten Anzeichen von Schwierigkeiten
Ende 2026 gab es den ersten Teilverlust bei einem einzelnen Projekt. Dieser Verlust war zwar überschaubar, im Rückblick jedoch ein erstes Warnzeichen. In den folgenden Monaten gerieten weitere Projekte ins Stocken, Zahlungen verzögerten sich, und das bisher positive Gesamtbild begann sich einzutrüben.
Die Situation eskalierte im April 2026, als ecoligo am 27. April mitteilte, dass verschiedene für den 30. April vorgesehene Zahlungen nicht geleistet werden könnten. Die Begründung: Die Projektgesellschaften hatten geringere Einnahmen als erwartet. Diese Mitteilung war ein Weckruf für viele Anleger, darunter auch mich.
Die Ausweitung der Zahlungsaussetzungen
Am 22. Juli 2026 folgte die nächste Hiobsbotschaft. Auch die zum 31. Juli vorgesehenen Zahlungen konnten nicht wie geplant erfolgen. Die Analyse von ecoligo ergab, dass die Schwierigkeiten nicht auf einzelne Projekte oder Länder zurückzuführen sind, sondern auf eine Kombination verschiedener Faktoren über einen längeren Zeitraum.
Untersucht wurden unter anderem die wirtschaftliche Entwicklung der Projektgesellschaften, die technische und wirtschaftliche Leistung der Solaranlagen, die Kostenstrukturen, die operativen Bedingungen vor Ort sowie das Zahlungsverhalten der Kunden. Die Analysephase ist weitgehend abgeschlossen, doch belastbare Aussagen zu einzelnen Maßnahmen oder Zeitplänen sind derzeit noch nicht möglich.
Die Finanzierungsstruktur und ihre Auswirkungen
Ein Punkt, der viele Anleger verunsichert, ist die Frage, wie ein funktionierendes Projekt von Zahlungsaussetzungen betroffen sein kann. Die Antwort liegt in der Finanzierungsstruktur. Das von Anlegern bereitgestellte Kapital darf nur für das konkrete Projekt verwendet werden. Die späteren Zahlungen an die Anleger werden jedoch nicht ausschließlich aus den Einnahmen dieses einen Projekts geleistet, sondern aus den gesamten Rückflüssen des Projektportfolios der jeweiligen Emittentin.
Diese Konstruktion wird als Portfoliorisiko bezeichnet. Selbst wenn ein Projekt planmäßig Strom erzeugt, können geringere Einnahmen aus anderen Teilen des Portfolios zu Zahlungsaussetzungen führen. Diese Risikostruktur war zwar in den Risikohinweisen beschrieben, doch ihre praktische Tragweite ist vielen Anlegern erst jetzt vollständig bewusst geworden.
Die Maßnahmen von ecoligo
ecoligo bezeichnet die aktuelle Situation als Phase der Konsolidierung. Das bestehende Projektportfolio wird bewertet, während gleichzeitig zusätzliche Marktchancen geprüft werden. Neue Projekte stehen derzeit nicht zur Investition auf der Plattform bereit.
Nach der wirtschaftlichen Analyse werden verschiedene Handlungsoptionen rechtlich und wirtschaftlich ausgearbeitet. Welche Möglichkeiten konkret auf dem Tisch liegen, wurde bislang nicht veröffentlicht. ecoligo betont, dass die Finanzierungsverträge weiterhin bestehen und ein unmittelbarer Handlungsbedarf für Anleger derzeit nicht besteht. Dennoch gibt es keine verlässlichen Aussagen zu Rückzahlungszeitpunkten, Rückzahlungshöhen oder möglichen Rückzahlungsquoten.
Mein Gespräch mit dem neuen Geschäftsführer
Bereits vor einigen Wochen habe ich ausführlich mit Benedikt Hoffmann, dem neuen Geschäftsführer von ecoligo, gesprochen. Hoffmann verfügt über langjährige Führungserfahrung im internationalen Bankwesen und im Impact Investing. In unserem Gespräch wurde deutlich, dass derzeit das gesamte Portfolio umfassend überprüft wird.
Hoffmann konnte und wollte mir keine Rückzahlungsquote oder einen konkreten Zeitplan nennen. Das wäre zu diesem Zeitpunkt auch nicht seriös gewesen. Das erklärte Ziel besteht darin, die Verluste für Anleger möglichst zu vermeiden oder zumindest so gering wie möglich zu halten. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht.
Meine persönliche Einschätzung
Aus meiner persönlichen Sicht war der Wechsel in der Geschäftsführung der richtige Schritt. Martin Baart, der Gründer von ecoligo, hat das Unternehmen aufgebaut und neue Märkte erschlossen. Die jetzige Situation stellt jedoch andere Anforderungen, die Benedikt Hoffmann aufgrund seiner Erfahrung im Bankwesen und in internationalen Finanzmärkten besser erfüllen kann.
Ich besitze keine weitergehenden internen Informationen. Alles, was darüber hinausgeht, wäre Spekulation. Auch ich bin weiterhin investiert und hoffe, dass ecoligo seine Projektportfolios stabilisieren kann. Die Situation bleibt jedoch ungewiss, und die Sorgen der Anleger sind vollkommen nachvollziehbar.
Gleichzeitig glaube ich nicht, dass wilde Spekulationen oder vorschnelle Schuldzuweisungen zu einem besseren Ergebnis führen. Die wirtschaftlichen und rechtlichen Zusammenhänge sind komplex, und eine überhastete Lösung kann im schlimmsten Fall Werte vernichten.



