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27 Juni 2026

British American Tobacco erwägt Produktion von Nikotinbeuteln in Deutschland

British American Tobacco plant eine Investition in Deutschland, doch die gesetzlichen Rahmenbedingungen stehen noch im Weg. Erfahren Sie mehr über die Pläne und Herausforderungen.

British American Tobacco erwägt Produktion von Nikotinbeuteln in Deutschland

Die Tabakindustrie in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten einen dramatischen Wandel durchlaufen. Während einst Hunderte von Betrieben und Zehntausende von Arbeitsplätzen existierten, sind heute nur noch wenige Standorte übrig geblieben. Doch nun zeigt British American Tobacco (BAT) Interesse an einer neuen Investition in Deutschland – allerdings nicht in herkömmlichen Zigaretten, sondern in Nikotinbeuteln.

Jorge Araya, Deutschland-Chef von BAT, hat kürzlich gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärt, dass das Unternehmen bereit ist, in Deutschland zu investieren, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Die geplante Produktion von Nikotinbeuteln, die unter die Oberlippe geschoben werden, könnte nicht nur neue Arbeitsplätze schaffen, sondern auch dem Staat erhebliche Steuereinnahmen bringen.

Die aktuelle Lage der Tabakindustrie in Deutschland

Die einst blühende Tabakindustrie in Deutschland hat stark an Bedeutung verloren. Während es 1951 noch 772 Betriebe mit über 74.000 Beschäftigten gab, sind heute nur noch wenige Standorte übrig. Japan Tobacco International (JTI) betreibt in Trier ein großes Werk, das 1200 Menschen Arbeit gibt. British American Tobacco (BAT) hat ein Werk in Bayreuth mit 210 Mitarbeitern. Doch selbst diese Zahlen zeigen einen starken Rückgang.

Ein besonders schmerzhafter Verlust war die Schließung des Reemtsma-Werks in Langenhagen, das 650 Beschäftigte hatte. Auch Philip Morris, der Hersteller von Marlboro, hat seine letzten beiden Werke in Berlin-Neukölln und Dresden geschlossen. Die Verlagerung der Produktion nach Osteuropa, insbesondere nach Polen und Rumänien, hat die deutsche Tabakindustrie weiter geschwächt.

Nikotinbeutel: Ein Markt mit Potenzial

Nikotinbeutel sind in Deutschland zwar nicht legal, aber dennoch sehr beliebt. Araya schätzt den jährlichen Verbrauch auf zwei Milliarden Beutel, die entweder geschmuggelt oder von der organisierten Kriminalität gefälscht werden. Dies führt nicht nur zu Gesundheitsrisiken für die Verbraucher, sondern auch zu erheblichen Steuereinnahmenverlusten für den Staat.

BAT, mit seinen Velo-Nikotinbeuteln ist zusammen mit Philip Morris („Zyn“) führend in diesem Marktsegment. Araya sieht einen volkswirtschaftlichen Schaden darin, dass Nikotinbeutel einzig der organisierten Kriminalität überlassen werden. Er schätzt, dass der Staat rund 500 Millionen Euro pro Jahr verliert. Innerhalb von fünf Jahren würde das etwa 2,5 Milliarden Euro an Steuereinnahmen ausmachen.

Die Herausforderungen der Regulierung

Die Debatte um alternative Nikotinprodukte in Deutschland ist emotional. Hessen hat auf der 99. Gesundheitsministerkonferenz im Juni in Hannover betont, dass Kinder und Jugendliche vor Suchtprodukten geschützt werden müssen. Doch es gibt auch Stimmen, die eine regulierte und legale Produktion befürworten.

Das Bundesfinanzministerium hält sich eine Hintertüre offen. Sollte die überarbeitete Tabaksteuerrichtlinie der EU eine Besteuerung von Nikotinpouches vorsehen, ist eine nationale Besteuerung ebenfalls geplant. Dies würde einen legalen Verkauf regulierter Produkte ermöglichen und möglicherweise eine deutsche Nikotinbeutelfabrik denkbar machen.

BATs Investitionspläne und Erfahrungen

Araya möchte sich nicht auf eine genaue Investitionssumme festlegen. Er betont jedoch, dass BAT ein gemäßigtes und vorhersehbares regulatorisches Umfeld benötigt. Das Unternehmen macht keine kurzfristigen Geschäfte und hat in Deutschland eine lange Geschichte. In diesem Jahr feiert BAT sein 100-jähriges Jubiläum in Deutschland.

In Italien investiert BAT über einen Zeitraum von fünf Jahren 500 Millionen Euro in die Fertigung von erhitztem Tabak. Araya hebt hervor, dass Italien ein Klima einer auf Fakten, Daten und Pragmatismus basierenden Regulierung vorgefunden hat. Dies könnte auch für Deutschland ein Vorbild sein.

Die Zukunft von BAT in Deutschland hängt von der Politik ab. Sollten die Rahmenbedingungen stimmen, könnte das Unternehmen nicht nur neue Arbeitsplätze schaffen, sondern auch dem Staat erhebliche Steuereinnahmen bringen. Die Debatte um alternative Nikotinprodukte bleibt jedoch emotional und komplex.

Autor

Jonas Becker