Ab 2027 soll das Altersvorsorgedepot das Riester-Modell ersetzen und mit höheren Zuschüssen mehr Menschen zum Sparen bewegen. Doch während die Diskussionen in Berlin um technische Details kreisen, zeigt der aktuelle Armutsbericht ein düsteres Bild: 13,3 Millionen Menschen in Deutschland sind armutsgefährdet, die Armutsquote liegt bei 16,1%. Wie kann eine Förderreform wirken, wenn die wirtschaftliche Realität so hart ist?
Das neue Altersvorsorgedepot ist mehr als nur ein Systemwechsel. Es verspricht höhere staatliche Zuschüsse, einen Kostendeckel von 1,0% und die Möglichkeit, bestehende Riester-Verträge verlustfrei zu übertragen. Doch die Praxis zeigt: Sparfähigkeit ist oft das größere Problem. Besonders betroffen sind Senioren, Alleinerziehende und Frauen ab 75 Jahren, bei denen die Armutsgefährdung überdurchschnittlich hoch ist.
Das Förderdesign: Was ändert sich wirklich?
Technisch betrachtet bringt das Altersvorsorgedepot einige wichtige Neuerungen. Der Staat stockt die Zuschüsse pro investiertem Euro deutlich auf und koppelt die Grundförderung an einen konkreten Anlagepfad. Zusätzlich gibt es einen Kostendeckel von 1,0%, der Gebührenrisiken begrenzt, und ein öffentliches Standarddepot, das Wahl- und Informationshürden reduzieren soll.
Doch die technische Umsetzung ist nur ein Teil der Geschichte. Marktanalysen zeigen, dass viele Riester-Verträge in der Vergangenheit nur geringe Renditen erzielt haben – oft unter zwei Prozent. Gleichzeitig sparen viele Menschen, besonders Frauen in der Altersgruppe 46 bis 61 Jahre, gar nicht, weil sie sich zusätzliche Rücklagen nicht leisten können.
Armutsbericht: Die harte Realität hinter den Reformen
Der aktuelle Armutsbericht liefert eine harte Messlatte. Armut bedeutet hier nicht nur geringes Einkommensondern ein Niveau unter 60% des mittleren Netto-Einkommens. Besonders auffällig sind die Risikogruppen: Senioren sind mit einer Armutsgefährdung von 19,5% überdurchschnittlich betroffen, bei Frauen ab 75 Jahren liegt der Anteil sogar bei über 21%. Alleinerziehende erreichen fast 29% – ein Wert, der die Vorsorgelogik auf den Kopf stellt.
Selbst wenn die Zuschüsse attraktiver werden, bleibt das monatliche Budget häufig zu knapp, um überhaupt in Sparprodukte einzuzahlen. Damit wird Altersvorsorge zu einem Thema von Prävention und sozialer Absicherung, nicht nur von Kapitalanlage.
Marktchancen und Herausforderungen
Trotz der skeptischen Prognosen zeigt eine aktuelle Marktuntersuchung des Kölner Forschungsinstituts Sirius Campus gemeinsam mit dem Vorsorgeexperten Aeiforia, dass das neue Altersvorsorgedepot bei der Bevölkerung gut ankommt. Von den rund 44 Millionen Förderberechtigten kennen bereits 58% das neue Produkt. Besonders die Höhe der Förderzulagen und die Aussicht auf höhere Renditen durch Aktien- und Fondsanlagen stoßen auf Interesse.
Doch die Scheu vor dem Aktienmarkt bleibt ein zentrales Hemmnis. Trotz der Aussicht auf höhere Renditen durch Investmentfonds und ETFs entscheiden sich nur 9% für eine garantiefreie Anlage. Die Mehrheit bevorzugt mit 44% eine 80%-Garantie mit mittleren Renditechancen, während 32% die volle Kapitalgarantie vorziehen.
Für die Vermittler und Finanzdienstleister bietet das neue Altersvorsorgedepot eine große Chance. Doch es ist entscheidend, die Kompetenz bei Vermittlern und Bankberatern schnell aufzubauen, um die Kunden optimal beraten zu können.
Das Wechselpotenzial aus dem bestehenden Riester-System ist beträchtlich: Laut einer früheren Sirius-Campus-Erhebung könnten rund 28% des 225 Milliarden Euro schweren Riester-Kapitalstocks in das neue Fördersystem überführt werden.



