In diesem Beitrag schildere ich, warum ich am 18.05.2026 meinen Anteil am SPDR MSCI All Country World Investable Market ETF verkauft und damit mein 1-ETF-Experiment beendet habe. Der Schritt war nicht impulsiv, sondern Ergebnis einer Analyse meiner eigenen Ziele und der praktischen Konsequenzen verschiedener Indexansätze. Während manche Anleger die Idee eines einzigen, breit gefassten Welt-ETF als elegant und zeitsparend empfinden, zeigte mir die Praxis Grenzen, die ich nicht länger ignorieren wollte.
Parallel dazu hat die Debatte in Fachartikeln, etwa einem Beitrag von wallstreetONLINE vom 17.05.2026, das Thema verstärkt: Ab wann wird Diversifikation zur ETF-Falle, die Anleger eher verunsichert als schützt? In einfachen Worten: Mehr ist nicht immer besser. Dieser Text verknüpft meine persönliche Entscheidung mit allgemeinen Überlegungen, nennt praktische Alternativen und gibt konkrete Handlungsschritte für Anleger mit unterschiedlichen Präferenzen.
Warum ich die 1-ETF-lösung aufgab
Der Kern meiner Entscheidung war die Einsicht, dass ein einzelner Global-ETF zwar viele Vorteile bietet, aber bestimmte Steuerungswünsche und Feinanpassungen erschwert. Ein Welt-ETF bündelt Länder, Branchen und Sektoren, doch sobald man Gewichtungen oder gezielte Nachsteuerungen vornehmen will, stößt man an Grenzen. Darüber hinaus beeinflussen persönliche Steuersituationen und die Frage nach lokaler Repräsentation von Aktienmärkten die Entscheidung; deshalb habe ich meine Position im SPDR MSCI ACWI liqudiert und die Mittel in ein strukturierteres 6-ETF-Weltportfolio umgeschichtet.
Die ETF-Falle: wann zu viel streuung zum nachteil wird
Viele Anleger nehmen an, dass möglichst viele ETFs automatisch das Risiko senken. Das ist ein Trugschluss, wie Fachleute warnen: verteilt man die gleichen Märkte auf zu viele Produkte, entstehen unnötige Überschneidungen, höhere Transaktionskosten und komplizierteres Rebalancing. Ein fehlendes Kosten-Nutzen-Verhältnis tritt zutage, wenn die zusätzliche Diversifikation kaum zusätzlichen Schutz bietet, aber Aufwand und Gebühren steigen. Deshalb ist die Frage entscheidend: welche Ziele verfolge ich und welche einfache Struktur erfüllt diese am besten?
Einzelner ETF versus mehrere ETFs
Als pragmatische Alternative nennt die Fachliteratur häufig zwei mögliche Vereinfachungen: Erstens ein breit gestreuter Welt-ETF wie ein MSCI ACWI oder FTSE All-World, der viele Regionen und Branchen abdeckt. Zweitens eine Aufteilung in zwei Fonds: ein MSCI World für Industrieländer und ein spezieller ETF für Emerging Markets, um das Exposure gezielt zu steuern. Beide Ansätze reduzieren Komplexität und behalten trotzdem eine klare Ausrichtung.
Warum ein 6-ETF-portfolio für mich wieder sinnvoll wurde
Mein Wechsel zurück zum 6-ETF-Weltportfolio hat praktische Gründe: mit mehreren, bewusst gewählten Produkten kann ich regionale und sektorale Gewichtungen feiner justieren, Steuervorteile optimieren und regelmäßiges Rebalancing strukturierter durchführen. Ein solches Portfolio verlangt zwar mehr Aufmerksamkeit, bietet aber für mich den gewünschten Handlungsspielraum. Wichtig bleibt, dass die Auswahl gezielt und nicht beliebig viele Redundanzen erzeugt.
Konkrete schritte für interessierte anleger
Wenn Sie überlegen, Ihre eigene Struktur zu überdenken, helfen drei Schritte: erstens Ziele und Zeitraum klar definieren, zweitens Kosten, overlap und steuerliche Effekte analysieren, drittens eine praktikable Struktur wählen (1 ETF, 2 ETFs oder ein Multi-ETF-Ansatz). Achten Sie auf klare Regeln für Rebalancing und halten Sie Transaktionskosten sowie steuerliche Besonderheiten im Blick. So vermeiden Sie die typische ETF-Falle und treffen Entscheidungen, die zu Ihrer persönlichen Situation passen.
Abschließende bemerkungen
Mein Verkauf des SPDR MSCI ACWI am 18.05.2026 war ein persönlicher Schritt, keine allgemeine Empfehlung. Er zeigt aber ein Grundprinzip: Struktur muss zu Zielen und Engagement passen. Ob Sie bei einem einzelnen Welt-ETF bleiben oder ein 6-ETF-Weltportfolio bevorzugen, hängt von Ihrem Zeithorizont, Ihrer Bereitschaft zur Pflege des Depots und steuerlichen Rahmenbedingungen ab. Wichtig ist: verstehen, vereinfachen, nicht blind vermehren.


