Im ersten Halbjahr 2026 gerieten die drei deutschen Premiumhersteller VolkswagenMercedes-Benz und BMW in erhebliche Schwierigkeiten. Laut einer aktuellen Untersuchung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY erreichten sie im weltweiten Vergleich nur die Plätze 16, 17 und 19 von 19 geprüften Konzernen, wenn es um die Umsatzentwicklung geht. Während die Gesamtheit der 19 analysierten Hersteller ihre Erlöse um 3,6 % auf knapp 1,05 Billionen Euro steigern konnte, verzeichneten die deutschen Giganten gemeinsam einen Rückgang von 2,9 % auf rund 284 Milliarden Euro. Dieser Trend ist bereits das dritte aufeinanderfolgende Halbjahr mit negativem Umsatzwachstum.
Rückgang von Umsatz und operativem Ergebnis
Der Rückgang beschränkt sich nicht nur auf die Verkaufszahlen: Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) der deutschen Hersteller fiel im gleichen Zeitraum um 19,0 % auf 13,0 Milliarden Euro – der zweittiefste Wert seit 2017. Im Gegensatz dazu stieg das EBIT aller anderen 16 Unternehmen um 11,4 % auf 43,7 Milliarden Euro. Die E-Bit-Marge der deutschen Gruppe sank von 5,5 % auf 4,6 %, wobei Volkswagen nur noch 3,8 % und BMW 5,8 % erwirtschafteten. Diese Zahlen verdeutlichen, dass nicht nur Marktanteile, sondern vor allem die Ertragskraft stark leidet.
Kostendruck am deutschen Produktionsstandort
Ein zentraler Grund für die schwächere Performance liegt in den strukturellen Kostennachteilen, die die Unternehmen in ihrem Heimatland tragen. Hohe Lohnkosten, steigende Energiepreise und umfangreiche regulatorische Auflagen erhöhen die Herstellungskosten deutlich. Früher war die hohe Produktionsintensität in Deutschland ein Wettbewerbsvorteil, heute jedoch wirkt sie sich zunehmend als Belastung aus. Dieser Druck zwingt die Hersteller, über Produktionsverlagerungen nachzudenken, um die Marge zu stabilisieren. Gleichzeitig müssen sie enorme Investitionen in die Elektromobilität tätigen – neue Plattformen, Batterietechnologie und Ladeinfrastruktur kosten Milliarden.
China als zweischneidiges Schwert und die Rolle von Halbleitern
Der bislang wichtigste Wachstumsmarkt für die deutschen Premiumhersteller, China, hat sich in den letzten zwölf Monaten von einer Cash-Cow zu einem erheblichen Risiko entwickelt. Der Absatz in China sank um 25 % – der Anteil am weltweiten Gesamtabsatz fiel von 28,9 % auf 23,5 %. Parallel dazu dringen chinesische Autohersteller mit günstigen Elektro-Modellen, hoher Innovationsgeschwindigkeit und aggressiven Preisen in den europäischen Markt vor. Dieser Doppeldruck erschwert die Erholung in beiden Regionen.
Ein weiterer Engpass, der die Situation verschärft, ist die Abhängigkeit von fortschrittlichen Halbleiter-Chips. Für die neuen, digitalisierten Modelle benötigen BMW und Mercedes-Benz leistungsstarke Prozessoren von Qualcomm, die sowohl Fahrassistenzsysteme als auch das Infotainment steuern. Die weltweite Nachfrage nach Autochips wird laut Marktforschungsinstitut Yole bis 2031 voraussichtlich auf 160 Milliarden US-Dollar ansteigen – mehr als das Doppelte des Jahres 2023. Lieferengpässe könnten die bereits knappen Margen weiter unter Druck setzen.
Auswirkungen auf Beschäftigung und Ausblick
Die Kombination aus schwächerer Umsatzentwicklung, sinkenden Margen, hohen Standortkosten und wachsendem Chip-Mangel hat direkte Folgen für den Arbeitsmarkt. Bei Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW stehen Umstrukturierungen und potenzielle Stellenabbaupläne in den Werken Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm an. Für die Zulieferer bedeutet die rückläufige Nachfrage ebenfalls ein erhöhtes Risiko von Auftragsrückgängen. Trotz dieser Herausforderungen versuchen die Unternehmen, durch Technologiepartnerschaften und strategische Standortentscheidungen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, doch die kommenden Jahre bleiben von Unsicherheit geprägt.



