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26 September 2026

Brasiliens Plan: Seltene Erden im eigenen Land verarbeiten

Lula erklärt in São Paulo, wie Brasilien kritische Mineralien selbst verarbeiten, ausländische Investitionen für Technologietransfer nutzen und eigene Datenzentren für KI schaffen will.

Brasiliens Plan: Seltene Erden im eigenen Land verarbeiten

Am 26. September 2026 trat Präsident Luiz Inácio Lula da Silva in São Paulo vor mehr als 500 Unternehmerinnen und Unternehmer des Grupo Esfera auf die Bühne. In seiner Rede stellte er ein ambitioniertes Industrie-Projekt vor: Brasilien soll nicht länger nur Rohstofflieferant sein, sondern die komplette Wertschöpfungskette von kritischen Mineralien und seltenen Erden im eigenen Hoheitsgebiet etablieren.

„Diese neue Möglichkeit von Reichtum, die in unserem Untergrund liegt, muss ein neuer Reisepass für die Zukunft dieses Landes sein“, betonte Lula. Er unterstrich, dass die Ressourcen nicht nur abgebaut, sondern hier extrahiert, hier umgewandelt, hier verarbeitet und hier industrialisiert werden sollen, bevor sie in den globalen Markt gelangen. Durch diese Strategie soll ein größerer Anteil an Mehrwert im Land verbleiben, wodurch qualifizierte Arbeitsplätze, technologische Kompetenz und höhere Steuereinnahmen entstehen.

Kritische Mineralien: Von der Mine zum fertigen Produkt

Der Präsident machte deutlich, dass Brasilien Gefahr läuft, wieder zum reinen Rohstoffexporteur zu werden, wenn es die nachgelagerten Produktionsstufen nicht aufbaut. Er forderte ein Modell, bei dem der Unterschied zwischen dem Wert des Endprodukts und den Kosten für das Ausgangsmaterial – die sogenannte Wertschöpfungsquote – deutlich erhöht wird. Durch die Schaffung von Fabriken, die Seltene Erden zu Hochleistungskomponenten für Elektrofahrzeuge und Elektronik veredeln, soll das Land nicht nur vom globalen Preisdruck befreit, sondern auch zu einem wichtigen Akteur in Zukunftsmärkten werden.

Ausländische Investitionen unter Technologietransfer

Lula schloss ausländische Kapitalströme nicht aus, betonte jedoch, dass sie an klare Bedingungen geknüpft werden müssen. „Ich will keine fremden Unternehmen? Ich will sie, aber sie müssen unter unserer Führung arbeiten, weil wir technisches Wissen erlangen wollen“, erklärte er. Damit soll ein Technologietransfer gewährleistet werden, der brasilianische Unternehmen befähigt, eigenständig Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu leiten.

Nationale Datenzentren und KI-Strategie

Ein weiterer Schwerpunkt der Rede lag auf digitaler Souveränität. Lula forderte den Aufbau von Datenzentren im Land und erklärte, dass Brasilien nicht zwischen den Interessen von China und den Vereinigten Staaten um die Vorherrschaft in der Künstlichen Intelligenz (KI) stehen wolle. „Wir müssen unsere eigenen Datenzentren haben, weil ich nicht zwischen China und den USA streiten will, welche KI die führende sein wird. Ich will die unsere“, sagte er. Das Ziel sei, nationale Kontrolle über Daten, Cybersicherheit und Anwendungsmöglichkeiten von KI zu sichern.

Handelserweiterung nach US-Zöllen

Er nannte einen Anstieg der chinesischen Importe um 19 % Indonesiens um 15 % Deutschlands ebenfalls um 15 % und Vietnams um 13 %. Insgesamt seien die Exporte in über 50 Länder um 10,5 % gestiegen, wodurch der Handelsüberschuss von 50 auf 80 Milliarden Dollar angewachsen sei. Diese Entwicklung untermauert die Strategie, Brasilien vom reinen Rohstofflieferanten zu einem diversifizierten Industrie- und Technologiestandort zu entwickeln.

Autor

Jonas Becker