Am 11. September 2026 traf Scheich Mohammed bin Sajid al-Nahjan, Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), in Berlin auf Bundeskanzler Friedrich Merz. Im Rahmen des ersten emiratischen Staatsbesuchs seit Jahrzehnten verkündeten beide Seiten ein gemeinsames Investitionspaket in Höhe von 40 Milliarden Euro. Das Geld soll die deutsch-emiratischen Wirtschaftsbeziehungen vertiefen und an bestehende 34-Milliarden-Euro-Investitionen anknüpfen, die die VAE bereits in Deutschland getätigt haben.
Der Besuch war von hohem Symbolcharakter: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßte den Scheich mit militärischen Ehren, gefolgt von einem Staatsbankett, bei dem zahlreiche Minister, Wirtschaftsvertreter und Diplomaten anwesend waren. Während des offiziellen Treffens im Kanzleramt wurden 29 Absichtserklärungen und Abkommen mit einem Gesamtwert von rund 9,36 Milliarden Euro unterzeichnet. Die Vereinbarungen decken ein breites Spektrum ab – von Verteidigung und Sicherheit bis hin zu Luftverkehr und Künstlicher Intelligenz.
Investitionsschwerpunkte: Digitale Infrastruktur und Energie
Die VAE-Investitionen konzentrieren sich vor allem auf die digitale Infrastruktur. Geplant ist der Bau mehrerer hochmoderner Rechenzentren, deren kombinierte Leistung rund einen Gigawatt betragen soll. Diese Zentren sollen nicht nur den Standort Deutschland als europäischen Datenhub stärken, sondern auch das Wachstum von Künstlicher Intelligenz und Cloud-Diensten beschleunigen. Parallel dazu sollen Kooperationen im Bereich Flüssigerdgas (LNG) erneuerbare Energien und Wasserstoff intensiviert werden, um die Energiesicherheit beider Länder zu erhöhen.
Industrieminister Sultan Ahmed al-Dschaber betonte, dass die zusätzlichen Mittel vor allem in die Stärkung von Lieferketten und den Ausbau von nachhaltigen Energielösungen fließen werden. Damit sollen nicht nur neue Arbeitsplätze geschaffen, sondern auch technologische Kompetenzen in Schlüsselindustrien wie der Chemie- und Maschinenbau-Sparte gefördert werden. Die Investitionen sollen zudem die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen im internationalen Markt weiter festigen.
Politischer Rahmen: Strategischer Dialog und weitere Kooperationen
Zusätzlich zu den wirtschaftlichen Projekten vereinbarten die beiden Staatsoberhäupter die Einrichtung eines strategischen Dialogs. In diesem Forum sollen Themen wie Verteidigung, Handel, Energie und Klimaschutz regelmäßig besprochen werden. Ein weiterer konkreter Schritt war die Erweiterung der deutschen Flugrechte für die Fluggesellschaft Emirates, die künftig eine fünfte deutsche Stadt bedienen darf.
Die Gespräche nahmen auch sicherheitspolitische Aspekte auf. Beide Seiten verurteilten die iranischen Angriffe auf die Region und forderten ein Ende der Blockade der Straße von Hormus. Im Kontext des Nahostkonflikts bekräftigten Deutschland und die VAE ihre Unterstützung für eine Zweistaatenlösung und forderten die Entwaffnung der Hamas sowie den Rückzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen. Darüber hinaus dankte Deutschland den VAE für ihre Vermittlung beim Gefangenenaustausch zwischen Kiew und Moskau, wodurch fast 8 000 Kriegsgefangene freigelassen wurden.
Der Staatsbesuch war nicht unumstritten: Am Berliner Hauptbahnhof entrollten Aktivisten ein Banner mit der Aufschrift „Merz, keine Deals mit Kriegstreibern im Sudan“. Die Kritik richtet sich gegen die mutmaßliche Unterstützung der VAE für Milizen im Sudan. Die Bundesregierung wies jedoch darauf hin, dass auch die Situation im Sudan im Dialog thematisiert wurde und beide Staatschefs zivile Angriffe verurteilten.
Der Besuch endet am Freitag in München, wo Scheich Mohammed von bayerischem Ministerpräsident Markus Söder empfangen wird und anschließend an einem Wirtschaftsforum von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche teilnimmt. Damit soll das Momentum des Berliner Staatsbesuchs weiter genutzt werden, um die angekündigten Finanzflüsse in die Praxis umzusetzen.



