In einer Welt, in der traditionelle Werbung oft auf Skepsis stößt, setzen immer mehr Unternehmen auf eine neue Strategie: Benutzergenerierte Inhalte (UGC). Diese authentischen Empfehlungen von Nutzern wirken oft glaubwürdiger als aufwendig produzierte Werbespots. Doch wo endet Authentizität und wo beginnt Manipulation?
Die Frankfurter UGC-Creatorin Sarah Fabian begann ihre Karriere mit eigenen Videoideen auf Instagram und TikTok. Schnell entdeckten Marken ihr Talent und boten ihr Aufträge an. Für Fabian ist UGC eine schnelle Möglichkeit das Videomachen zu monetarisieren, ohne auf große Reichweite angewiesen zu sein.
Authentizität als Erfolgsfaktor
Unternehmen wie Airup aus München setzen auf UGC, um ihre Produkte alltagsnah zu präsentieren. Die Firma stellt Trinkflaschen mit duftenden Kunststoffkartuschen her und wirbt damit, dass durch den Geruchssinn Geschmack wahrgenommen werden kann. Margod de Montfort Marketing Director France bei Airup, betont, dass echte Menschen, die ein Produkt nutzen und empfehlen, oft glaubwürdiger wirken als traditionelle Werbung.
Besonders relevant ist UGC für ein jüngeres Publikum zwischen 15 und 35 Jahren, das täglich Social-Media-Inhalte konsumiert. Eine Mediensucht-Sonderanalyse der DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigt, dass 47 Prozent der Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren durch Werbung auf Social-Media-Plattformen auf Produkte aufmerksam werden.
Risiken und Herausforderungen
Jan Landwehr Medien- und Konsumentenpsychologe an der Goethe-Universität Frankfurt sieht Risiken bei UGC. Nutzer prüfen die Aussagen oft weniger kritisch als bei klassischer Werbung. Wissenschaftliche Nachweise für Werbeaussagen sind im Influencer-Marketing häufig eine Grauzone.
Problematisch ist auch die enge Beziehung zwischen Creator und Community. Durch diese soziale Bindung können Creator explizit oder subtil Druck auf ihre Follower ausüben. Landwehr nennt als Beispiel Werbung für Haustierprodukte, die das Gefühl vermitteln können, aus Verantwortung handeln zu müssen.
Während es für klassische Werbung mit dem Deutschen Werberat eine Selbstkontrollinstanz gibt, fehlt eine vergleichbare Selbstverpflichtung im Influencer-Marketing weitgehend. Die Branche hat sich lange nur schrittweise reguliert.
Verantwortung der Creator
Sarah Fabian erhofft sich für die Branche mehr Regularien. Sie arbeitet nur mit Produkten und Partnern zusammen, hinter denen sie zu 100 Prozent steht. Die Zuschauer entwickeln eine ernsthafte Beziehung und Bindung zu dem jeweiligen Creator betont sie. Ein Creator müsse sich bewusst sein, dass Leute aufgrund dieser Beziehung und dieser scheinbaren Authentizität handeln.
Die Tagesschau zeigt im Juni 2026, wie Reichweite auf TikTok heute funktioniert. Mit einem Median von 50.000 Likes und 164 veröffentlichten Videos ist der Account die klare Nummer 1. Reichweite entsteht nicht nur durch den perfekten Clip, sondern auch durch konsequente Frequenz.
Direkt dahinter landet Wonderwaffel mit 49.000 Likes im Median. Der Berliner Food-Account gehört längst zum festen Inventar der Charts. Platz drei sichert sich Red Bull das mit einem gehosteten Parcours-Video erneut zeigt, dass bewährte Formate noch lange nicht ausgereizt sind.
Adidas nutzt den WM-Moment konsequent für virale Clips. Die Marke verkauft nicht einfach Produkte, sondern liefert Inhalte, die perfekt in den Algorithmus passen. Die Jindaoui-Accounts verteidigen Platz eins und zwei souverän und zeigen keinerlei Ermüdungserscheinungen.



