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2 Juli 2026

Technologische Autonomie: Europas Weg zur Wettbewerbsfähigkeit gegen China und die USA

Europa steht vor einer entscheidenden Phase. Ohne technologische Autonomie droht der Kontinent zwischen den USA und China zerrieben zu werden.

Technologische Autonomie: Europas Weg zur Wettbewerbsfähigkeit gegen China und die USA

Europa steht an einem Scheideweg. Die wirtschaftlichen Machtverhältnisse verschieben sich dramatisch, und die Warnungen vor einem Bedeutungsverlust des Kontinents werden lauter. Historiker Niall Ferguson und Ökonom Moritz Schularick betonen die wachsende Dominanz der USA und Chinas – insbesondere bei Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz.

Ohne eine eigene technologische Basis droht Europa zwischen den beiden Supermächten zerrieben zu werden. Die technologische Autonomie ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Doch wie kann Europa diese erreichen, und welche konkreten Schritte sind notwendig?

Die wachsende Dominanz der USA und Chinas

Die USA haben ihre wirtschaftliche Stärke in den letzten Jahren weiter ausgebaut, während Europa zurückgefallen ist. Die US-Wirtschaft hat Europa in den vergangenen zehn Jahren weit hinter sich gelassen. Ferguson erkennt strukturelle Schwächen in Deutschland und Europa. Die deutsche Wirtschaft hat die Bedrohung durch China völlig unterschätzt.

Ohne grundlegende Änderungen drohen langfristig nicht nur ökonomische Nachteile, sondern auch sicherheitspolitische Abhängigkeiten. Ohne Technologie gibt es für Europa keine Sicherheit betont Schularick. Die Abhängigkeit von ausländischen Technologien könnte Europa langfristig in eine prekäre Lage bringen.

Konkrete wirtschafts- und industriepolitische Ansätze

Um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, schlagen Ferguson und Schularick mehrere konkrete wirtschafts- und industriepolitische Ansätze vor. Schularick fordert eine klare europäische China-Strategie und schlägt vor, den Zugang zum europäischen Binnenmarkt gezielt als Druckmittel einzusetzen. Europa muss den Zugang zum großen europäischen Markt als Verhandlungsmasse nutzen.

Europa solle chinesischen Unternehmen Marktzugang nur gewähren, wenn sie auch vor Ort produzieren und so Arbeitsplätze sichern. Ein weiterer Ansatz sei der Ausbau der Verteidigungs- und Hochtechnologieindustrie. Schularick sieht darin nicht nur eine sicherheitspolitische Notwendigkeit, sondern auch eine wirtschaftliche Chance, technologisch aufzuholen.

Investitionen in Schlüsseltechnologien

Zugleich plädieren die Ökonomen für eine stärkere Fokussierung auf Schlüsseltechnologien und technologische Eigenständigkeit. Dazu zählen explizit eigene Cloud-Infrastrukturen und KI-Systeme, ohne die Europa im globalen Wettbewerb zurückfalle. Ein weiterer Ansatz sei der Ausbau der Verteidigungs- und Hochtechnologieindustrie.

Ohne Investitionen in Bereiche wie KI, Robotik oder Raumfahrt drohen langfristig nicht nur ökonomische Nachteile, sondern auch sicherheitspolitische Abhängigkeiten. Ferguson ergänzt, dass staatliche Investitionen – etwa in Infrastruktur – Wachstum schaffen könnten, wenn sie gezielt eingesetzt würden. Zudem fordert er mit Blick auf die Verteidigungsindustrie eine deutlich schnellere Umsetzung: Europa benötige eine Operation Höchsttempo bei der Aufrüstung, damit wirtschaftliche Effekte sichtbar würden.

Trotz der düsteren Diagnose bleibt ein vorsichtiger Optimismus: Gelinge es, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, technologisch aufzuholen und industriepolitisch konsequenter zu handeln, könne der Abstieg gestoppt werden. Der Niedergang der deutschen Industrie lässt sich stoppen sagte Schularick. Ferguson warnte allerdings zugleich vor politischen Folgen wirtschaftlicher Schwäche: Solange das Wachstum gering ist, gewinnen die Populisten an Boden und die demokratische Mitte kann sich nicht behaupten.

Autor

Jonas Becker