Ab dem 1. Januar 2027 wird in Deutschland das Altersvorsorgedepot eingeführt, das die bisherige Riester-Rente ablöst. Dieses neue Modell bietet höhere Renditechancen und mehr Flexibilität und soll mehr Menschen zur privaten Altersvorsorge motivieren. Besonders Familien und Selbstständige können von den verbesserten Förderungen profitieren.
Im Gegensatz zur Riester-Rente setzt das Altersvorsorgedepot auf breite Investitionen in Aktien- und Anleihenfondseinschließlich ETFs. Ziel ist es, über Jahrzehnte attraktive Renditen zu erwirtschaften. Eine Beispielrechnung zeigt, dass bei einem Jahresbeitrag von 1800 Euro über 17 Jahre mehr als 50.000 Euro netto nach Steuern herauskommen können – deutlich mehr als bei einem vergleichbaren Riester-Vertrag.
Einfacher Zugang zu staatlichen Zulagen
Das neue System vereinfacht die Förderung erheblich. Jeder Sparer erhält 50 Prozent Zuschuss auf die ersten 360 Euro, maximal 180 Euro. Auf weitere Beiträge bis 1440 Euro gibt es 25 Prozent, höchstens 360 Euro. Die maximale Grundzulage beträgt damit 540 Euro. Hinzu kommen 300 Euro pro Kind für Sparer, die mindestens 360 Euro einzahlen. Neueinsteiger erhalten einen einmaligen Bonus von 200 Euro bei mindestens 120 Euro Eigenbeitrag.
Zum Vergleich: Bei der Riester-Rente mussten Sparer vier Prozent ihres Einkommens einzahlen, um die volle Förderung von 175 Euro plus Kinderzulagen zu erhalten. Wer weniger sparte, bekam nur anteilige Zuschüsse. Eine Familie mit zwei Kindern erhielt maximal 775 Euro Förderung. Im neuen System kann dieselbe Familie bei 2100 Euro Einzahlung bis zu 1215 Euro Zulagen bekommen – ein Plus von 440 Euro.
Flexibilität und Renditechancen
Das Altersvorsorgedepot bietet besonders für Menschen in den Fünfzigern mit noch mehreren Jahren bis zur Rente attraktive Möglichkeiten. Sie können auf Aktienfonds setzen und Marktschwankungen aussitzen. Auch für 65-Jährige, die ihre Riester-Gelder noch nicht brauchen, eröffnen sich neue Chancen. Das Depot kann bis zum 70. Lebensjahr bespart werden, bevor die Auszahlungsphase beginnt. Diese Flexibilität ermöglicht geringere Steuern auf Auszahlungen und höhere monatliche Raten bis zum 85. Lebensjahr.
Wer zusätzlich 50.000 Euro aus einem alten Riester-Vertrag überträgt, könnte am Ende etwa 149.000 Euro erreichen statt 74.000 Euro im Riester-Vertrag. Besonders attraktiv ist das neue Depot für Menschen, die ihr Geld geordnet und flexibler bis 85 entnehmen möchten.
Nicht für alle vorteilhaft
Experten warnen jedoch, dass das neue Modell nicht für alle vorteilhaft ist. Geringverdiener profitierten bei Riester von niedrigeren Mindestbeiträgen. Wer vier Prozent von 6000 Euro Jahreseinkommen sparte – also 240 Euro – erhielt die vollen 175 Euro Zulage. Der Eigenanteil lag bei nur 65 Euro. Im neuen System würden 65 Euro Eigenbeitrag lediglich 32,50 Euro Grundzulage bringen.
Es wird empfohlen, die Förderung in beiden Modellen zu vergleichen und immer auch die Kosten zu berücksichtigen. Das Standardmodell für 2027 soll eine Kostengrenze von einem Prozent des eingezahlten Betrags haben. Doch Vorsicht: Banken, Versicherer und Fondsanbieter dürfen zusätzliche Produkte anbieten, die mehr Auswahl, Beratung oder Garantien versprechen, aber deutlich teurer sein können.
Bestehende Riester-Verträge können fortgeführt werden. Sparer haben mehrere Möglichkeiten: Sie können ihren alten Vertrag mit neuer Förderung weiterbesparen, das angesammelte Kapital in ein neues Produkt übertragen oder einen neuen Vertrag abschließen und den alten beitragsfrei stellen. Wer den alten Vertrag fortsetzt, hat darauf aber schon vorher die volle Provision gezahlt. Eine Kündigung ist keine Option, da alle Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden müssen.



