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12 Oktober 2026

P2P-Plattformen im Fokus: Spanien, Estland und Wachstumszahlen

Neue Gesetze, Lizenz‑Antrag und beeindruckende Zahlen – alles, was P2P‑Investoren jetzt wissen sollten.

P2P-Plattformen im Fokus: Spanien, Estland und Wachstumszahlen

In der letzten Woche gab es mehrere wegweisende Entwicklungen, die die P2P-Kredit-Branche unmittelbar betreffen. Neben politischen Turbulenzen in Spanien, die das Geschäftsmodell von Indemo herausfordern, steht die estnische Plattform Modena kurz vor einem entscheidenden Schritt: dem Antrag auf eine MiFID-II-Lizenz. Ergänzt werden diese regulatorischen Ereignisse durch beeindruckende Wachstumszahlen von TWINO Flexi sinkende Ausfallquoten bei LANDE und ein nahezu fünffaches Plus beim Nettogewinn von TD Funding.

Indemo unter spanischem Wohnungsrecht: Was ändert sich?

Am 2. Oktober lehnte das spanische Parlament die ersten Entwürfe zu einer umfassenden Reform des Mietrechts ab. Nur drei Tage später, am 5. Oktober, wurde das Parlament aufgelöst und Neuwahlen für den 29. November ausgerufen. Die Regierung hat inzwischen überarbeitete Fassungen vorgelegt, die noch im Parlament bestätigt werden müssen. Für Indemo das zu 100 % in Spanien aktiv ist, stehen dabei zwei Kernpunkte im Fokus: erstens ein Erwerbslimit von 70 Prozent des Immobilienwerts und zweitens ein vermeintlicher Räumungsstopp bis 2030.

Die 70-Prozent-Klausel gilt ausschließlich für den Kauf von Wohnimmobilien und nicht für den Erwerb von Forderungen. Indemo betont, dass die Gesamtkalkulation – offene Schuld, übernommener Teil, Barzahlungen und Verbindlichkeiten – oftmals nahe am Immobilienwert liegt, sodass die Regel keinen praktischen Hinderungsgrund darstellt. Der in den Medien häufig zitierte Räumungsstopp trifft nur auf Schuldner mit fest definierten sozialen Verwundbarkeitsmerkmalen, die keine Ersatzunterkunft haben. Er ist kein automatischer Schuldenerlass; Zinsen und Verfahrenskosten können weiter ansteigen. Indemo verlässt sich daher stark auf außergerichtliche Einigungen und sieht die neue Rechtslage als geringes Risiko für das Produkt.

Investoren sollten jedoch die Entwicklungen im spanischen Parlament und das Wahlergebnis am 29. November aufmerksam verfolgen. Laut Indemo steht der Sekundärmarkt kurz vor dem Launch, was einen vorzeitigen Verkauf von Beteiligungen ermöglichen könnte.

Am 6. Oktober kündigte Modena an, innerhalb von 2,5 Monaten einen kompletten Antrag bei der estnischen Finanzaufsicht FSA einzureichen. Anschließend ist mit einer Prüfphase von etwa sechs Monaten zu rechnen. Derzeit agiert Modena Estonia OÜ als lizenzierter Kreditgeber, jedoch weder als Wertpapierfirma noch als Crowdfunding-Plattform. Mit der beantragten Lizenz würde Modena der direkten Aufsicht der FSA unterliegen, strengere Eigenkapital- und Solvenzvorgaben erfüllen sowie erweiterte Governance- und Risikomanagement-Standards implementieren.

Der Schritt wird als strategischer Versuch gesehen, sich von etablierten Konkurrenzprodukten wie Go & Grow oder Monefit SmartSaver abzuheben und regulatorisch ein klareres Profil zu erhalten. Ob und wann die Genehmigung erteilt wird, bleibt offen; frühestens im Sommer 2027 könnte eine Entscheidung vorliegen. Für bestehende Anleger bedeutet die mögliche Lizenz keinen sofortigen Wechsel, aber langfristig könnte sie das Vertrauen in die Plattform stärken.

Plattform-Performance: TWINO, LANDE und TD Funding im Detail

Das TWINO Flexi-Produkt hat inzwischen über 2 100 aktive Anleger und ein ausgegebenes Wertpapiervolumen von 2 Millionen Euro. Das Dashboard zeigt transparent sowohl das Gesamtvolumen als auch den aktuell investierten Betrag. Die Liquidität wird über drei Stufen abgesichert: zunächst die Nachfrage anderer Anleger, danach Rückkäufe durch TWINO aus einer Rücklage von 10 % des gelisteten Kreditvolumens und schließlich die vorzeitige Tilgung durch den Kreditgeber. Bisher war die dritte Stufe nicht nötig.

Bei LANDE liegt die historische Ausfallquote bei 4,08 % bei einem Gesamtvolumen von 67,6 Millionen Euro. Für landbesicherte Kredite beträgt die Quote 2,56 % bei 36,7 Millionen Euro. Besonders positiv ist der Trend bei maschinenbesicherten Krediten: von 13,45 % im Jahr 2023 auf 0 % im Jahr 2026 (4,2 Millionen Euro Volumen). Diese Entwicklung wird auf strengere Scoring-Methoden und den Verzicht auf riskantere Produkte wie Erntefinanzierungen zurückgeführt.

Die TD Funding-Plattform, die sich auf die Finanzierung von Spiele- und App-Studios spezialisiert hat, hat im zweiten Quartal 2026 ihren Nettogewinn fast um das Fünffache gesteigert. Der Bruttogewinn hat sich gegenüber dem Vorquartal verdoppelt, da die hohen Anfangskosten des Plattformstarts im ersten Quartal nicht mehr belastend wirkten und die Zahl der erworbenen Kredite zunahm. Zum Quartalsende wies das Unternehmen Vermögenswerte von 18,5 Millionen Euro gegenüber Verbindlichkeiten von 13,5 Millionen Euro aus, was ein Polster von etwa 5 Millionen Euro schafft, um mögliche Ausfälle abzufedern.

Anleger sollten jedoch die spezifischen Risiken einzelner Plattformen im Blick behalten und von Angeboten wie 0,5 % Cashback (bis zum 31.10.2026 bei Indemo) oder 2,0-4,0 % Cashback für neue Investoren profitieren, wenn sie die jeweiligen Bedingungen erfüllen.

Autor

Jonas Becker