Der englische Spitzenklub Manchester City steht erneut im Fokus der Öffentlichkeit, nachdem er am 2. Oktober 2026 formell Berufung gegen das Urteil einer unabhängigen Premier-League-Kommission eingelegt hat. Die Kommission hatte in einem mehrjährigen Verfahren über 100 Verstöße festgestellt, darunter zahlreiche „sham contracts“ und gefälschte Sponsoring-Deals, die nach Schätzungen rund eine Milliarde Euro an Kosten verschleierten.
Der Verein betont in einer offiziellen Stellungnahme, dass er über „umfassende Beweise“ verfüge, die seine Unschuld belegen. Gleichzeitig wirft er der Kommission Verfahrensfehler bei der Anwendung von Regelwerk, Rechtsprinzipien und Faktenlage vor und fordert eine erneute, unabhängige Bewertung.
Berufung von Manchester City und Vorwürfe der Premier League
Die unabhängige Kommission, die im Namen der Premier League arbeitet, hatte in ihrem Bericht die Nutzung von sogenannten „sham arrangements“ über neun Spielzeiten belegt. Dabei handelte es sich um scheinbare Verträge, die in Wirklichkeit keinerlei wirtschaftlichen Gegenwert hatten und dazu dienten, die Finanzvorschriften der Liga zu umgehen. Durch diese Praktiken solle der Klub sowohl Einkommensteuer als auch Sozialversicherungsbeiträge in erheblichem Umfang nicht abgeführt haben.
Als Konsequenz drohen dem Verein Geldstrafen, Punktabzüge, ein möglicher Abstieg aus der Premier League oder sogar die Aberkennung von Titeln. Das endgültige Strafmaß soll in einem separaten Verfahren geklärt werden, das derzeit noch nicht terminiert ist.
Einmischung von HMRC und parlamentarischen Kontrollen
Parallel zum sportlichen Rechtsstreit hat das britische Finanzamt HM Revenue and Customs (HMRC) angekündigt, die Vorwürfe eingehend zu prüfen. Die Initiative stammt nach einem Bericht der unabhängigen Organisation Tax Policy Associates, die auf mögliche Steuerhinterziehungen durch Scheinverträge hinwies. Der parteiübergreifende Finanzausschuss des Parlaments, geleitet von Meg Hillier, fordert von HMRC eine klare Zusicherung, dass die Bedeutung des Falls und das öffentliche Interesse erkannt werden.
Hillier betonte, dass die Ergebnisse der Premier-League-Kommission nicht isoliert betrachtet werden können, sondern Teil einer breiteren Debatte über die Integrität des englischen Fußballs und die Einhaltung von Steuergesetzen. Sollte HMRC Unregelmäßigkeiten feststellen, könnte dies zu zusätzlichen steuerlichen Nachzahlungen und strafrechtlichen Ermittlungen führen.
Reaktionen von Premierminister Andy Burnham und dem englischen FA
Premierminister Andy Burnham, selbst ein früherer Bürgermeister von Greater Manchester, hat sich ebenfalls öffentlich zu dem Fall geäußert. In einer Mitteilung seines Sprechers wurde betont, dass „niemand über den Regeln steht“ und dass „fehlendes Verhalten konsequent geahndet werden muss“. Zu Beginn hatte Burnham noch die positiven infrastrukturellen Investitionen der Abu-Dhabi-Eigentümergruppe hervorgehoben, doch nach zunehmender Kritik hat er seine Haltung angepasst und betont, dass der laufende Prozess respektiert werden muss.
Der englische Fußballverband FA hat ebenfalls reagiert und erklärt, dass die Vorwürfe bereits erhebliche Auswirkungen auf die Integrität des Spiels haben. Die FA prüft derzeit die Entscheidung der Premier-League-Kommission und behält sich vor, bei Bedarf weitergehende Sanktionen zu verhängen, ohne jedoch konkrete Maßnahmen zu benennen.



