Im Juni 2026 erreichte der Münchner Auto-Abo-Dienst Finn die Bewertung von einer Milliarde Euro und damit den begehrten Unicorn-Status. Mit über 50.000 aktiven Fahrzeugabonnements und einem jährlichen wiederkehrenden Umsatz von rund 300 Millionen Euro gehört das Unternehmen zu den am schnellsten wachsenden Mobilitätsanbietern in Deutschland.
Nur wenige Monate nach diesem Meilenstein verkündete Finn zum 1. November 2026 einen bedeutenden Führungswechsel: Patrick Oliver Schmidt übernimmt das Amt des CEO, während Mitgründer Maximilian Wühr seine operative Verantwortung abgibt und künftig im Advisory Board sowie als strategischer Berater tätig bleibt.
Wühr, der das Unternehmen 2019 gemeinsam mit drei Mitstreitern gründete und seit Mai 2023 die Geschäftsführung innehatte, bedankt sich in einer kurzen Mitteilung für die Unterstützung des Teams und betont, dass Schmidt „die ideale Besetzung für die nächste Wachstumsphase“ sei. Der ehemalige CEO bleibt jedoch aktiv im Vorstand und soll den Übergang begleiten.
Patrick Oliver Schmidt – ein E-Commerce-Veteran
Schmidt bringt mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung aus der Leitung digitaler Handelsplattformen mit. Zuvor war er CEO des australischen Online-Modehändlers The Iconic, später Co-Chief der Global Fashion Group und zuletzt Geschäftsführer von Sunday Natural. Seine Laufbahn startete bei der Boston Consulting Group in München, wo er die Grundlagen für seine strategische Denkweise entwickelte.
Durch seine vorherigen Rollen kennt Schmidt das Skalieren von Technologie- und Logistik-Business-Modellen, was Finn angesichts einer wachsenden Flotten- und Kundenzahl als entscheidender Vorteil erscheinen lässt. Beobachter sehen in ihm einen Manager, der bewiesen hat, digitale Unternehmen schnell und profitabel zu expandieren.
Erweiterte Führungsebene und strategische Neuausrichtung
Der Wechsel des CEOs ist Teil einer umfassenderen Umstrukturierung, die bereits 2025 eingeleitet wurde. So wurde Fabian Siegel zum Chairman des Advisory Boards ernannt, Frank Lindenberg kam in das Gremium, und im Oktober 2025 trat Florian Drabeck als Chief Financial Officer bei. Der bisherige Chief Fleet Officer Jürgen Lobach bleibt weiterhin im Führungsteam.
Analysten gehen davon aus, dass die neu besetzten Positionen das operative Fundament stärken und Finn ermöglichen, die jüngst gesicherte Series-D-Finanzierungsrunde effektiv zu nutzen. Mit dem Kapital, den strategischen Partnern und der Erfahrung von Schmidt könne das Unternehmen seine Flotte weiter ausbauen, die Servicequalität verbessern und neue Marktsegmente erschließen.
Für die Branche signalisiert der Schritt, dass selbst nach Erreichen des Unicorn-Status die Unternehmensführung weiterentwickelt wird, um langfristiges Wachstum zu sichern. Beobachter werden in den kommenden Quartalen prüfen, wie sich die Kombination aus erfahrenem E-Commerce-Know-how und Finns etabliertem Mobilitätsnetzwerk auf Marktanteile und Profitabilität auswirkt.



