Die jüngsten Quartalsberichte von Microsoft und Alphabet geben Aufschluss darüber, wie die massiven Künstliche-Intelligenz-Investitionen der beiden Silicon-Valley-Giganten die finanziellen Kennzahlen beeinflussen. Beide Unternehmen haben in den letzten Monaten Milliarden in den Bau neuer Rechenzentren gesteckt, doch die Auswirkungen auf Gewinn und Börsenkurs sind stark unterschiedlich.
Während Microsoft im abgelaufenen Quartal einen Free Cash Flow von 18,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete – fast das Doppelte der Analystenprognosen – verzeichnete Alphabet einen negativen Cash-Flow von rund neun Milliarden Dollar und musste im Anschluss einen Verlust von 7,66 Milliarden Dollar einstecken. Die Divergenz macht deutlich, dass reine Kapitalausgaben für KI nicht automatisch zu profitabler Expansion führen.
Microsoft: Übertrifft Erwartungen dank Azure-Wachstum
Die Finanzchefin von Microsoft, Amy Hood, bezeichnete das Quartal als soliden Start in das Geschäftsjahr 2026/2027. Das Unternehmen berichtete von einem Azure-Umsatzwachstum von 48 %, nach einem Plus von 43 % im Vorquartal. Diese Beschleunigung hat wesentlich zum über den Erwartungen liegenden Ergebnis beigetragen und das Vertrauen der Investoren gestärkt. Im nachbörslichen Handel kletterte die Microsoft-Aktie um etwa 3,5 %.
Allerdings blieben die Investitionen in KI-Infrastruktur mit rund 45,2 Milliarden Dollar fünf Milliarden unter den eigenen Zielvorgaben. Unternehmenssprecher Jonathan Neilson erklärte, dass Lieferverzögerungen bei Komponenten die geplanten Ausgaben bremsen. Gleichzeitig arbeitet CEO Satya Nadella an einer nutzungsbasierten Abrechnung für KI-Modelle und hat günstiger-preisige Varianten eingeführt, um den Kostendruck bei Unternehmenskunden zu mildern.
Alphabet: Einnahmen steigen, aber Verlust schießt in die Höhe
Alphabet meldete für das dritte Quartal 2026 einen Umsatz von 127,6 Milliarden Dollar, was einer Steigerung von rund 25 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dennoch reichte das nicht aus, um die Erwartungen von durchschnittlich 127,9 Milliarden Dollar zu erfüllen, und der Gewinn je Aktie von 2,12 Dollar lag deutlich unter den prognostizierten 3,03 Dollar. Die Google-Cloud verdoppelte zwar ihren Umsatz, aber der Free Cash Flow verschlechterte sich, da die Ausgaben für Rechenkapazitäten weiter anstiegen.
Die Werbeeinnahmen aus der Suchmaschine entwickelten sich mit 63,35 Milliarden Dollar nur um 12 % und blieben damit hinter den Analystenerwartungen von etwa 65 Milliarden Dollar zurück. Trotz steigender Nutzerzahlen im KI-gestützten Suchbereich seien die neuen Anzeigenformate noch weniger lukrativ als das klassische Suchmodell, erklärte Google-Manager Philipp Schindler. Als Reaktion auf die schwächeren Einnahmen kündigte CFO Anat Ashkenazi an, dass Alphabet im laufenden Jahr weiterhin bis zu 205 Milliarden Dollar in den Ausbau der KI-Infrastruktur investieren will, wobei ein großer Teil der Kapazität über externe Anbieter gemietet wird.
Marktreaktionen und längerfristige Implikationen
Die unterschiedlichen Ergebnisse lösten klare Kursbewegungen aus: Die Alphabet-Aktie fiel im nachbörslichen Handel um mehr als zehn Prozent und verlor rund 400 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung, während die Microsoft-Aktie leicht zulegte. Investoren zeigen sich besorgt über die hohen Abschreibungsrisiken der KI-Infrastruktur, was sich in steigenden Prämien für Credit-Default-Swaps (CDS) der Technologie-Riesen widerspiegelt.
Seit Jahresbeginn haben Unternehmen wie Amazon, Meta, Oracle und Alphabet zusammen über 200 Milliarden Dollar an Unternehmensanleihen emittiert, um ihre Investitionspläne zu finanzieren. Meta plant zudem zusätzlich fast 100 Milliarden Dollar an neuem Eigenkapital. Oracle versucht, die Sorgen zu dämpfen, indem es einen positiven Free-Cash-Flow für das Geschäftsjahr 2027/2028 prognostiziert und für das darauffolgende Jahr Werte über 30 Milliarden Dollar anstrebt.
Insgesamt illustrieren die Zahlen, dass das große Kapital, das US-Technologiekonzerne in Künstliche Intelligenz stecken, nicht per se zu sofortigem Wachstum führt. Während Microsoft von einer stärker nutzungsbasierten Modellverschiebung profitiert, kämpft Alphabet mit höheren Kosten und langsamerer Monetarisierung seiner KI-Dienste. Die Entwicklungen bleiben ein zentrales Beobachtungsfeld für Anleger, die das Risiko-Ertrags-Verhältnis von Milliardeninvestitionen im KI-Zeitalter einschätzen wollen.



