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19 Oktober 2026

Industrieabbau seit 2019: fast 500.000 Jobs weniger

Die deutsche Industrie verzeichnete bis Ende 2025 einen Rückgang von 496.000 sozialversicherungspflichtigen Stellen. Zugleich entstanden im Dienstleistungssektor 2,2 Millionen neue Jobs, vor allem in Gesundheit und Verwaltung.

Industrieabbau seit 2019: fast 500.000 Jobs weniger

Zwischen dem Beginn des Jahres 2019 und Ende 2025 sind in der deutschen Industrie knapp 496.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze weggefallen. Das entspricht einem Rückgang von 7,1 Prozent. Parallel dazu entstanden im Dienstleistungsbereich rund 2,2 Millionen neue Stellen vor allem in Bereichen mit direktem Kontakt zu Menschen.

Diese Veränderungen hat das Ifo-Institut analysiert. Der Bericht vergleicht die Beschäftigtenzahlen zum Stichtag 31. Dezember 2018 mit denen zum 31. Dezember 2025 und bezieht sich auf die Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Ausgeklammert bleiben in dieser Zählung Selbstständige, Beamte und Minijobber.

Welche Branchen besonders betroffen sind

Der Stellenabbau konzentriert sich laut Studie auf traditionelle Industriezweige. Die Autoindustrie und ihre Zulieferer verloren zusammen rund 123.500 Stellen. Hersteller von Metallerzeugnissen bauten etwa 115.600 Arbeitsplätze ab, während im Maschinenbau etwa 64.500 Stellen wegfielen. Zusammengenommen entfallen auf diese drei Felder knapp 60 Prozent der gesamten Industrieverluste.

Ein weiteres Detail betrifft die Zeitarbeit Dort gingen rund 243.000 Beschäftigte verloren; viele waren in der Fertigung tätig. Würde man diese Verluste zur Industrie zählen, läge der Gesamtrückgang bei etwa 628.000 Arbeitsplätzen.

Regionale Unterschiede und Einzelfälle

Der Rückgang in der Industrie traf nahezu alle Bundesländer mit einer Ausnahme: Hamburg war das einzige Land, in dem die Industriebeschäftigung nicht sank. Im regionalen Vergleich war der Rückgang im Osten mit minus 8,4 Prozent etwas ausgeprägter als im Westen mit minus 6,8 Prozent. Einen markanten Ausreißer bildet Brandenburg wo Arbeitsplätze im Automotive-Segment wuchsen – ein Effekt, der vor allem auf die Produktion in der Fabrik in Grünheide zurückgeführt wird. In anderen ostdeutschen Bundesländern wie Thüringen und Sachsen-Anhalt fiel die Industriebeschäftigung insgesamt höher als im Westen.

Wo die neuen Jobs entstanden

Während die Industrie Stellen verlor, baute sich im Dienstleistungssektor eine ganz andere Dynamik auf. Im Gesundheitswesen entstanden rund 391.000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Im Sozialwesen einschließlich stationärer Pflegeeinrichtungen, kamen etwa 357.000 Stellen hinzu. Ein klarer Treiber dieser Zunahme ist die demografische Entwicklung: Die alternde Bevölkerung erhöht die Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegeleistungen.

Auch die öffentliche Verwaltung verzeichnete einen deutlichen Zuwachs: Rund 329.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse wurden neu registriert. Teilweise erklärt sich dies daraus, dass frei werdende Beamtenstellen zunehmend mit Angestellten neu besetzt wurden. Bei privaten Dienstleistern wuchsen insbesondere IT-Firmen stark.

Ausbildung und Qualifikation

Die Verschiebung nach Branchen spiegelt sich auch in den Bildungsprofilen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Die Zahl der Beschäftigten mit abgeschlossener Berufsausbildung sank um etwa 252.000 während für akademisch Qualifizierte rund 1,8 Millionen neue Jobs entstanden. Das deutet auf eine Polarisierung zwischen stärker gefragten hochqualifizierten Tätigkeiten und schrumpfenden klassischen industriellen Ausbildungsberufen.

Ursachenanalyse und Einordnung durch das Ifo-Institut

Die Forscher führen den Industrieabbau vor allem auf eine abnehmende Wettbewerbsfähigkeit zurück, insbesondere im Vergleich zu China. Produktionsverlagerungen, veränderte Wertschöpfungsketten und internationale Konkurrenz treffen demnach besonders die lang etablierten deutschen Kernbranchen wie Auto und Maschinenbau. Wie der stellvertretende Leiter der Ifo-Niederlassung in Dresden hervorhob, steht Deutschland damit vor einem verschärften Strukturwandel weil neue Arbeitsplätze überwiegend in Sektoren entstehen, die nicht zwingend die gleiche Produktivitätsbasis wie die alte Industrie haben.

Die beobachtete Verlagerung stellt Volkswirtschaften vor Herausforderungen, weil Wachstumspotenzial und Innovationsstärke künftig anders verteilt sein könnten als bisher. Gleichzeitig wachsen Bereiche, die sozial und administrativ orientierte Dienste erbringen, was die Arbeitsmarktstruktur nachhaltig verändert.

Insgesamt liefert die Untersuchung eine faktenbasierte Bestandsaufnahme: Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich seit 2019 deutlich gewandelt, mit erheblichen Verlusten in der Industrie und einem starken Anstieg von Arbeitsplätzen im Dienstleistungssektor, begleitet von regionalen und sektoralen Verschiebungen in Qualifikation und Beschäftigungsdichte.

Autor

Markus Weber