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13 Juni 2026

High-Tech Stock Picking wikifolio: Eine Dekade voller Lehren und Erfahrungen

Vor genau zehn Jahren startete das High-Tech Stock Picking wikifolio. Erleben Sie die Höhen und Tiefen einer Jahrzehnte langen Investmentreise.

High-Tech Stock Picking wikifolio: Eine Dekade voller Lehren und Erfahrungen

Vor genau zehn Jahren, am 12. Juni 2016, begann die Reise des High-Tech Stock Picking wikifolio. Zehn Jahre sind an der Börse eine lange Zeit, genug, um einen kompletten Zyklus aus Euphorie, Übertreibung, Crash, Ernüchterung und neuer Hoffnung zu erleben. Es war eine Achterbahnfahrt, die viele Lehren mit sich brachte.

Die ursprüngliche Idee war klar: weltweit nach einer High-Growth-Investing-Strategie value-orientiert in langfristig aussichtsreiche Technologieunternehmen investieren. Nicht in die großen Big-Tech-Namensondern in Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe, die mit SoftwarePlattformmodellenneuen Geschäftsmodellen oder disruptiver Technologie ihre Märkte verändern können.

Die ersten fünf Jahre: Eine Erfolgsgeschichte

Die ersten fünf Jahre von 2016 bis 2026 waren äußerst erfolgreich. Am 16. erreichte das wikifolio einen Stand von 400 Euro, was einer Vervierfachung des Startwerts entsprach. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Performance von etwa 30% nach allen Kosten des wikifolio-Zertifikats.

In dieser Zeit konnte das Musterportfolio auf einer fünfjährigen Erfolgswelle schwimmen. Mehrere Tenbagger wurden gefeiert. Der Rückenwind war enorm: Cloud-, Software– und Plattformaktien waren die Lieblinge des Marktes. Wiederkehrende Umsätze, hohe Bruttomargen, skalierbare Geschäftsmodelle und starkes Wachstum wurden in der damaligen Niedrigzinsphase von Investoren mit immer höheren Multiples belohnt.

Der Crash und die Neubewertung

Nach dem Hoch im ging es mit dem wikifolio bis zum Tief Ende Dezember 2026 bei 180 Euro volle 55% abwärts. Das war brutal. Der Nasdaq Cloud Index und prominente Tech-Investoren wie Cathie Wood oder in Deutschland Frank Thelen verloren in derselben Zeit teilweise noch deutlich mehr.

Für mich war es 2026 zum dritten Mal in meinem fast 40-jährigen Investorenleben, dass sich mein Aktiendepot halbiert hat: nach dem Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende und nach der Finanzkrise 2008/2009. Ich persönlich bin solche Drawdowns gewohnt. Aber natürlich macht es auch mir keinen Spaß, wenn über viele Monate hinweg fast alles fällt, was man für langfristig attraktiv hält.

Die aktuelle Herausforderung: SaaSMageddon

Die aktuelle Phase ist eine riesige Geduldsprobe. Während KI-Infrastruktur– und Halbleiteraktien im aktuellen Hype von Rekord zu Rekord eilen, musste ich mit ansehen, wie mein portfolio nach einer schönen zwischenzeitlichen Erholung bis auf rund 340 Euro im Jahr 2026 erneut deutlich unter Druck geriet. Seit Jahresbeginn tauchte das mit vielen Software– und Plattformunternehmen bestückte High-Tech Stock Picking wikifolio nochmals um fast 25% ab.

Was meine ich damit? SaaSMageddon ist die panikartige Neubewertung vieler Software-as-a-Service-Unternehmen im KI-Zeitalter. Der Markt stellt plötzlich die Frage, ob KI-Agenten klassische Software überflüssig machen könnten. Wenn künftig jeder Mitarbeiter per Sprachbefehl oder Chat mit einem KI-Agenten arbeitet, braucht es dann noch teure Softwareoberflächen?

Die Zukunft der Enterprise Software

Meine aktuelle Kernthese für das Portfolio im Jahr 2026 lautet: KI wird Enterprise Software nicht einfach fressen. KI wird Enterprise Software verändern. Das ist ein entscheidender Unterschied.

Natürlich werden einfache Benutzeroberflächen, manuelle Klickarbeit und reine „nice-to-have“-Tools unter Druck geraten. Aber Unternehmen werden auch in einer KI-Welt weiterhin Systeme brauchen, die den verbindlichen Zustand von Unternehmen abbilden: Kunden, Verträge, Rechnungen, Berechtigungen, Prozesse, Historien, Audit-Trails.

Die Gewinner werden aus meiner Sicht diejenigen Softwareunternehmen sein, die drei Dinge schaffen. Erstens müssen sie über ein tiefes, schwer ersetzbares Datenmodell verfügen. Zweitens müssen sie sich von reinen Benutzeroberflächen zu echten Plattformen für Prozesse, Automatisierung und KI-Agenten weiterentwickeln. Drittens müssen sie ihre Monetarisierung anpassen: weg von ausschließlich seat-basierten Modellen, hin zu einer Kombination aus Seats, Nutzung, Transaktionen, Automatisierungen und API-Aufrufen.

Nach zehn Jahren High-Tech Stock Picking wikifolio bin ich demütiger geworden. Ich weiß, wie schnell sich Börsenerfolge in Luft auflösen können. Ich weiß, dass nicht alle Anleger die Volatilität ertragen, die mit meiner Investment-Strategie verbunden ist. Ich weiß aber auch, dass die besten Chancen oft dann entstehen, wenn die Stimmung am schlechtesten ist.

Ich bleibe meiner bewährten Anlagestrategie treu: langfristig und unternehmerisch denkend, fundamental, technologiegetrieben und antizyklisch. Aktuell sind die in meinem Portfolio enthaltenen Aktien so günstig bewertet wie noch nie zuvor in den vergangenen 10 Jahren. Für mich fühlt sich das nicht wie das Ende einer Geschichte an. Eher wie der Beginn des nächsten Kapitels.

Autor

Markus Weber