Die Europäische Union hat am 25. Juli 2026 ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland verabschiedet, das erstmals den Kryptosektor direkt ins Visier nimmt. Mit diesen Maßnahmen will die EU die finanzielle und industrielle Basis des Kremls weiter schwächen und die Umgehung bisheriger Sanktionen konsequent verhindern.
Russische Akteure haben in der Vergangenheit vermehrt digitale Vermögenswerte und internationale Krypto-Dienstleister genutzt, um Kapital an westlichen Bankensperren vorbeizuschleusen. Die EU reagiert nun mit einem umfassenden Instrumentarium, um diese Praktiken zu unterbinden.
Neue Transaktionsverbote und Drittstaaten-Verbote
Der EU-Rat hat Transaktionsverbote gegen 14 Krypto-Plattformen und damit verbundene Unternehmen verhängt, die in Drittstaaten wie GeorgienPanamaEl Salvador den Vereinigten Arabischen Emiraten den Marshallinseln und Belarus ansässig sind.
Zusätzlich führt die EU die Möglichkeit eines vollständigen Drittstaaten-Verbots für Krypto-Dienstleistungen ein. Dieses Mittel dient als Abschreckung für Länder, deren Jurisdiktionen systematisch zur Sanktionsumgehung genutzt werden. EU-Betreibern kann damit jegliche Transaktion mit Krypto-Anbietern in entsprechenden Drittländern untersagt werden.
Die EU-Regierungen haben zudem das Verbot für russische Staatsbürger erweitert, Krypto-Dienstleister zu besitzen, zu kontrollieren oder in deren Leitungsgremien tätig zu sein. Eine Ausnahmeregelung sieht vor, dass Angehörige von Mitgliedsstaaten eigene Gelder von neu gelisteten Banken und Krypto-Plattformen abziehen dürfen.
Druck auf das Finanzsystem und Drittstaaten
Neben dem virtuellen Finanzraum weitet die EU den Druck auf das klassische Bankensystem aus. Neue Transaktionsverbote treffen 33 weitere Finanzinstitute – insgesamt sind nun über 100 russische Banken betroffen und vom SWIFT-System ausgeschlossen.
Auch Banken in Drittstaaten geraten ins Visier, darunter Institute in der MongoleiKirgisistan und indische Filialen russischer Banken, die Sanktionen untergraben.
Über den Finanzsektor hinaus erfassen die Beschlüsse weitere Schlüsselsektoren. Im Energiebereich wird die automatische Anpassung des Ölpreisdeckels bis Juli 2027 ausgesetzt, um Preisanhebungen aufgrund des Iran-Kriegs zu verhindern. Gleichzeitig will die EU den Kampf gegen die Schattenflotte intensivieren: Die Regeln treffen nun auch Schiffe für Betankung und Hilfsdienste, wobei 41 weitere Tanker auf der Sanktionsliste landeten.
Ziel: Militärisch-industrieller Komplex
Insgesamt beinhaltet die Entscheidung die bislang größte Welle an Einzelbewertungen seit vier Jahren: 218 Personen und Einrichtungen sind nun neu gelistet. Die Maßnahmen richten sich gezielt gegen den militärisch-industriellen Komplex darunter Hersteller von Kamikaze-Drohnen Logistikunternehmen, Rüstungsmanager sowie Führungskräfte staatlicher Medienkonzerne.
Die EU will damit ihren Kurs festigen, Schlupflöcher im digitalen wie analogen Finanzraum effektiv zu schließen und die Handlungsfähigkeit der russischen Kriegswirtschaft einzuschränken.
Parallel dazu zeigt eine ARD-Dokumentation, wie Russland trotz Sanktionen seinen Krieg gegen die Ukraine finanziert. Die Recherche deckt auf, dass russische Akteure vermehrt Kryptowährungen nutzen, um Sanktionen zu umgehen. Ein Beispiel ist die russische Kryptowährung A7A5 die trotz Sanktionierung in der EU genutzt wird.
Experten wie der Krypto-Analyst Zach Tvarozna warnen, dass Russland Kryptogeld als Waffe gegen das freiheitliche Europa einsetzt. Dies könnte etwa zur Finanzierung von Saboteuren oder zur Beeinflussung von Wahlen genutzt werden.
Die Dokumentation zeigt auch, wie einfach es ist, mit Kryptowährungen Geld zwischen Russland und der EU zu transferieren. Ein Experiment in Warschau demonstriert, wie anonym und unkompliziert solche Transaktionen ablaufen können.
Finanzexperte Tom Keatinge vom britischen Thinktank Royal United Service Institute betont, dass ein Verbot von Kryptowährungen keine Lösung sei. Stattdessen müsse der Missbrauch eingeschränkt werden.
Ein weiterer Aspekt ist die Flucht russischer Milliardäre mit Milliarden in KryptowährungenGold und Immobilien. Laut Bloomberg haben wohlhabende Russen in den vergangenen Monaten zusätzliche Milliardenbeträge außer Landes gebracht, um ihr Vermögen zu schützen.
Die Kapitalabflüsse sollen inzwischen im zweistelligen Milliardenbereich liegen. Anleger setzen verstärkt auf Krypto, Gold und Auslandsimmobilien, vor allem in der Golfregion der TürkeiSaudi-Arabien und Zypern.
Hintergrund sind auch prominente Vermögensabschöpfungen: Russische Staatsanwälte holten nach offiziellen Angaben im vergangenen Jahr Vermögenswerte im Wert von mehr als vier Billionen Rubel an den Staat zurück.
Zugleich steigt der finanzielle Druck, weil Präsident Wladimir Putin angesichts hoher Kriegsausgaben nach neuen Einnahmequellen sucht.



