Im späten September 2026 zeigte sich der DAX fast unbewegt – ein Plus von 0,1 % auf 25.399 Punkte – doch die zugrunde liegende Stimmung war alles andere als ruhig. Während die Gespräche zwischen dem Iran und den USA über den Golfstaat Katar eine kurzfristige Aufhellung brachten, drängten gleichzeitig Inflationssorgen und ein steigender US-Dollar den Markt nach unten.
Im Oktober startete der Leitindex mit einem Rückgang von 0,6 % und fiel sogar unter die psychologisch wichtige Schwelle von 25 000 Punkten. Die Kombination aus höheren Anleiherenditen, einem kräftigeren Dollar und schwankenden Ölpreisen hat das Vertrauen der Anleger stark beeinflusst.
Geopolitische und makroökonomische Impulse
Die Ankündigung Irans, dass sein Außenminister in Gesprächen mit den USA über die Rolle Katars im Konflikt verhandelt, ließ den DAX zunächst nach oben klettern. Parallel dazu fiel der Brent-Preis zwar kurzzeitig unter 97 US-$ pro Barrel, bevor er wieder leicht anstieg. Die Unsicherheit über den Fortgang des Iran-Konflikts bleibt jedoch hoch, da konkrete Fortschritte bislang ausblieben.
Ein stärkerer US-Dollar hat dem Euro zusätzlichen Druck verpasst: Der Kurs erreichte 1,1319 $ und markierte damit das tiefste Niveau seit Mai 2025. Gleichzeitig haben steigende Renditen an den US-Anleihemärkten die Erwartung weiterer Zinserhöhungen der Federal Reserve befeuert, was die europäischen Aktienmärkte belastet.
Aufgrund der Unsicherheit über die Entwicklung im Nahen Osten schwankten die Ölpreise stark. Der Brent legte am Morgen um mehr als zwei Prozent auf 100,22 $ an, ebenso der US-Rohöl-Index WTI auf 92,62 $. Analysten wie Sugandha Sachdeva von SS WealthStreet sehen in einer möglichen diplomatischen Annäherung zwischen den USA und dem Iran einen Risikofaktor, der jedoch momentan noch ungewiss bleibt.
Unternehmensnachrichten, die den Markt bewegen
Anthropic plant milliardenschweren Börsengang
Der KI-Entwickler Anthropic strebt mit seinem geplanten US-IPO eine Bewertung von über 2 Billionen $ an. Der Emissionsprospekt zeigt, dass der Umsatz des Vorjahres bei rund 4,6 Mrd. $ lag, während das operative Ergebnis noch ein Minus von 8 Mrd. $ auswies. Die hohen Kosten für Rechenkapazitäten und Abschreibungen aus früheren Finanzierungsrunden belasten das Ergebnis erheblich.
Evonik lehnt Übernahmeofferte von BASF ab
Der Spezialchemiekonzern Evonik hat das Angebot von BASF in Höhe von 22,15 € pro Aktie zurückgewiesen. Trotz der Ablehnung stieg die Evonik-Aktie um rund zehn Prozent, da das Unternehmen seine Unabhängigkeit betont und weiterhin an seiner eigenen Wachstumsstrategie festhält.
Hornbach profitiert von starker Nachfrage
Im SDAX glänzt die Hornbach-Holding mit einem Umsatzplus von sechs Prozent auf 3,8 Mrd. € im ersten Halbjahr 2026/27. Besonders die Nachfrage nach Klimageräten, Beschattungs- und Bewässerungsprodukten trieb das operative Ergebnis (EBIT) um fast fünf Prozent auf 285,6 Mio. € an.
Renk unter Druck – Analyst senkt Kursziel
Der Getriebekonzern Renk verlor weiter an Boden und notierte wieder auf Frühlingsniveau. JPMorgan-Analyst David Perry senkte das Kursziel, warnt jedoch mit einem Overweight-Rating, da laut seiner Berechnung noch 64 % Aufwärtspotenzial bei einem Ziel von 62 € besteht.
Technische Indikatoren und Ausblick
Der DAX hat im September ein negatives Momentum gezeigt und die 100-Tage-Linie (unter 25 374 Punkte) durchbrochen, während die 200-Tag-Durchschnittslinie bei etwa 25 634 Punkten liegt. Ein nachhaltiger Schlusskurs über dieser Schwelle würde einen übergeordneten Aufwärtstrend signalisieren, ein Schlusskurs darunter hingegen einen längerfristigen Abwärtstrend bestätigen.
Im Zuge der bevorstehenden US-Daten stehen der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe und die US-Beschäftigungszahlen im Fokus. Experten der Helaba betonen, dass diese Kennzahlen zusammen mit den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe wichtige Hinweise für die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag liefern werden.
Die Elektroindustrie scheint hingegen als Konjunkturlokomotive zu fungieren: Das ifo-Geschäftsklima stieg im September auf 24,8 Punkte – den besten Wert seit Jahren. Gleichzeitig profitieren Chip-Hersteller wie Micron das ein Rekordquartal mit einem Umsatz von 54,23 Mrd. $ und einem bereinigten Gewinn von 33,42 $ pro Aktie meldete, von der anhaltenden Nachfrage nach KI-fähigen Speicherlösungen.
Anleger müssen daher sowohl das globale Zinsumfeld als auch die Fortschritte im Iran-Dialog aufmerksam verfolgen, um fundierte Entscheidungen zu treffen.



