Coinbase, einer der führenden Krypto-Börsen hat im zweiten Quartal 2026 erneut einen Nettoverlust von 359,5 Millionen US-Dollar verzeichnet. Trotz eines Umsatzes von 1,22 Milliarden US-Dollar lag das Unternehmen unter den Erwartungen der Wall Street, die mit 1,29 Milliarden US-Dollar gerechnet hatten. Die Aktie von Coinbase (COIN) fiel nachbörslich um 5,44% auf 154,68 US-Dollar, nachdem sie im regulären Handel noch um 2,18% gestiegen war.
Dies ist bereits der dritte Verlust in Folge für Coinbase, allerdings konnten die Verluste im Vergleich zu den Vorquartalen reduziert werden. Im vierten Quartal 2026 betrug der Verlust noch 666,7 Millionen US-Dollar, im ersten Quartal 2026 waren es 394,1 Millionen US-Dollar. Trotz der anhaltenden Verluste bleibt das bereinigte EBITDA mit 207,8 Millionen US-Dollar positiv, wenn auch rückläufig gegenüber dem Vorquartal.
Rekordmarktanteil kann Verluste nicht ausgleichen
Ein positiver Aspekt ist der gestiegene Marktanteil von Coinbase beim Krypto-Handelsvolumen, der auf 10,3% stieg. Dies ist bereits der dritte Rekord in Folge. Auch beim Marktanteil mit Derivaten wurde ein neuer Höchstwert erreicht. Allerdings schrumpfte der gesamte Markt für Krypto-Derivate im selben Zeitraum zweistellig.
Ein Wachstumstreiber war der Bereich der Prediction Markets dessen Einnahmen sich im Vergleich zum Vorquartal mehr als verdoppelten. Dieses Geschäft überschritt bereits eine annualisierte Umsatzmarke von 100 Millionen US-Dollar. Dennoch bleibt das Marktumfeld schwach, wie der Rückgang des Handelsvolumens bei Bitcoin im Juli zeigt. Konkurrent Robinhood musste einen Rückgang der Krypto-Einnahmen um 38% im Jahresvergleich hinnehmen.
Neue Produktlinien als Gegengewicht zur Schwäche im Kryptohandel
Coinbase setzt auf neue Produktlinien, um die Schwäche im klassischen Kryptohandel auszugleichen. Der Umsatz durch Abonnements und Dienstleistungen erreichte 555,1 Millionen US-Dollar, was 48% des Nettoumsatzes entspricht. Im vierten Quartal 2026 lag dieser Anteil noch bei 29%. Das Unternehmen zählt inzwischen zwölf Produktlinien mit jeweils mehr als 100 Millionen US-Dollar annualisiertem Umsatz.
Analysten wie Chris Brendler von Rosenblatt sehen darin einen Beleg für die Everything Exchange-Strategie von Coinbase. Trotz der Belastung durch den Krypto-Winter bewerten die meisten Analysten die Aktie mit Kaufempfehlungen. Das mittlere Kursziel liegt bei 214,94 US-Dollar, was rund 34% über dem aktuellen Niveau nahe 160 US-Dollar liegt. US Tiger Securities geht mit einem Kursziel von 250 US-Dollar noch weiter.
Politische und regulatorische Herausforderungen
Politisch bleibt die Lage für Coinbase herausfordernd. Der CLARITY Act, der einen umfassenden Regulierungsrahmen für digitale Vermögenswerte schaffen soll, wird voraussichtlich nicht mehr vor der parlamentarischen Sommerpause verabschiedet. Dies bedeutet für institutionelle Investoren erneut Verzögerungen bei der Adoption.
Die heutigen Zahlen werden zeigen, ob die neuen Produktlinien die Schwäche im klassischen Handelsgeschäft tatsächlich kompensieren können oder ob der Krypto-Winter tiefer sitzt, als die aktuellen Kursziel-Niveaus der Analysten unterstellen.



