Zum Inhalt springen
22 Oktober 2026

BYD im Aufwind: Burry setzt auf Kostenführerschaft, Europa-Quote drückt Kurs

Burry sieht BYD als Kostenchampion, während schwächerer Gewinn in China und neue EU‑Regeln den Kurs drücken – ein Spannungsfeld für Investoren.

BYD im Aufwind: Burry setzt auf Kostenführerschaft, Europa-Quote drückt Kurs

Der bekannte Investor Michael Burry – berühmt durch seine Wette gegen den US-Immobilienmarkt 2008 – hat öffentlich erklärt, dass er nun Anteile des chinesischen Elektroautobauers BYD besitzt. Während Burry keine Angaben zu Stückzahl oder Positionsgröße machte, liefert er eine fundierte Begründung, die sich an den aktuellen Halbjahreszahlen des Unternehmens orientiert.

In einem kurzen Interview im September gab Burry zu, dass er BYD beobachte, ohne bereits Anteile zu halten. Noch ein Monat später verkündete er laut einer Analyse, dass er bei einem Kurs von höchstens 75 Hongkong-Dollar ein „aggressiver Käufer“ wäre, sofern die von ihm formulierte These weiterhin gilt. Dieser Wechsel von Beobachtung zu Kauf verdeutlicht ein wachsendes Interesse, lässt jedoch offene Fragen zur tatsächlichen Gewichtung seiner Position zurück.

Kostenführerschaft als Kernthese

Burry argumentiert, dass BYD durch seine vertikale Integration und die eigene Blade-Batterie – eine Lithium-Eisenphosphat-Technologie – zu den billigsten Autoherstellern weltweit zählen könnte. Er betont, dass diese Batterie-Baureihe sowohl Kostenvorteile als auch höhere Sicherheit im Vergleich zu Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen aufweise, obwohl die Energiedichte geringer sei. Zusätzlich könnte die internationale Expansion von BYD einen operativen Hebel erzeugen, der die Marge weiter verbessert.

Halbjahreszahlen: Mehr Marge, weniger Gewinn

Die von BYD am 28. August veröffentlichten Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Der Umsatz fiel im ersten Halbjahr um 7,1 % auf 344,8 Milliarden Renminbi, während der auf die Eigentümer entfallende Gewinn um 20,5 % auf 12,3 Milliarden Renminbi sank. Interessanterweise stieg die Bruttomarge von 18,0 % auf 18,9 %, was Burry’s Kosten-These in der Marge bestätigt, jedoch noch nicht im Gesamtergebnis. Das bedeutet, dass Kosteneinsparungen zwar realisiert werden, aber durch andere Faktoren – etwa Preis- und Volumenrückgänge im heimischen Markt – nicht vollständig in den Gewinn übersetzt werden.

EU-Markt: Schnelles Wachstum, aber Kursdruck

Im europäischen Raum hat BYD in den ersten neun Monaten 2026 einen Marktanteil von 2,4 % erreicht – mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr (1,0 %). Damit überholt das Unternehmen sogar Tesla, das bei 2,2 % liegt. Doch trotz dieses Erfolges verliert die BYD-Aktie weiter an Wert: innerhalb eines Monats fiel sie um rund 13 %, zuletzt um weitere 5 % an einem Tag. Analysten führen die Schwäche auf mögliche EU-Quoten, sinkende Exportmargen und steigende Zölle in Europa und den USA zurück.

Vergleich mit Tesla: Divergierende Strategien

Burry hat gleichzeitig eine Short-Position auf Tesla aufgebaut und erklärt, dass er die Aktie bei 416,22 US-Dollar leerverkauft habe, im Kontext einer vermuteten Überhitzung der KI- und Halbleiter-Sektoren. Ob die Short-Position noch besteht, bleibt unklar, genauso wie deren Umfang. Für Privatanleger ist das Wetten auf fallende Kurse bei Tesla riskant, da potenzielle Verluste unbegrenzt sein können, während das Unternehmen stark von Narrativen rund um Robotik, autonome Fahrfunktionen und die Verknüpfung mit SpaceX profitiert.

Zusammengefasst liefert Burry einen klaren Impuls: Die These der Kostenführerschaft ist plausibel, aber die aktuellen Zahlen zeigen, dass BYD noch nicht alle Herausforderungen gemeistert hat. Anleger sollten die Positionierung von Burry als Ausgangspunkt nutzen, jedoch kritische Risiken – insbesondere im chinesischen Binnenmarkt und den europäischen regulatorischen Rahmenbedingungen – in ihre Bewertung einfließen lassen.

Autor

Markus Weber