Die Finanzwelt steht vor einem Wandel. Während der DAX zur Wochenmitte stabil bleibt, gewinnen Anleihen zunehmend an Bedeutung und stellen eine ernsthafte Konkurrenz für Aktien dar. Positive Konjunkturdaten aus der deutschen Industrie können diesen Trend zwar nicht aufhalten, aber abmildern.
Der DAX startete heute nahezu unverändert bei 26.153 Punkten, nachdem er am Dienstag mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 26.128 Punkten geschlossen hatte. Die Vorgaben aus den USA und Asien hatten zunächst größere Abschläge vermuten lassen, doch die deutsche Industrie zeigte sich robust mit einem Auftragsplus von 9,3 Prozent im Juni im Vergleich zum Vorjahr.
Anleihen als neue Attraktion für Investoren
Die Renditen von Anleihen steigen kontinuierlich, insbesondere in den USA. Für US-Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit werden so hohe Zinsen fällig wie seit 20 Jahren nicht. Diese Entwicklung zieht Aktien-Investoren an, die in Anleihen eine lukrative Alternative sehen.
Besonders im Technologie-Sektor ist dieser Trend deutlich zu beobachten. Große Unternehmen wie AmazonMeta und Microsoft die bisher ihre Investitionen aus eigener Kraft finanziert haben, treten nun vermehrt als Anleiheemittenten auf. Diese Unternehmen gelten als sehr solide, was Investoren anzieht.
Stephan KemperChief Investment Officer von BNP Paribas Wealth Management erklärt: „Um den Ausbau von Rechenzentren und Infrastruktur zu finanzieren, treten die großen Hyperscaler vermehrt als Anleiheemittenten auf. Ihr Gewicht im US-Investment-Grade-Index hat sich von 2,7 auf 4,8 Prozent nahezu verdoppelt und könnte bis 2030 die Marke von zehn Prozent erreichen. Diese Emissionsoffensive führt zu Verdrängungseffekten und treibt das Renditeniveau zusätzlich nach oben.“
Die zwei Seiten der Medaille
Der Anstieg der Anleiherenditen hat jedoch auch seine Schattenseiten. Zum einen wird das Schuldenmachen teurer, was insbesondere KI-Werte belastet, die ihr Wachstum stark über Kredite finanzieren. Zum anderen besteht die Furcht vor einer Überschuldung von Staaten. Allein die USA geben pro Tag drei Milliarden Dollar für Zinsen auf Schulden aus.
Kjersti HauglandChefvolkswirtin der Investmentbank DNB Carnegie sagt: „Die Anleihemärkte treten in eine neue Ära ein. Es endet die Phase niedriger Zinsen und vergleichsweise niedriger Inflation nach der globalen Finanzkrise von 2008. Dies fällt mit der sehr hohen Staatsverschuldung in vielen Ländern zusammen, insbesondere in Japan, den USA, Frankreich und Großbritannien.“
Alle Augen auf die Fed
Ein wichtiger Taktgeber könnte heute das Protokoll der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zur letzten Sitzung des Federal Open Market Committees (FOMC) werden. Investoren erwarten hier Hinweise, inwieweit die US-Notenbank zu einer Zinserhöhung bereit ist oder eben nicht.
Im Juli hatte die Notenbank den Leitzins trotz der anhaltend hohen Inflation in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Ein Viertel der stimmberechtigten Mitglieder im Offenmarktausschuss hatte allerdings für eine Erhöhung votiert.
Mit dem allmählichen Abebben der Berichtssaison stehen nur noch wenige Heidelberger Druckmaschinen berichtete für das erste Quartal von weniger Umsatz und mehr Verlust als gedacht, bestätigte aber seine Jahresprognose und will in die Geschäftsfelder Drohnenabwehr und Energiespeicher einsteigen.
Der chinesische Roboterhersteller Unitree hat einen rasanten Börsenstart hingelegt. Die Aktie eröffnete heute an der technologielastigen Star-Börse in Shanghai 629 Prozent über dem Ausgabepreis. Im Vormittagshandel lag das Plus noch bei rund 500 Prozent. Die Aktie kostete damit immer noch fast sechsmal so viel wie beim Börsengang. Beim Eröffnungskurs wurde Unitree mit umgerechnet rund 57 Milliarden Euro bewertet.



