Viele Menschen über 50 Jahre denken, dass es zu spät ist, um noch in die Altersvorsorge einzusteigen. Doch das neue Altersvorsorgedepot bietet auch später Einsteigern erhebliche Vorteile. Mit staatlichen Zulagen von bis zu 540 Euro pro Jahr kann sich das Sparen auch in diesem Alter lohnen.
Das Altersvorsorgedepot soll die private Altersvorsorge attraktiver machen. Doch gilt das auch für Menschen, die bereits fest im Berufsleben stehen und den Ruhestand langsam in Sichtweite haben? Die Antwort ist ein klares Ja. Finanzexperten betonen, dass die Generation 50+ von der Reform in bestimmten Bereichen sogar überproportional profitieren kann.
Staatliche Förderung als entscheidender Vorteil
Entgegen einer weitverbreiteten Annahme richtet sich das neue Altersvorsorgemodell nicht nur an junge Menschen. Staatliche Zulagen und steuerliche Vorteile können die Rendite deutlich unterstützen, selbst bei einer verbleibenden Ansparzeit von zehn bis fünfzehn Jahren.
Der entscheidende Vorteil des Altersvorsorgedepots ist die staatliche Förderung. Wer 1.800 Euro pro Jahr einzahlt, erhält zusätzlich 540 Euro staatliche Zulage. Bezogen auf die eigene Einzahlung entspricht das einer sofortigen Förderrendite von 30 Prozent. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren macht dieser garantierte Förderanteil einen deutlich größeren Teil des Endvermögens aus als bei einem 20-Jährigen.
Finanzielle Spielräume nutzen
Menschen über 50 stehen häufig auf dem Höhepunkt ihres Berufslebens. Die Kinder sind oft aus dem Haus, Immobilien teilweise oder vollständig abbezahlt. Dadurch fällt es vielen leichter, den maximal förderfähigen Betrag einzuzahlen. Zudem können ältere Riester-Sparer ab 2027 ihr angespartes Guthaben steuer- und förderunschädlich in das neue Altersvorsorgedepot übertragen.
Zwar bleibt der Zeitvorteil junger Anleger unschlagbar. Dennoch können zehn bis fünfzehn Jahre staatlich gefördertes ETF-Sparen deutlich attraktiver sein, als Geld auf einem Festgeldkonto liegenzulassen oder in wenig rentablen Altverträgen zu belassen.
Beispielrechnung: So rechnet sich das Altersvorsorgedepot
Bei einem Anlagehorizont von 15 Jahren – beispielsweise zwischen dem 50. und dem 65. Lebensjahr – kann das Altersvorsorgedepot trotz der kürzeren Laufzeit eine erhebliche Hebelwirkung entfalten. Wer den maximal geförderten Eigenbeitrag von 1.800 Euro pro Jahr einzahlt, erhält zusätzlich jährlich 540 Euro staatliche Zulage. Insgesamt fließen damit jedes Jahr 2.340 Euro in das Depot.
Die Zahlen nach 15 Jahren:
Eigene Einzahlungen: 27.000 Euro (15 × 1.800 Euro)
Staatliche Zulagen: 8.100 Euro (15 × 540 Euro)
Gesamtes eingezahltes Kapital: 35.100 Euro
Je nach Entwicklung der Kapitalmärkte könnte das Depot bis zum 65. Geburtstag auf folgende Werte anwachsen:
- Bei 4 Prozent Rendite pro Jahr: rund 48.730 Euro. Der Gewinn gegenüber dem selbst eingezahlten Kapital beträgt 21.730 Euro.
- Bei 6 Prozent Rendite pro Jahr: rund 57.730 Euro. Der Gewinn gegenüber dem selbst eingezahlten Kapital beträgt 30.730 Euro. Das eingesetzte Geld hätte sich damit mehr als verdoppelt.
- Bei 8 Prozent Rendite pro Jahr: rund 68.620 Euro. Der Gewinn gegenüber dem selbst eingezahlten Kapital beträgt 41.620 Euro.
Damit das Altersvorsorgedepot sein Potenzial entfalten kann, empfiehlt es sich, ein strukturiertes Vorgehen zu wählen. Eine ehrliche Bestandsaufnahme der aktuellen Vermögensstruktur, die Festlegung konkreter Ziele und die Ausbalancierung von Chancen und Risiken sind entscheidend. Zudem sollte der Ausstieg aus dem Depot frühzeitig geplant werden.



