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16 Juni 2026

Staatliche Förderung ab 2027: Alle Details zum Altersvorsorgedepot

Ab 2027 bietet das Altersvorsorgedepot attraktive staatliche Zulagen. Erfahren Sie, wie Sie davon profitieren und was Sie bei der Auswahl beachten sollten.

Staatliche Förderung ab 2027: Alle Details zum Altersvorsorgedepot

Ab dem Jahr 2027 wird das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ablösen und Sparern neue Möglichkeiten bieten. Mit staatlichen Zulagen von bis zu 540 Euro jährlich und einer Ausrichtung auf Kapitalmarktanlagen verspricht es eine attraktive Alternative zur bisherigen Altersvorsorge.

Eine Umfrage von Quirion zeigt, dass 52 Prozent der Förderberechtigten zwischen 16 und 60 Jahren Interesse an dem neuen Vorsorgeprodukt haben. Besonders bei den unter 40-Jährigen ist die Bereitschaft hoch, mit 60 Prozent. Doch die Meinungen sind gespalten: 46 Prozent wollen direkt am 1. Januar 2027 starten, während ebenso viele erst einmal abwarten möchten.

Die Wahl des Anbieters und wichtige Kriterien

Bei der Wahl des Anbieters zeigen sich klare Präferenzen: Banken sowie Neobroker und digitale Vermögensverwalter führen mit jeweils 46 Prozent. Staatliche Träger kommen auf 44 Prozent, während klassische Versicherungen mit 40 Prozent auf dem letzten Platz landen.

Transparenz und niedrige Gebühren sind den Befragten besonders wichtig. 59 Prozent fordern verständliche Produktinformationen, 55 Prozent legen Wert auf niedrige Gebühren, und 54 Prozent wünschen sich klare Auszahlungsregeln. Die Rendite spielt mit 48 Prozent eine etwas geringere Rolle, während Nachhaltigkeit nur für 11 Prozent relevant ist.

Geschlechterunterschiede und staatliche Zulagen

Die geplanten Einzahlungen zeigen ein deutliches Gefälle zwischen den Geschlechtern: Männer wollen durchschnittlich 223 Euro monatlich investieren, Frauen nur 124 Euro. Der Gesamtdurchschnitt liegt bei 181 Euro pro Monat. Um die maximale Grundzulage von 540 Euro zu erhalten, sind 150 Euro monatlich nötig.

Zusätzlich können Beiträge bis zu 570 Euro monatlich eingezahlt werden, bringen aber keine zusätzliche Förderung. Für jedes kindergeldberechtigte Kind gibt es weitere 300 Euro Zulage, die bereits mit 25 Euro monatlicher Einzahlung erreicht werden können.

Eigenheimrente: Eine unterschätzte Alternative

Parallel zur Einführung des Altersvorsorgedepots reformiert der Staat die Eigenheimrente. Das frühere Wohn-Riester wird entbürokratisiert und großzügiger gefördert. Für die ersten 360 Euro Jahresbeitrag zahlt der Staat 50 Cent pro Euro dazu, für weitere Einzahlungen bis 1.800 Euro gibt es 25 Cent pro Euro.

Familien mit zwei Kindern können so bis zu 1.680 Euro staatliche Förderung pro Jahr erhalten. Entscheidend ist, dass nun auch Selbstständige, Freiberufler und Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke förderberechtigt sind. Energetische Sanierungen werden bereits ab 3.000 Euro gefördert, statt wie bisher erst ab 6.000 Euro.

Christian König, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Privaten Bausparkassen, betont die Bedeutung dieser Reform: „Dass künftig auch Selbstständige förderberechtigt sind, ist ein wichtiger Schritt. Bislang fielen viele Freiberufler und Selbstständige aus der Förderung heraus, weil sie nicht gesetzlich rentenversicherungspflichtig waren.“

Depot gegen Eigenheim: Kein Entweder-oder

König sieht beide Produkte nicht als Konkurrenz. Viele werden zunächst im Altersvorsorgedepot Kapital aufbauen und dieses später als Eigenkapital für eine Immobilie nutzen. Das Gesetz erlaubt diese Entnahme ausdrücklich, doch Sparer sollten prüfen, ob ihr Anbieter das Kleingedruckte nicht dagegen auslegt.

Modellrechnungen des Verbands zeigen die Hebelwirkung: Ein 20-Jähriger, der monatlich 100 Euro einzahlt, hat nach zehn Jahren rund 17.000 Euro Eigenkapital. Inklusive Bauspardarlehen ergibt das eine Finanzierungssumme von 40.000 Euro. Eine Familie mit zwei Kindern, die gemeinsam 130 Euro monatlich spart, kommt auf 30.000 Euro Eigenkapital und 75.000 Euro Gesamtfinanzierung. Mit vorhandenem Altersvorsorgekapital von 10.000 Euro steigt die Summe auf 100.000 Euro.

Riester-Altlasten: Behalten oder wechseln?

Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz. 26 Prozent der Befragten mit aktivem Vertrag wollen diesen ruhen lassen und parallel ins Altersvorsorgedepot einsteigen. 22 Prozent planen die Übertragung in das neue System. Der Wechsel ist jederzeit möglich, muss aber individuell gerechnet werden. Vertragsbedingungen, bisherige Förderung und Kosten entscheiden über Sinn oder Unsinn.

Die Reform der Altersvorsorge klingt nach politischem Durchbruch, ist aber vor allem überfällig. Riester war ein Desaster aus Garantiekosten, Intransparenz und Minizinsen. Das neue Altersvorsorgedepot behebt einige Konstruktionsfehler, schafft aber neue Risiken. Wer auf ETFs setzt, trägt Kursschwankungen und kann Verluste erleiden.

Die Beitragsgarantie ist Geschichte. Für risikoscheue Sparer ein Problem, für renditeorientierte eine Chance. Die Eigenheimrente wird unterschätzt. Während alle auf das Depot starren, bietet die reformierte Wohnförderung für Familien und Selbstständige massive Vorteile. Bis zu 1.680 Euro Zulagen für eine vierköpfige Familie sind keine Peanuts.

Doch die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Löst staatliche Förderung das Kernproblem explodierender Immobilienpreise und Baukosten? Sie mildert die Symptome, bekämpft aber nicht die Ursache. Early Adopters sollten 2027 genau hinschauen: Welche Anbieter liefern wirklich transparente Produkte mit niedrigen Gebühren? Wer versteckt Kosten im Kleingedruckten? Und wer erlaubt flexible Entnahmen für Immobilienkäufe? Die Reform ist ein Schritt nach vorn – aber kein Gamechanger. Wer im Alter gut leben will, braucht mehr als staatliche Zulagen. Er braucht eine Strategie, die Depot, Eigenheim und gesetzliche Rente intelligent kombiniert.

Autor

Markus Weber