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12 Oktober 2026

Staatliche Ausgaben tragen allein zum geringen BIP-Wachstum

Die IW‑Analyse belegt: Ohne staatliche Ausgaben schrumpft das BIP – private Investitionen bleiben aus.

Staatliche Ausgaben tragen allein zum geringen BIP-Wachstum

Eine bislang unveröffentlichte Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat ergeben, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Jahren 2020 bis 2025 im Schnitt lediglich um 0,2 % pro Jahr wuchs. Dieser minimale Zuwachs ist fast ausschließlich auf die öffentlichen Haushalte zurückzuführen. Ohne die zusätzlichen Ausgaben für Konjunkturprogramme, Bundeswehr, Klimaschutz und Infrastruktur wäre die Wirtschaftsleistung im gleichen Zeitraum nicht nur stagniert, sondern tatsächlich zurückgegangen.

Staatliche Ausgaben als einziger Wachstumstreiber

Der aggregierte staatliche Beitrag beliefert die Wirtschaft mit einem positiven Effekt von rund 0,6 % pro Jahr. Gleichzeitig drückt der private Sektor das Wachstum um etwa 0,5 % Punkte. Das bedeutet, dass Unternehmen und private Haushalte im Mittel keinen positiven Einfluss mehr auf das BIP ausüben. Die öffentlichen Investitionen liegen im zweiten Quartal 2026 preisbereinigt um mehr als 20 % über dem Jahresdurchschnitt von 2019, während die privaten Investitionen um über 10 % darunter bleiben.

Schwäche der privaten Investitionen

Die Analyse macht deutlich, dass die privaten Unternehmen ihre Investitionen in Maschinen, Anlagen und Bauvorhaben stark reduziert haben. Gründe hierfür sind die nach der Corona-Pandemie eingetretenen Umsatzrückgänge, anhaltende Lieferkettenprobleme, unsichere Finanzierungsbedingungen sowie geopolitische spannungen, insbesondere der russische Angriff auf die Ukraine. Auch der Konsum der privaten Haushalte hat sich nur geringfügig erhöht – real um 4,5 % seit 2019 – und konnte den negativen Investitionstrend nicht kompensieren.

Ausnahmen bei Forschung und Software

Einziger Lichtblick zeigen die Ausgaben für Forschung & Entwicklung, Software und Datenbanken. Hier wurden signifikante Zuwächse verzeichnet, doch diese wirken den breiten Defiziten in den klassischen Investitionsbereichen nicht entgegen. Die private Wirtschaft bleibt damit weit hinter den Erwartungen zurück, die noch vor der Pandemie bestanden.

Expertenwarnung und langfristige Folgen

IW-Konjunkturexperte Michael Grömling bezeichnet die aktuelle Situation als nicht normal für ein marktwirtschaftliches System. Investitionen seien das Herzstück der Produktivität und des zukünftigen Wohlstands; ohne sie würden Maschinen und Anlagen nicht modernisiert, was die ökonomischen Produktionsmöglichkeiten dauerhaft schwäche. Grömling betont, dass staatliche Ausgaben – sei es für Bildung, Infrastruktur oder personalintensive Bereiche – die privaten Investitionen nicht ersetzen können. Für die Sicherung langfristiger Wohlstandsperspektiven seien deshalb “Konjunktur- und Wachstumsimpulse aus der privatwirtschaftlichen Investitionstätigkeit” unerlässlich.

Ohne tiefgreifende Strukturreformen und Anreize für Unternehmen droht die wirtschaftliche Basis weiter zu erodieren.

Autor

Markus Weber