Die sinkenden Wasserstände des Rheins stellen die regionale Wirtschaft vor große Herausforderungen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein warnt vor den Folgen für die Logistik und Industrie und fordert vom Bund dringende Investitionen in die Infrastruktur.
Besonders betroffen sind Branchen wie die Chemieindustrie in Krefeld und Dormagen, die Getreide- und Futtermittelwirtschaft rund um den Neusser Hafen sowie die Stahl- und Baustoffindustrie. Ein Binnenschiff kann bis zu 150 Lkw-Fahrten ersetzen, doch bei niedrigen Pegelständen können Schiffe weniger laden, was zu Verzögerungen und höheren Kosten führt.
Unternehmen reagieren auf Trockenperioden
Viele Unternehmen haben bereits auf frühere Trockenperioden reagiert. Sie halten größere Lagerbestände vor, diversifizieren ihre Lieferketten und nutzen alternative Verkehrsträger wie Bahn und Straße. Diese Maßnahmen können die Folgen niedriger Pegelstände abmildern, doch eine dauerhaft verlässliche Logistik kann nicht allein durch unternehmerische Vorsorge sichergestellt werden, erklärt Jürgen Steinmetz Hauptgeschäftsführer der IHK.
IHK fordert Investitionen in Wasserstraßen und Schienen
Die IHK fordert eine Verbesserung der Fahrrinne zwischen Duisburg und Stürzelberg. Dazu gehören die Beseitigung von Engstellen und die Stabilisierung der Rheinsohle. Diese Maßnahmen sind im Bundesverkehrswegeplan 2030 vorgesehen. Zudem verlangt die IHK mehr Investitionen in digitale Prognose- und Steuerungssysteme sowie die Förderung von Schiffen, die auch bei niedrigen Pegelständen eingesetzt werden können.
Langfristig sollten Möglichkeiten für mehr Wasserrückhalt im Rheinsystem geprüft werden. Dazu gehören Staustufen und die Nutzung von Tagebauseen, die bei Hochwasser mit Rheinwasser gefüllt und bei Niedrigwasser zur Stützung des Flusses eingesetzt werden könnten. Kurzfristig sind solche Vorhaben jedoch nicht umsetzbar.
Zusätzliche Ausweichmöglichkeiten sieht die IHK auf der Schiene. Der Ausbau der Revierbahn zwischen Rheinschiene und Aachen sowie die 3RX-Verbindung mit einem zweiten Gleis zwischen Viersen-Dülken und Nettetal-Kaldenkirchen könnten Güter bei Einschränkungen auf die Bahn verlagern. Damit würde auch die Anbindung an die ZARA-Häfen – Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam – gestärkt.
Bundesverkehrsminister greift Niedrigwassersituation auf
Die IHK begrüßt, dass der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger die Niedrigwassersituation aufgegriffen hat. Nun müsse es darum gehen, kurzfristige Reaktionen mit einer langfristigen Strategie für Rhein und Schiene zu verbinden.
Die Bundesbank warnt ebenfalls vor den wirtschaftlichen Folgen des Niedrigwassers. Im dritten Quartal könnte die Wirtschaftsleistung nur noch leicht zulegen, heißt es im Monatsbericht August der Notenbank. Der Export, der in den vergangenen Monaten ein wichtiger Treiber des Wachstums war, könnte einen Rückschlag erleiden. Auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) warnt vor den wirtschaftlichen Folgen des anhaltenden Niedrigwassers auf dem Rhein.



