Am 18. September 2026 hat die Bank of Japan (BoJ) den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 % angehoben. Damit erreicht Japan den höchsten Zinssatz seit April 1995 – ein markanter Bruch einer mehr als zwei Jahrzehnte währenden Phase extrem niedriger oder sogar negativer Zinsen. Die Entscheidung erfolgte, um die wachsende Gefahr einer anhaltenden Inflation zu dämpfen, die zuletzt durch höhere Ölpreise und die Abwertung des Yen befeuert wird.
Hintergrund: Inflation, Yen-Schwäche und Ölpreis-Aufschwung
Die japanische Wirtschaft steht derzeit vor einer doppelten Preisentwicklungs-Dynamik. Einerseits treiben steigende Ölpreise die Gesamtkosten für Verbraucher und Unternehmen nach oben, da Japan einen Großteil seiner Energie importiert. Andererseits reduziert ein deutlich geschwächter Yen die Kaufkraft gegenüber dem US-Dollar, wodurch in Yen umgerechnete Rohstoffpreise weiter steigen. In einem solchen Umfeld wird das Geld durch höhere Zinsen teurer, was die Kreditaufnahme bremst und die Nachfrage dämpft – ein klassisches Mittel, um die Preissteigerung zu kontrollieren.
Zweiter Zinsschritt im kurzen Zyklus
Dies ist bereits der zweite Anstieg innerhalb von drei Monaten, ein Zeitrahmen, den die BoJ als den kürzesten seit Beginn des aktuellen Straffungskurses im März 2024 bezeichnet. Der erste Schritt im Frühjahr 2024 markierte das Ende einer langen Periode ultra-locker-er Geldpolitik, die ursprünglich als Reaktion auf anhaltend niedrige Wachstumsraten und Deflationsängste eingeführt wurde. Mit dem jüngsten Schritt wird nun ein klarer Richtungswechsel signalisiert: Die Zentralbank setzt verstärkt auf eine restriktivere Geldpolitik, um die Preisstabilität zu sichern.
Globale Verflechtungen: Federale Reserve und Yen-Entwicklung
Die geldpolitischen Entscheidungen der BoJ kommen zu einem Zeitpunkt, an dem auch die Federal Reserve in Washington voraussichtlich ihre Zinsen anheben wird. Laut einem CNBC-Umfrageergebnis unter 18 Ökonomen, das zwischen dem 9. und 14. September durchgeführt wurde, erwarten 89 % einen Anstieg des japanischen Leitzinses auf 1,25 %. Gleichzeitig liegt die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Erhöhung bei über 80 %.
Einige Experten sehen aber unterschiedliche Zeithorizonte: Takahide Kiuchi, leitender Ökonom des Nomura Research Institute, betont die Rolle von Inflation, Lohnwachstum und politischen Druck aus Washington. Jesper Koll vom Monex Group prognostiziert hingegen ein einzelnes, größeres Sprung von 50 Basispunkten, während Carlos Casanova von Union Bancaire Privée meint, dass die Daten noch keinen schnelleren Zinserhöhungszyklus rechtfertigen und ein Stopp möglich sei. In der Umfrage geben rund 61 % der Befragten an, dass sie den Yen künftig zwischen 155 und 160 Yen pro Dollar handeln erwarten.
Ein bemerkenswertes Zitat von Kiuchi wurde in einem Interview wiedergegeben: „L’amministrazione Trump ha di fatto impedito qualsiasi possibile azione da parte di un governo Takaichi volta a bloccare la Bank of Japan dall’alzare i tassi d’interesse.“ Dieses Statement verdeutlicht, wie internationale politische Entwicklungen die monetären Entscheidungsräume beeinflussen können.
Die gleichzeitigen Zinsanhebungen in Tokio und Washington könnten erstmals seit 2006 zu einer erheblichen Angleichung der beiden Leitkurse führen. Das würde die klassischen Carry-Trades zwischen Yen und Dollar verändern und das globale Risikobewusstsein im vierten Quartal neu ausrichten.



