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Wie Gesetzesumsetzung, Plattformrückholungen und RaaS den Markt für notleidende Kredite prägen

In diesem Beitrag untersuchen wir drei eng verwandte Entwicklungen im Bereich notleidende Kredite: die deutsche Umsetzung der EU‑Richtlinie durch das Kreditzweitmarktgesetz, jüngste Aussagen zur Rückholung von Darlehen bei der Plattform Estateguru (Stand 16.02.2026) sowie das operative Vorgehen über Restructuring as a Service (RaaS). Ziel ist es, die zentralen Aussagen und praktischen Konsequenzen für Banken, Investoren und Dienstleister verständlich zusammenzufassen.

Die folgenden Abschnitte ordnen die Kernkritik am Gesetzgebungsprozess, die aktuelle Lage bei Plattformrückholungen und konkrete Handlungsoptionen für Finanzierer.

Dabei werden technische Begriffe hervorgehoben und zentrale Konzepte kurz definiert, sodass Leserinnen und Leser schnell einsetzbare Erkenntnisse gewinnen.

Die deutsche Umsetzung der EU‑Richtlinie: Erwartungen und Realität

Die EU‑Richtlinie 2026/2167 zielte darauf ab, den Sekundärmarkt für Non Performing Loans (NPL) zu beleben, Transparenz zu verbessern und Wettbewerb zu fördern. In Deutschland wurde diese Richtlinie durch das Kreditzweitmarktgesetz umgesetzt; der Gesetzestext trat formal am 30. Dezember 2026 in Kraft. Viele Marktakteure empfanden die Umsetzung jedoch als kontraproduktiv: Statt Marktteilnehmer zu vermehren, hat ein hoher administrativer Aufwand offenbar zahlreiche Anbieter abgeschreckt.

Hauptkritikpunkte aus Verbandskreisen

Der Bundesverband Deutscher Inkasso‑Unternehmen (BDIU) bemängelt insbesondere die zusätzliche Erlaubnispflicht bei der BaFin und die damit verbundene Doppelregulierung neben dem Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG). Laut BDIU führten diese Vorgaben zu einem Rückzug vieler zuvor aktiver Firmen: Mehrere Dutzend Mitglieder hätten den Markt verlassen, während landesweit nur 31 Unternehmen die BaFin‑Erlaubnis beantragt und erhalten hätten. Aus Verbandssicht wäre eine Integration in bestehende RDG‑Strukturen weniger belastend gewesen.

Estateguru: Update zu Rückholungen und operative Realität

Die estnische Immobilienplattform Estateguru veröffentlichte ein Status‑Update zu Rückholungsprozessen, das insbesondere für deutsche Darlehen ernüchternd ausfiel. In der Mitteilung (veröffentlicht am 16.02.2026) wurden Verzögerungen und begrenzte Fortschritte bei der Durchsetzung gegenüber Schuldnern in Deutschland genannt. Für Investoren bedeutet das: längere Verwertungszeiträume und unsichere Recovery‑Prognosen.

Konsequenzen für Anleger und Plattformnutzer

Die Botschaft aus dem Estateguru‑Update ist zweifach: Erstens sollten Anleger ihre Liquiditätspläne auf längere Rückführungsfristen einstellen; zweitens gewinnt die Fähigkeit, rechtliche und operative Rückholungen effizient zu steuern, an Bedeutung. Plattformen mit klaren, skalierbaren Recovery‑Prozessen werden im Wettbewerb profitieren, während schwächere Anbieter Anlegervertrauen verlieren können.

Restructuring as a Service (RaaS): Praktische Alternative zur Abschreibung

Vor dem Hintergrund steigender Ausfallrisiken und wertberichtiger Tendenzen gewinnt das Modell Restructuring as a Service (RaaS) an Bedeutung. Dr. Tobias Moser, Gründer von MR Corporate Solutions, beschreibt RaaS als externes Service‑Modell, das Finanzierern zeitliche und operative Handlungsräume eröffnet, um Werte zu stabilisieren, statt sofortige Abschreibungen zu akzeptieren.

Vorteile und operative Mechanik

RaaS kann konkret die Übernahme einer Gesellschafterposition oder Teile eines Unternehmens durch einen spezialisierten Dienstleister umfassen. Dadurch bleibt die Bank formal Gläubiger, vermeidet regulatorisch problematische Eigenkapitalnahmen und gewinnt Zeit für operative Restrukturierung. Wichtige Effekte sind höhere Recovery‑Aussichten, kontrollierter Liquiditätseinsatz und die Vermeidung kostenträchtiger Insolvenzverfahren.

Zusammenführung: Was sollten Entscheider jetzt tun?

Kurzfristig sollten Institute und Investoren ihre Strategien doppelt prüfen: Zum einen die rechtlichen und regulatorischen Anforderungen beim Kauf oder Management von NPL‑Portfolios, zum anderen die operative Option, RaaS‑Dienstleister als Brückenlösung zu nutzen. Langfristig wird ein marktfreundlicherer Regulierungsrahmen dabei helfen, den Sekundärmarkt zu beleben – vorausgesetzt, redundante Genehmigungsanforderungen werden reduziert und vorhandene Aufsichtsstrukturen besser genutzt.

Die aktuelle Lage zeigt: Technische Regulierung allein löst keine Marktprobleme. Entscheidend sind praktikable Prozesse, spezialisierte Dienstleister und eine Regulierung, die Marktteilnehmer nicht unnötig abschreckt. Nur so lässt sich der intended Zweck der EU‑Richtlinie – ein funktionsfähiger und liquider NPL‑Sekundärmarkt – tatsächlich erreichen.

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Estateguru meldet neues Update zu Rückholungen und Abwicklung