Vor etwa fünfzehn Jahren veröffentlichte Marc Andreessen seinen einflussreichen Essay „Warum Software die Welt frisst“ im Wall Street Journal. In diesem Artikel skizzierte er einen grundlegenden Wandel in der Technologie, bei dem Software traditionelle Branchen durchdrang und die Wertschöpfungsketten revolutionierte.
Unternehmen wie Netflix im Mediensektor, Amazon im Einzelhandel, Tesla in der Automobilindustrie und diverse Akteure im Finanzwesen sind Beispiele für diese Transformation. Hauptursachen für diesen Wandel waren die gesteigerte Reichweite dank Breitbandinternet und Smartphones, sowie der dramatische Rückgang der Startkosten durch Cloud-Dienste und moderne Softwaretools.
Heutzutage sind viele Experten der Meinung, dass KI die Softwareindustrie auf eine ähnliche Weise transformieren könnte, wie es Software zuvor mit anderen Sektoren getan hat. Diese Annahme wird durch den signifikanten Rückgang der Bewertungen von Enterprise SaaS-Aktien verstärkt, was zu der Befürchtung führt, dass diese Unternehmen in eine Krise geraten könnten.
Die Herausforderungen für traditionelle Softwareunternehmen
Die Probleme, mit denen Unternehmen wie Salesforce und Adobe konfrontiert sind, sind gravierend. Diese Firmen haben sich über Jahre hinweg durch Übernahmen vergrößert und zeigen nun ein langsames organisches Wachstum. Doch nicht nur die älteren Softwaregiganten kämpfen mit Herausforderungen – auch neue, dynamische Softwareunternehmen, die organisch und schnell wachsen und hohe Bruttomargen erzielen, haben in den letzten Monaten massive Wertverluste erlitten. Beispiele hierfür sind Atlassian, HubSpot, GitLab und Monday, die alle in den letzten zwölf Monaten um über 50 % an Wert verloren haben.
Eine Marktanalyse der B2B-Softwareunternehmen
Besonders auffällig ist, dass all diese B2B-Softwareunternehmen derzeit zu historischen Tiefstpreisen gehandelt werden, wenn man das EV/Sales-Verhältnis betrachtet. Die ersten Wochen des neuen Jahres zeigten eine klare Flucht der Investoren aus diesen Softwarewerten. Viele Analysten und Tech-Beobachter glauben, dass KI-Agenten in naher Zukunft einen bedeutenden Teil der Aufgaben in Unternehmen übernehmen könnten.
Die Zukunft der Unternehmenssoftware mit KI
Diese Entwicklungen werfen die Frage auf: Wie wird die Unternehmenssoftware der Zukunft aussehen? Werden Unternehmen in der Lage sein, KI-gestützte Vibe-Coding-Tools zu nutzen, um maßgeschneiderte Softwarelösungen selbst zu entwickeln, anstatt teure Abonnements bei etablierten SaaS-Anbietern abzuschließen? Mit jedem Fortschritt in der Entwicklung von Tools wie Claude Code oder Lovable wird die Diskussion um die Zukunft von Enterprise-Software lebendiger. Viele Stimmen in den sozialen Medien verkünden, dass die Zeit der traditionellen Unternehmenssoftware vorbei ist.
Der Finanzmarkt scheint diese Ansichten zu teilen, was durch den dramatischen Rückgang der Bewertungen von SaaS-Anbietern deutlich wird. Diese Entwicklung könnte darauf hinweisen, dass das vorhersehbare Wachstum, das durch wiederkehrende Einnahmen geprägt ist, für viele Anbieter nicht mehr gegeben ist.
Ein persönlicher Blick auf die Situation
Mit 25 Jahren Erfahrung als Softwareunternehmer möchte ich die aktuelle Panik unter den Investoren etwas relativieren. Die Einschätzungen und Prognosen über die Zukunft der Unternehmenssoftware sollten differenziert betrachtet werden. Wenn Sie an einer umfassenden Analyse interessiert sind, lade ich Sie ein, meinen Substack zu besuchen, wo ich regelmäßig Beiträge in Deutsch und Englisch veröffentliche, teilweise hinter einer Paywall.
Wir stehen am Anfang eines neuen Kapitels in der Softwarebranche, und die Herausforderungen, die durch KI entstehen, bringen sowohl Risiken als auch Chancen mit sich. Es bleibt spannend, wie Unternehmen diese Transformation gestalten werden.
