In den letzten Entwicklungen des P2P‑ und Crowdlending‑Sektors stehen mehrere Schlaglichter: die überraschende Einstellung des Betriebs bei Rendity, Fortschritte und Kosten bei der Beitreibung notleidender Kredite durch Estateguru sowie neue Produkte und Debatten um Prognosemärkte. Dieser Artikel fasst die Kernpunkte zusammen, erläutert Hintergründe und ordnet die Konsequenzen für Anleger ein.
Die Informationslage umfasst offizielle Angaben der betroffenen Plattformen, öffentlich bekannte Finanzkennzahlen und beobachtbare Marktreaktionen. Dabei sind sowohl operative Details als auch ethische und regulatorische Fragestellungen relevant.
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Rendity: Einstellung des Betriebs und die Lage der Anleger
Die Plattform Rendity hat den Betrieb endgültig eingestellt und befindet sich in der Abwicklung einer Plattform mit rund 38.000 Anlegern und einem vermittelten Volumen von über 150 Millionen Euro. Für viele Kleinanleger bedeutet das eine Phase erheblicher Unsicherheit: Rückflüsse hängen nun von der rechtlichen Abwicklung, dem Zustand der Kreditportfolios und der Reihenfolge von Gläubigerrechten ab.
Aus Sicht betroffener Investoren ist wichtig zu wissen, dass bei solchen Abwicklungen oft mehrere Schritte notwendig sind: Prüfung der Darlehensunterlagen, Einschaltung von Sachverständigen, Forderungsankündigung und dann realistische Einschätzung von Rückgewinnungsquoten. Der Prozess kann Monate bis Jahre dauern und ist stark abhängig von der Qualität der Sicherheiten und von lokalen Gerichtsverfahren.
Estateguru: Wie die Aufarbeitung notleidender Kredite voranschreitet
Estateguru berichtet über differenzierte Fortschritte bei der Regulierung notleidender Immobilienkredite in verschiedenen Märkten. Seit dem Start hat die Plattform mehr als €925 Millionen finanziert; davon sind laut internen Angaben etwa 77% (≈ €711 Millionen) bereits zurückgezahlt, woraus rund €95 Millionen Renditen resultierten.
Marktsegmentierung und regionale Prioritäten
Estateguru unterscheidet zwischen aktiven, inaktiven und geschlossenen Märkten. Aktuell werden in den baltischen Staaten — Estland, Lettland und Litauen — wieder aktiv neue Kredite vergeben; seit 2026 flossen dort insgesamt €223 Millionen und 97% der Kredite sind entweder vollständig getilgt oder performen planmäßig. Die gewichtete durchschnittliche LTV in dieser Phase liegt bei 57,8%, der gewichtete Zins bei 10,13%.
Ergebnisse und Kosten der Rückgewinnung
Bis dato wurden laut Estateguru etwa €63 Millionen aus notleidenden Forderungen zurückgewonnen, darunter €14,8 Millionen in 2026 und €7,5 Millionen in 2026. 2026 wurden außerdem drei litauische Forderungen für €5,3 Millionen verkauft; die finale Abwicklung ist für den Herbst 2026 vorgesehen. Die Plattform gibt an, monatliche Verwaltungskosten für NPL‑Fälle von rund €100.000–150.000 zu haben und im Jahr 2026 insgesamt €1,7 Millionen Eigenmittel in Recovery‑Maßnahmen investiert zu haben.
Neue Produkte, weitere Plattformen und ethische Fragen
Parallel zu den Herausforderungen bei Rückzahlungen bringen Anbieter neue Produkte: Beispielsweise hat Afranga mit SaveSmart ein Festzinsprodukt mit monatlicher Zinszahlung auf den Markt gebracht, das für Anleger, die planbare Erträge suchen, attraktiv sein könnte. Allerdings gelten bei solchen Angeboten die üblichen Bonitätsprüfungen und Risikoaufstellungen.
Bei InRento gerieten erstmals zwei Projekte unter Druck, was zeigt, dass auch etablierte Plattformen Szenarien mit erhöhten Ausfallrisiken erleben können. Zusätzlich liefert das Unternehmen FF Forest in Q&A‑Runden Einblicke in die Nutzung von CO2‑Zertifikaten, Expansionspläne, die Gewinnung institutioneller Investoren und mögliche Auswirkungen angekündigter Zinssenkungen auf ihre Geschäftsmodelle.
Prognosemärkte und die Debatte um politische Wetten
Ein separater, kontroverser Bereich sind die sogenannten Prognosemärkte wie Polymarket, Kalshi oder PredictIt. Diese Plattformen erlauben Wetten auf politische und geopolitische Ereignisse — von Wahlergebnissen bis zu militärischen Entwicklungen. Kritiker heben ethische Bedenken hervor: Ist es vertretbar, auf Konflikte oder Staatsakteure zu spekulieren? Befürworter argumentieren, dass solche Märkte Informationen bündeln und Wahrscheinlichkeiten effizienter widerspiegeln.
Regulatorische und politische Eingriffe haben bereits stattgefunden: in einigen Zuständigkeiten wurden Zugänge beschränkt oder blockiert, in anderen gelten Regeln gegen den Missbrauch von Insiderwissen. Fälle, in denen vor Ereignissen auffällige Marktbewegungen stattfanden, haben Diskussionen über Transparenz und mögliche Informationsvorteile angefacht.
Was sollten Anleger jetzt beachten?
Anleger sollten ihre Portfolios prüfen, Diversifikation ernst nehmen und die jeweiligen Risikohinweise der Plattformen lesen. Bei betroffenen Insolvenz‑ oder Abwicklungsfällen ist Geduld gefragt: Rückgewinnungen können langwierig und kostenintensiv sein. Gleichzeitig lohnt es sich, neue Produkte sorgfältig auf Bonität, Liquidität und Gebühren zu prüfen.
Kurz: Informieren, nachfragen und Risiko streuen. Wer das tut, ist besser gewappnet gegenüber unerwarteten Turbulenzen im dynamischen P2P‑ und Crowdlending‑Umfeld.
