Die Wiener Crowdinvesting‑Plattform Rendity hat den Geschäftsbetrieb endgültig eingestellt. Laut Mitteilung begann die Plattformmitteilung Mitte Februar 2026, der technische Zugang zur Plattform soll bis mindestens 31. Mai 2026 bestehen bleiben. Betroffen sind nach Angaben mehrere Zehntausend Nutzerinnen und Nutzer sowie ein vermittelte Volumen von mehr als 150 Millionen Euro.
Parallel melden andere Anbieter wie Estateguru und InRento Herausforderungen bei Immobilienprojekten.
Im folgenden Text werden die wichtigsten Fakten, konkrete Handlungsempfehlungen für Anleger und Einordnungen zu weiterreichenden Entwicklungen im P2P‑ und Crowdinvesting‑Umfeld dargestellt. Dabei werden auch technische Aspekte der Abwicklung und steuerliche Hinweise berücksichtigt.
Was genau passiert ist
Rendity begründet die Entscheidung mit gravierenden Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld: steigende Zinsen, höhere Baukosten und verschärfte Finanzierungsbedingungen hätten zu Verzögerungen und in einigen Fällen zu Insolvenzen bei Projektgesellschaften geführt. Der operative Betrieb der Plattform war eigenen Angaben zufolge bereits im faktisch eingestellt worden; seitdem seien keine neuen Emissionen mehr angeboten worden. In der Folge begann nun die formale Abwicklung der technischen Plattform.
Wesentliche Termine und Zugangsregelungen
Die Plattform wird nach aktuellem Stand technisch erreichbar bleiben, sodass Nutzerinnen und Nutzer sich einloggen, Kontodaten prüfen und vorhandene Guthaben auszahlen lassen können. Neue Einzahlungen und Investments sind ausgeschlossen. Rendity empfiehlt, verfügbare Mittel zeitnah vom Verrechnungskonto auf das persönliche Bankkonto zu transferieren. Die Auszahlung erfolgt über den Zahlungsdienstleister Lemonway, der regulatorisch gegebenenfalls zusätzliche Identitäts‑ oder Herkunftsnachweise anfordern darf.
Rechte, Pflichten und Haftungsfragen
Ein zentraler Punkt in der Rendity‑Kommunikation ist die rechtliche Struktur der Investments: Die Plattform selbst trete nicht als Darlehensnehmerin auf. Stattdessen bestehen Verträge unmittelbar zwischen den Anlegern und den jeweiligen Emittenten oder Projektgesellschaften. Das bedeutet, dass Rückzahlungen, Zinsen und Ausfälle primär von der wirtschaftlichen Lage der einzelnen Projekte abhängen. Rendity hat nach eigenen Angaben nur eingeschränkte rechtliche Mittel, um ausstehende Forderungen durchzusetzen.
Projektinformationen und Kommunikation
Projektbezogene Updates sollen direkt von den Emittenten kommen; diese seien vertraglich verpflichtet, betroffene Anleger zu informieren. Praktisch kann die Kommunikation allerdings eingeschränkt sein, weil der Support der Plattform nur noch begrenzte Ressourcen zur Verfügung hat. Auf Plattformen wie Trustpilot findet sich bereits Kritik an Verzögerungen und mangelnder Kommunikation, was die Situation zusätzlich erschwert.
Konkrete Handlungsempfehlungen für Anleger
Betroffene sollten sich zunächst im Account einloggen, die hinterlegte Bankverbindung prüfen und gegebenenfalls ein Auszahlungskonto ergänzen. Verfügbares Guthaben ist zeitnah auf ein persönliches Konto zu überweisen. Für offene Forderungen gegenüber Projektgesellschaften empfiehlt sich eine gezielte Dokumentation aller Verträge und Zahlungsnachweise, um Ansprüche rechtlich oder steuerlich geltend machen zu können.
Rendity weist darauf hin, dass im Falle endgültiger Ausfälle keine automatische Verlustbescheinigung generiert wird. Anleger sollten daher Unterlagen sammeln und bei Bedarf eine steuerliche Beratung in Anspruch nehmen, um Verluste korrekt in der persönlichen Steuererklärung zu berücksichtigen.
Was die Entwicklung für den P2P‑Markt bedeutet
Der Fall Rendity ist kein isoliertes Phänomen: Marktteilnehmer berichten von steigenden Belastungen im Immobiliensegment. So kämpft Estateguru weiterhin mit notleidenden Krediten, besonders in Deutschland, und bei InRento gerieten erstmals Projekte in Schieflage. Gleichzeitig versuchen Anbieter wie Afranga, mit neuen Produkten (etwa dem Festzinsprodukt SaveSmart mit monatlicher Zinszahlung) Anleger zu erreichen. Auch Themen wie CO2‑Zertifikate und institutionelle Investoren werden, etwa von Unternehmen wie FF Forest, in Q&A‑Formaten diskutiert.
Als Kontrast zur Risikoseite gibt es neue Vehikel an den Kapitalmärkten: Ein kürzlich in Deutschland gelisteter ETF, der die Closed‑End Fund Arbitrage‑Strategie abbildet, zeigt, dass Anleger alternative, komplexere Renditequellen suchen. Solche Produkte können interessante Ertragschancen bieten, sind aber oft mit höheren Gebühren verbunden (beispielsweise eine angegebene TER von rund 1,5 %) und setzen aktives Verständnis voraus.
Die Abwicklung von Rendity stellt für viele Anleger eine belastende Situation dar. Kurzfristig geht es darum, verfügbare Guthaben zu sichern, Projektinformationen direkt bei den Emittenten einzuholen und steuerliche Unterlagen zu sammeln. Mittelfristig ist zu erwarten, dass die Marktbedingungen im Crowdinvesting und P2P‑Segment zu Konsolidierungen, strengeren Due‑Diligence‑Anforderungen und einer verstärkten Nachfrage nach Transparenz führen werden.
Wer betroffen ist, sollte systematisch vorgehen: Kontozugang prüfen, Auszahlungen veranlassen, Vertragsunterlagen sichern und bei Bedarf rechtliche oder steuerliche Hilfe einholen. Parallel lohnt ein Blick auf diversifizierte Anlagealternativen und auf die strukturellen Veränderungen im Markt, damit zukünftige Investitionsentscheidungen auf einer breiteren Informationsbasis getroffen werden.
