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Rendity endgültig eingestellt: Auswirkungen für Anleger und alternative Plattformen

Die P2P- und Immobiliencrowdinvesting-Landschaft erlebt aktuell erhebliche Erschütterungen. Mit der Einstellung des Betriebs der Plattform Rendity stehen rund 38.000 Anleger und ein vermitteltes Volumen von über 150 Millionen Euro vor einer unklaren Rückführung ihrer Gelder. Parallel dazu kämpfen andere Anbieter mit Altlasten, Produktneuheiten oder strategischen Anpassungen.

In diesem Artikel erläutere ich die Kernpunkte, ordne die Auswirkungen ein und benenne konkrete nächste Schritte für private Anleger.

Ich weise vorab auf meinen Haftungsausschluss hin: Dies ist keine Anlageberatung, sondern eine Zusammenfassung öffentlich bekannter Fakten und persönlicher Einschätzungen. Investitionen in P2P-Kredite und Immobilienfinanzierungen bergen Risiken bis zum Totalverlust; vergangene Ergebnisse sind kein Garant für künftige Erträge.

Rendity: Ende des Betriebs und offene Fragen

Die Wiener Plattform Rendity hat den operativen Betrieb eingestellt und die Abwicklung gestartet. Technisch bleibt die Plattform noch erreichbar, Auszahlungen sind derzeit möglich, jedoch ist weniger als die Hälfte der investierten Mittel bisher zurückgeführt worden. Die Struktur vieler Investments besteht aus Nachrangdarlehen, die in direkter Vertragsbeziehung zwischen Anleger und Projektgesellschaft stehen. Das bedeutet: Rendity selbst ist häufig nicht Vertragspartner, wodurch die Verantwortung bei den Emittenten liegt. Der veröffentlichte Jahresabschluss 2026 dokumentiert finanzielle Schieflagen, darunter ein geschrumpftes Eigenkapital und Verluste gegenüber dem Vorjahr.

Breitere Folgen: Estateguru und weitere Plattformen

Die Probleme sind nicht auf Rendity beschränkt. Die estnische Plattform Estateguru hat weiterhin große Rückstände bei Altprojekten, insbesondere in Deutschland. Ein erheblicher Anteil der ausgefallenen Kredite konzentriert sich auf deutsche Objekte, wobei viele Fälle in komplexen Verwertungs- oder Insolvenzverfahren stecken. Rückflüsse erfolgen schleppend und erfordern oft Zwangsversteigerungen oder langwierige juristische Prozesse. Estateguru investiert monatlich hohe Summen in die Rückholung, verfolgt aber weiterhin den Betrieb und sammelt Gelder ein, wodurch ein vollständiges Scheitern aktuell als weniger wahrscheinlich gilt.

Welche Risiken konkret bestehen?

Bei allen genannten Plattformen sind drei Punkte zentral: Die tatsächlich durchsetzbaren Sicherheiten, die Dauer von Verwertungsprozessen und die finanzielle Stärke der Emittenten. In der Praxis relativiert sich oft die Erwartung an eine grundbuchliche Besicherung, wenn der Immobilienmarkt schwach ist oder Entwickler unter Druck stehen. Anleger sollten daher ihre Positionen genau prüfen und realistische Zeithorizonte annehmen.

Spezialfälle: InRento, Afranga und FF Forest

Auch einzelne Projekte bei InRento melden erstmals Verzögerungen. Zwei Projekte aus Kaunas weisen Zahlungsrückstände auf, weil ein geplanter Immobilienverkauf nicht abgeschlossen wurde. Die Projekte sind mit erstrangigen Hypotheken versehen, das angegebene LTV liegt bei bis zu 70 Prozent. Anleger sollten die laufenden Mitteilungen verfolgen, da bei anhaltender Illiquidität Verwertungsmaßnahmen drohen.

Neue Produkte und strategische Anpassungen

Afranga hat mit SaveSmart ein Festzinsprodukt eingeführt: feste Laufzeiten mit monatlicher Zinszahlung und Bullet-Rückzahlung am Laufzeitende. Varianten bieten unterschiedliche Zinssätze je nach Laufzeit. Rechtlich bleibt das Investment ein direktes Darlehen zwischen Anleger und Loan Originator; eine Einlagensicherung gibt es nicht. Solche Produkte eignen sich für Anleger, die planbare Cashflows wünschen, reduzieren aber nicht das Emittenten- und Bonitätsrisiko.

Die Plattform FF Forest veröffentlichte ein erstes Q&A mit Details zu CO2-Zertifikaten, Portfolio-Besicherung und Expansionsplänen. Dort wird erklärt, wie Aufforstungsflächen bewertet und Zertifikate ausgestellt werden; zugleich strebt das Management eine stärkere institutionelle Refinanzierung an und plant, künftig das Retail-Angebot zu reduzieren. Für Anleger bleibt wichtig, die Mechanik von CO2-Zertifikaten und die zeitlichen Verzögerungen bis zur Zertifikatsausgabe zu verstehen.

Was sollten Anleger jetzt tun?

Kurzfristig empfiehlt sich eine Prüfung der eigenen Kontodaten und ausstehenden Guthaben sowie das Einfordern von Auszahlungsoptionen, wo möglich. Dokumentieren Sie Forderungen, prüfen Sie Vertragsbedingungen und sichern Sie Kommunikation. Langfristig ist Diversifikation zentral: Streuen Sie Kapital auf verschiedene Plattformen, Kreditarten und Laufzeiten. Achten Sie auf transparente Informationen zu Emittenten, Sicherheiten und Verwertungsmechanismen. Zudem sind rechtliche Schritte möglich; mehrere Klagen gegen Rendity wurden bereits angekündigt.

Informierte, geduldige und diversifizierte Anleger sind am besten aufgestellt, um solche Turbulenzen zu überstehen.