Die Tech-Börse erlebte Anfang 2026 einen markanten Schock: Am 9. Februar 2026 fiel die monday.com-Aktie nach der Veröffentlichung der Q4- und Jahreszahlen 2026 erneut deutlich, teils mehr als 20 %. Damit wurden neue Jahres- und Mehrjahrestiefs markiert und die Aktie schloss auf dem niedrigsten Stand seit Ende 2026. Diese Entwicklung wirkt paradox, weil die Geschäftskennzahlen operativ solide erscheinen.
Um das Phänomen zu verstehen, muss man sowohl die harten Resultate als auch das Markt- und Narrativumfeld betrachten: Anleger diskutieren zunehmend, wie künstliche Intelligenz traditionelle menschengeführte Unternehmenssoftware verändern könnte — eine Erwartung, die Bewertungen radikal beeinflusst.
Index du contenu:
Was die q4/2026- und jahreszahlen von monday.com aussagen
Die wichtigsten Eckdaten zeigen ein robustes Wachstum: Der Umsatz im Q4/2026 betrug 334 Mio. USD, was einem Anstieg von knapp 25 % gegenüber dem Vorjahr entspricht und über Analystenschätzungen lag. Die bereinigten Gewinne pro Aktie beliefen sich auf 1,04 USD (Adjusted) bzw. 1,45 USD (GAAP) und übertrafen Erwartungen deutlich. Das operative Ergebnis (Non-GAAP) betrug 42 Mio. USD, blieb damit nur leicht über dem Vorjahr, was teilweise auf einen starken Dollarkurs gegenüber dem israelischen Schekel zurückzuführen ist (rund 20 % Währungsverlust gegenüber dem Schekel).
Als Schwäche fiel der Free Cashflow im Q4 ins Gewicht: 57 Mio. USD (17 % Marge) gegenüber 73 Mio. USD (27 % Marge) im Vorjahr. Für das Geschäftsjahr 2026 erzielte monday.com einen Umsatz von 1,232 Mrd. USD (+27 %) und ein operatives Non-GAAP-Ergebnis von 175 Mio. USD (ca. 14 % Marge). Der Free Cashflow für 2026 lag bei 323 Mio. USD (26 % Marge), dem gegenüber standen 177 Mio. USD an Aktienvergütungen.
Wachstumsschwerpunkte und kundenstruktur
Operativ zeigt sich eine deutliche Verlagerung vom SMB- hin zum Enterprise-Geschäft: 41 % des Umsatzes stammen inzwischen von Kunden mit einem ARR über 50.000 USD (Vorjahr: 36 %). Die Net Dollar Retention lag bei 110 % (minus 2 Prozentpunkte zum Vorjahr), bei Großkunden betrug die NRR 116 %. Kunden mit mehr als 100.000 USD ARR wuchsen um 45 % auf über 1.750. Die Remaining Performance Obligations (RPO) stiegen um 37 % auf 839 Mio. USD.
Warum der markt dennoch so negativ reagierte
Rein quantitative Kennzahlen würden normalerweise eine stabile Bewertung rechtfertigen: wiederkehrende Umsätze, Profitabilität und organisches Wachstum sind für SaaS-Firmen erstrebenswert. Dennoch reagierten Investoren heftig — ein Eindruck, der sich aus mehreren, miteinander verbundenen Gründen erklären lässt.
Erstens ist der Free Cashflow-Rückgang im Q4 ein Warnsignal für kurzfristig geringere Liquiditätsfreisetzung. Zweitens verstärkt das übergeordnete Narrativ «KI frisst Software» die Erwartung, dass klassische Kollaborationstools von neuen, agentenbasierten Workflows verdrängt werden könnten. Drittens haben technische Marktteilnehmer und branchenfremde Analysten die Zukunftsaussichten in Frage gestellt, was zu einem Vertrauensverlust bei Bewertungsannahmen führte. In nur sechs Handelswochen des Jahres verlor die Aktie etwa 50 %, und innerhalb von zwölf Monaten ging der Kurs um rund 75 % zurück.
Marktdynamik versus fundamentaldaten
Der Markt preist nicht nur aktuelle Ergebnisse, sondern Erwartungen für die Zukunft. Selbst solide Quartalszahlen können zu starken Kursbewegungen führen, wenn die Guidance, Cashflow-Trends oder narrative Risiken die Erwartungshaltung ändern. Bei monday.com führte offenbar die Kombination aus schwächerem kurzfristigem Cashflow, einem anspruchsvollen Makro- und Währungsumfeld sowie der KI-Diskussion zu einer massiven Neubewertung.
Branchenkontext: ein kurzer vergleich mit jfrog
Der Blick auf ein anderes, ebenfalls in Israel notiertes Softwareunternehmen, JFrog, verdeutlicht, wie unterschiedlich Märkte reagieren können. JFrog meldete für 2026 einen Jahresumsatz von 531,8 Mio. USD (+24 %) und ein starkes Cloud-Wachstum (243,3 Mio. USD, +45 %). Die Net Dollar Retention lag bei 119 %, RPO stieg auf 566 Mio. USD (+40 %). JFrog betonte zudem die Rolle von Security und MLOps in der AI-Ära und gab für 2026 Guidance mit erwarteten Umsätzen von 623–628 Mio. USD.
Dieser Vergleich zeigt: Unternehmen, die sich klar als infrastrukturellem Rückgrat für AI-getriebene Workflows positionieren und eine starke Cloud-/Security-Mix haben, werden vom Markt unter Umständen anders bewertet als Kollaborationstools, selbst wenn beide gute Kennzahlen liefern.
com 2026 solide gewachsen, hat Enterprise-Kunden gewonnen und positive Margen gezeigt. Dennoch dominieren kurzfristige Cashflow-Signale und das weit verbreitete Narrativ einer KI-gestützten Disruption die Anlegerstimmung — ein Mix, der den dramatischen Kursrutsch am 9. Februar 2026 erklärt.
