Am Mittwoch löste ein plötzlicher Rücksetzer im Derivatemarkt rund 400 Millionen US-Dollar an gehebelten Long-Wetten aus. Innerhalb einer Stunde wurden diese Positionen zwangsweise liquidiert, wodurch die Erinnerung an den erschütternden Oktober-2025-Crash wieder auflebte. Doch die Zahlen von heute deuten eher auf eine reine Bereinigung als auf den Beginn einer neuen Kaskade hin. Der entscheidende Faktor ist nicht mehr das Volumen der offenen Terminkontrakte, sondern das Ergebnis der kommenden Fed-Sitzung Ende Oktober.
Rückblick: Was den Oktober-2025-Crash auslöste
Am 10. Oktober 2025 drohte der damalige US-Präsident mit 100 %igen Zöllen auf chinesische Waren und zusätzlichen Exportkontrollen für Software. Nur wenige Tage zuvor hatte Bitcoin ein Rekordhoch von über 125 000 US-Dollar erreicht. In den darauffolgenden 24 Stunden wurden mehr als 19 Milliarden US-Dollar an gehebelten Positionen liquidiert, davon über 7 Milliarden in weniger als einer Stunde. Das große Gift war nicht die politische Ankündigung, sondern die Tatsache, dass die Rally fast ausschließlich auf geliehenem Kapital basierte – ein Szenario, das heute erneut beobachtet wird.
Aktuelle Leverage-Situation 2026
Die jüngsten Daten zeigen, dass das Open Interest bei Bitcoin innerhalb einer Woche bis zum 7. Oktober um 4 % auf rund 650.500 BTC wuchs – vergleichbar mit dem Anstieg von 4,1 % in fünf Tagen vor dem Crash 2025. Gemessen am Marktwert entspricht das heute etwa 3,2 % des gesamten Bitcoin-Marktkapitals, gegenüber 3,7 % vor dem Einbruch. Bei Ethereum liegt das Verhältnis bei 10,4 % gegenüber 11,3 % zuvor. In US-Dollar-Beträgen ist das Open Interest seit 2025 um fast 39 % geschrumpft, doch in Bitcoin-Einheiten fiel der Rückgang nur auf knapp 13 %, weil der Kurs stark gesunken ist.
Ein wesentlicher Unterschied zu 2025 liegt in den Funding-Rates. Während die Rate im Vorfeld des Crashs an 18 von 32 Messpunkten über 8 % lag, fiel sie in der Woche bis zum 7. Oktober 2026 nur einmal in 28 Fällen über diesen Wert, und dreimal sogar ins Minus. Auf Deribit sank die tägliche Funding-Rate für Bitcoin von 26,9 % auf 7,1 %. Zusätzlich verlor der US-Dollar-gebundene Token USDe von Ethena, eine wichtige Hebelquelle, rund 66 % seines Werts und liegt nun bei etwa 5 Milliarden US-Dollar.
Ausblick: Fed-Entscheidung und kritische Preiszonen
Die US-Notenbank hat im September 2026 den Leitzins erstmals seit 2023 um 25 Basispunkte auf 3,75-4,00 % erhöht und signalisierte mögliche weitere Anhebungen. Analysten sehen die Sitzung Ende Oktober als den klarsten Auslöser für den Kryptomarkt: Ein weiterer Zins-Step könnte die Renditen von Anleihen anheben und Bitcoin in Richtung einer Unterstützungsmarke von 82.300 US-Dollar drücken. Dieser Wert liegt knapp über dem Tief vom 28. September und gilt als zentrale Unterstützungszone. Ein Durchbruch unter diese Marke, kombiniert mit plötzlich steigenden Funding-Rates, könnte die Erinnerungen an den Oktober-2025-Crash wieder aufflammen lassen.
Derzeit wird die Widerstandszone bei rund 86.000 US-Dollar beobachtet. Ein nachhaltiger Aufstieg darüber würde die aktuelle Bereinigung bestätigen und das Vertrauen in den Markt stärken. Entscheidend bleibt jedoch das Zusammenspiel von Leverage, Funding-Kosten und dem Ergebnis der Fed-Sitzung – ein Szenario, das den Markt nur zu einem Viertel der zuvor erwarteten Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung sehen lässt.



