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18 Juli 2026

Investitionsinitiative Made for Germany: Fortschritte und Herausforderungen

Die Initiative Made for Germany zeigt erste Erfolge, doch die ambitionierten Ziele sind noch nicht in Reichweite. Erfahren Sie mehr über die aktuellen Entwicklungen.

Investitionsinitiative Made for Germany: Fortschritte und Herausforderungen

Die Initiative Made for Germany hat zwar zu einem Anstieg der Investitionen geführt, doch die gesteckten Ziele bleiben vorerst unerreicht. Ein Jahr nach ihrem Start zeigt sich, dass die Dynamik nicht ausreicht, um die geplanten Investitionen von 631 Milliarden Euro bis 2028 zu erreichen. Diese Erkenntnisse stammen aus den Geschäftsberichten, die vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ausgewertet wurden.

Die beteiligten Unternehmen haben 2026 zwar mehr investiert als im Vorjahr, doch ein zusätzlicher Effekt der Initiative ist bislang nicht erkennbar. Die Investitionen in Deutschland stiegen um 5,7 Prozent auf 52 Milliarden Euro, während die weltweiten Investitionen der Firmen um 3,5 Prozent auf 122 Milliarden Euro zulegten. Christian Rammer, Projektleiter am ZEW, betont, dass die Daten keinen klaren zusätzlichen Investitionseffekt zeigen.

Die Initiatoren und ihre Ziele

Hinter der Initiative stehen prominente Wirtschaftschefs wie Roland Busch von Siemens, Christian Sewing von der Deutschen Bank, Kommunikationsberater Alexander Geiser und Mathias Döpfner von Axel Springer. Zum Start im Juli 2026 beteiligten sich 61 Unternehmen und Investoren, die Investitionen von 631 Milliarden Euro bis 2028 ankündigten. Inzwischen haben sich 44 weitere Unternehmen angeschlossen, wodurch das Investitionsvolumen auf 735 Milliarden Euro stieg.

Das Ziel der Initiative war nicht nur die Förderung von Investitionen, sondern auch die Stärkung des Vertrauens in den Standort Deutschland. Rammer bestätigt, dass die Initiative zunächst die Stimmung verbessert hat. Doch geopolitische Krisen und Probleme der Automobilindustrie haben die Stimmung wieder eingetrübt. Die Initiatoren äußerten sich auf Nachfrage nicht zum Stand der Investitionen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert. Viele Investitionsprognosen aus der Zeit vor der Corona-Pandemie basierten auf einer wirtschaftlichen Schönwetterphase. Heute gehören geopolitische Konflikte, Handelsstreitigkeiten und andere Schocks zur neuen Realität. Unternehmen und Wirtschaftspolitik müssen sich auf diese dauerhaft höhere Unsicherheit einstellen.

Hohe Kosten und schwindende Standortvorteile bremsen die Investitionsbereitschaft. Eine aktuelle Studie des IW Köln zeigt, dass 77 Prozent der befragten Unternehmen die hohen Arbeitskosten als Investitionshemmnis nennen. Studienautor Hubertus Bardt weist jedoch darauf hin, dass die Arbeitskosten in Deutschland schon immer hoch waren. Das eigentliche Problem sei, dass Innovationskraft und Produktivität nicht im gleichen Maße gestiegen seien. Zudem verlören frühere Standortvorteile wie Fachkräfteverfügbarkeit und Infrastruktur an Stärke.

Positive Investitionsbeispiele

Trotz der Probleme gibt es weiterhin gute Gründe für Investitionen in Deutschland. Die IW-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem die Größe des Absatzmarkts und die hohe Rechtssicherheit für den Standort sprechen. Bardt widerspricht der These, dass Unternehmen nur aufgrund bestehender Produktionsanlagen in Deutschland investieren. Es gebe weiterhin zahlreiche positive Investitionsbeispiele:

  • Infineon Der Chiphersteller investiert fünf Milliarden Euro in ein neues Werk in Dresden.
  • Siemens Der Technologiekonzern erweitert seine Fertigung von Energieverteilungssystemen in Deutschland und investiert dafür 300 Millionen Euro.
  • Merz Pharma Das Familienunternehmen baut seine Verpackungslinie in Dessau-Roßlau aus und investiert bis 2028 mehr als 100 Millionen Euro.

Die Investitionen reichen jedoch bislang nicht aus, um den Kapitalstock deutlich zu vergrößern. Die Zuwächse fallen seit Jahren immer geringer aus. Bardt erklärt, dass der Kapitalstock nur noch sehr langsam wächst, weil die Investitionen die Abgänge immer weniger übertreffen. Dies schränkt die Wachstumsmöglichkeiten der Wirtschaft langfristig ein.

Staatliche Investitionen und ihre Auswirkungen

Die Bundesbank kann bislang keine breite Trendwende bei den privaten Investitionen erkennen. Während die staatlichen Investitionen zuletzt deutlich zugenommen haben und durch zusätzliche Ausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Digitalisierung weiter gestützt werden dürften, bleiben die privaten Investitionen schwach. Positive Signale bei Investitionsgütern und Baugenehmigungen reichten bisher nicht aus, um von einer nachhaltigen Belebung zu sprechen.

Entscheidend wird sein, ob staatliche Ausgaben zusätzliche private Investitionen auslösen. Bislang sei dies noch nicht erkennbar, sagt Bardt vom IW Köln. Das liege auch daran, dass ein Teil der Mittel aus dem Sondervermögen zur Finanzierung bereits bestehender Ausgaben verwendet werde und viele zusätzliche Investitionen noch nicht umgesetzt seien.

Autor

Jonas Becker