Zum Inhalt springen
28 August 2026

Federal Reserve Chef Kevin Warsh betont Preisstabilität in historischer Rede

Kevin Warsh, Chef der Federal Reserve, hat in Jackson Hole eine klare Haltung zur Inflation bekräftigt. Erfahren Sie, wie seine Aussagen die Märkte beeinflussen.

Federal Reserve Chef Kevin Warsh betont Preisstabilität in historischer Rede

Die Finanzwelt hält den Atem an, nachdem Kevin Warsh, der Chef der Federal Reserve in seiner ersten großen Rede in Jackson Hole eine überraschend klare Haltung zur Inflation bekräftigt hat. Seine Worte haben nicht nur die Aktienkurse schwanken lassen, sondern auch die Renditen amerikanischer Staatsanleihen steigen. Die Märkte interpretieren seine Aussagen als Signal für mögliche Zinserhöhungen.

Warsh betonte, dass die von der Fed bevorzugte Inflationsrate gemessen am Preisindex für die privaten Konsumausgaben (PCE) über zwölf Monate 3,7 Prozent und über sechs Monate 4,1 Prozent beträgt. „Die Inflation liegt über unserem Ziel von zwei Prozent. Deshalb sollte der Schwerpunkt der Fed derzeit auf den Preisen liegen.“ Diese klare Aussage hat die Märkte aufhorchen lassen.

Die Inflation bleibt ein zentrales Thema

Warsh zeigte sich besorgt darüber, dass sich von den 199 Einzelkomponenten des maßgeblichen Warenkorbs in den vergangenen zwölf Monaten 54 Prozent um mehr als drei Prozent verteuert haben. Zwar liegt dieser Wert deutlich unter dem Höchststand nach der Pandemie von rund 77 Prozent aber noch weit über dem Durchschnitt der zwei Jahrzehnte davor. In den vergangenen sechs Monaten habe sich das Bild nicht nennenswert verbessert, so der Fed-Chef.

Trotz dieser besorgniserregenden Zahlen hob Warsh hervor, dass sich die mittelfristigen Inflationserwartungen grundsätzlich als stabil erwiesen hätten. „Dieses Vertrauen ist gerechtfertigt.“ Doch er warnte auch: „Die Geschichte lehre allerdings, dass marktbasierte Inflationserwartungen oft so lange stabil wirkten, bis sie es plötzlich nicht mehr seien.“ Die Fed müsse mit aller Macht verhindern, dass sie sich lösten.

Die Verantwortung der Zentralbank

Warsh machte klar: „Die Verantwortung für 65 Monate andauernd hoher Inflation liegt bei der Zentralbank. Und dort gehört sie auch hin.“ Es könne kein Missverständnis geben: „Das Inflationsziel der Fed von zwei Prozent, gemessen am Preisindex für die privaten Konsumausgaben (PCE), ist fest und unverrückbar.“

Den Fokus auf Preisstabilität sieht er durch seine Einschätzung bestätigt, dass der amerikanische Arbeitsmarkt mit einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent der Vollbeschäftigung nahe ist und deshalb keiner geldpolitischen Stützung bedarf. Zudem hält Warsh die Finanzierungsbedingungen für nicht restriktiv.

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz

Warsh betonte, dass die amerikanische Wirtschaft wegen Künstlicher Intelligenz an einem historischen Wendepunkt mit Folgen für die Geldpolitik stehe. Die Fortschritte der KI überträfen selbst die Erwartungen ihrer größten Verfechter. Das Potential für deutlich höheres Wirtschaftswachstum nehme zu, während sich die Innovation rasant beschleunige.

Eine der entscheidenden Fragen lautet laut Warsh: „Steigert KI die Produktivität dauerhaft und deutlich?“ Der Notenbanker beantwortete sie diesmal nicht, sondern verwies auf eine Notenbank-Arbeitsgruppe zu Produktivität und Beschäftigung die diese Frage untersuchen soll.

Warsh wiederholte seinen Abschied vom geldpolitischen Instrument der sogenannten „Forward Guidance“. Er halte frühzeitige Hinweise auf künftige Zinsentscheidungen in normalen Zeiten für problematisch. „Transparenz sei kein Selbstzweck, sondern müsse guter Geldpolitik dienen.“ Wer sich zu früh festlege, könne Märkte fehlleiten und die eigene Handlungsfreiheit beschneiden.

Warsh fordert, dass die Anleger ihre Erwartungen selbst bilden, statt auf den nächsten Wink der Notenbank zu warten. Sonst entstehe ein Spiegelkabinett: Die Märkte orientierten sich an der Fed, die Fed an den Märkten. Auch eine starre Reaktionsfunktion wie die Taylor-Regel benannt nach dem Ökonomen John Taylor lehnt er ab. Dafür sei die Wirtschaft zu komplex und zu sehr im Wandel.

Eine interessante Nuance seiner Rede zeigte Warsh mit der Betonung der Geldmenge Auch wenn diese Sicht aus der Mode gekommen sei, bleibe Geld für die Geldpolitik zentral. Finanzinnovationen veränderten zwar die Beziehungen zwischen Geldbasis, Umlaufgeschwindigkeit und Wirtschaft. Das sei aber kein Grund, die Wirkung des Geldes auf Finanzierungsbedingungen und Preise zu ignorieren.

Autor

Markus Weber