In einer beunruhigenden Serie von Überfällen wurde ein junges Paar im französischen Département Somme innerhalb weniger Wochen dreimal zum Ziel von Kriminellen. Die Täter glaubten fälschlicherweise, dass die neuen Bewohner des Hauses über Krypto-Vermögen im Wert von etwa einer Million Euro verfügten. Doch die wahren Besitzer, mutmaßlich wohlhabende Krypto-Investoren waren längst ausgezogen.
Der Albtraum begann am 24. Juni als die ersten Einbrecher versuchten, in das Haus einzudringen. Sie wurden jedoch von den Hunden des Paares abgeschreckt. Nur zwei Tage später drangen weitere Täter ins Haus ein, fesselten einen Bewohner und griffen den anderen körperlich an. Teile des Überfalls wurden sogar live über Snapchat übertragen. Erst während der Tat erkannten die Kriminellen ihren Fehler: Die gesuchten digitalen Vermögenswerte waren nicht vorhanden.
Dritter Angriff trotz erhöhter Sicherheit
Nach den ersten beiden Vorfällen installierte das Paar eine Alarmanlage um weitere Überfälle zu verhindern. Doch am 17. Juli versuchten Kriminelle erneut, in das Haus einzudringen. Diesmal scheiterte der Überfall dank der verbesserten Sicherheit.
Die französischen Behörden konnten inzwischen zwei Verdächtige identifizieren. Ein 20-Jähriger erhielt vor dem Strafgericht in Amiens eine dreijährige Haftstrafe, ein 21-Jähriger wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden die Beteiligten gezielt für den Überfall angeworben. Einer der Männer soll über Telegram kontaktiert worden sein und bis zu 30.000 Euro für seine Beteiligung erhalten haben. Ein anderer Verdächtiger soll als Fahrer für 300 Euro engagiert worden sein, um die Gruppe sowie Brecheisen, Sturmhauben und Kabelbinder zum Tatort zu bringen. Mindestens zwei weitere mutmaßliche Beteiligte sind noch auf freiem Fuß.
Wrench Attacks: Eine wachsende Bedrohung für Krypto-Anleger
Der Fall in Frankreich steht stellvertretend für eine zunehmend aggressive Form der Krypto-Kriminalität. Bei sogenannten Wrench Attacks versuchen Täter nicht, Wallets oder Börsen direkt zu hacken. Stattdessen setzen sie auf GewaltDrohungen oder Entführungen um Opfer zur Herausgabe von Zugangsdaten oder Kryptowährungen zu zwingen.
In Frankreich häufen sich solche Fälle. Dabei geraten nicht nur wohlhabende Krypto-Anleger ins Visier. Auch Familienangehörige oder Leute, die mit ehemaligen Besitzern von Krypto-Vermögen in Verbindung stehen, können ins Fadenkreuz geraten. Für das französische Paar hatte die vermeintliche Verbindung zu Krypto-Millionären gravierende Folgen – auch wenn es selbst nie Zugriff auf die gesuchten Coins hatte. Der Fall zeigt eine weniger offensichtliche Gefahr digitaler Vermögen: Bereits öffentlich gemachte Informationen über frühere Besitzer oder deren Vermögensverhältnisse können völlig Unbeteiligte ins Visier nehmen.



