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25 August 2026

Der Milliardär Klaus-Michael Kühne und sein Vermächtnis

Klaus-Michael Kühne, der Hamburger Logistik-Tycoon, hinterlässt ein Milliardenvermögen und ein beeindruckendes Erbe in Kultur, Sport und Wirtschaft.

Der Milliardär Klaus-Michael Kühne und sein Vermächtnis

Klaus-Michael Kühne, einer der einflussreichsten Unternehmer Deutschlands, ist im Alter von 89 Jahren in Schindellegi, Schweiz, verstorben. Der Milliardär, der das Logistikunternehmen Kühne+Nagel zu globaler Bedeutung führte, hinterlässt ein Vermögen, das nicht nur in Zahlen, sondern auch in kulturellen und sportlichen Projekten gemessen wird.

Kühne, geboren am 2. Juni 1937 in Hamburg, übernahm mit 29 Jahren die Führung des Familienunternehmens. Unter seiner Ägide entwickelte sich Kühne+Nagel von einem regionalen Speditionsunternehmen zu einem weltweit tätigen Logistikkonzern. Sein strategisches Geschick und seine Vision prägten nicht nur die Logistikbranche, sondern auch die Unternehmen, an denen er beteiligt war.

Einflussreiche Beteiligungen und strategische Investitionen

Kühne baute über Jahrzehnte ein weit verzweigtes Beteiligungsimperium auf. Zu seinen bedeutendsten Investitionen gehörten die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd bei der er rund 30 Prozent der Anteile hielt, und die Lufthansa bei der er zum größten Einzelaktionär aufstieg. Seine Rolle als Großaktionär war nicht nur passiv; er äußerte sich öffentlich und kritisierte etwa die Vielzahl der Marken im Lufthansa-Konzern und die schmalen Sitze der Lufthansa-Tochtergesellschaft Swiss.

Nicht alle Investitionen waren erfolgreich. Ein prominentes Beispiel ist die Beteiligung am Signa-Imperium von René Benko. Nach der Insolvenz des Konzerns verlor Kühne nach eigener Einschätzung fast eine halbe Milliarde Euro. Er gestand öffentlich ein, sich von Benko „einlullen lassen“ und „einem Ganoven ersten Ranges auf den Leim gegangen“ zu sein.

Kulturförderung und Engagement in Hamburg

Trotz seines Lebens in der Schweiz blieb Kühne seiner Heimatstadt Hamburg eng verbunden. Er unterstützte die Elbphilharmonie und gründete 1976 die Kühne-Stiftung die sich weltweit in den Bereichen Logistik, Klima, Medizin und Kultur engagiert. Auch die Kühne Logistics University in Hamburg geht auf sein Engagement zurück.

Besonders eng war Kühnes Verhältnis zum Hamburger SV (HSV). Seit 2010 unterstützte er den Verein mit Darlehen und Millionenbeträgen für Spielertransfers, darunter die Verpflichtung von Rafael van der Vaart. 2015 kaufte er die Namensrechte am Stadion und gab ihm den traditionsreichen Namen „Volksparkstadion“ zurück. Trotz finanzieller Unterstützung und der Offerte eines Sanierungsprogramms von 120 Millionen Euro im Jahr 2026 lehnte das HSV-Präsidium seinen Wunsch nach mehr Einfluss ab.

Kritik und historische Aufarbeitung

Zu Kühnes Erbe gehört auch die Geschichte des Familienunternehmens während der NS-Zeit. Kühne+Nagel profitierte vom Transport geraubten Eigentums, insbesondere von jüdischem Besitz, und wurde als „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“ ausgezeichnet. Die historische Rolle des Unternehmens ist seit Jahren Gegenstand einer öffentlichen Auseinandersetzung. Kühne wies Forderungen nach einer weitergehenden Aufarbeitung zurück.

In seinen späteren Jahren wurde die Kulturförderung zu einem Schwerpunkt. 2026 sagte Kühne bis zu 300 Millionen Euro für den Bau eines neuen Hamburger Opernhauses zu. Das Projekt sollte auf dem Baakenhöft in der HafenCity entstehen.

Das Vermächtnis und die Zukunft der Kühne-Stiftung

Da Kühne kinderlos war, geht sein Firmenvermögen an seine gemeinnützige Kühne-Stiftung über. Die Stiftung, mit einem Vermögen von zuletzt 21 bis 22 Milliarden Franken, wird eine der größten Europas sein. Sie verteilt jährlich Dutzende Millionen für wohltätige Zwecke, vor allem im Bereich Logistikausbildung, Medizin, Klimaforschung und Kultur.

Die Stiftung sei „nach menschlichem Ermessen“ in guten Händen, sagte Kühne vor zwei Jahren. Im elfköpfigen Stiftungsrat seien grösstenteils sehr erfahrene Leute, darunter der frühere Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Kühnes Nachfolger als Präsident des Stiftungsrates soll sein langjähriger Anwalt und Vertrauter Thomas Staehelin werden.

Autor

Jonas Becker