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Datenportabilität und profilbildung: was unternehmen jetzt wissen müssen

Aus normativer sicht: neue eu-regelung zu datenportabilität und profilbildung

Als Dr. Luca Ferretti, Avvocato spezialisiert in digital law und Legal Tech, erläutere ich hier praxisnah die jüngsten Entwicklungen im Bereich GDPR compliance, data protection und RegTech. Aus normativer sicht geben die neuen EU-Regelungen zur Datenportabilität und Profilbildung Unternehmen klare Pflichten, die unmittelbar operative Veränderungen erfordern.

1. Normative grundlage und kernelemente der regelung

Die EU hat jüngst ergänzende Vorgaben veröffentlicht, die die Anwendung von Art. 20 DSGVO zur Datenportabilität präzisieren und die Anforderungen an Profiling und automatisierte Entscheidungsfindung verstärken. Die Datenschutzbehörde hat festgestellt, dass insbesondere der Austausch strukturierter personenbezogener Daten zwischen Diensten und die Weitergabe von Nutzerprofilen strengeren Transparenz- und Sicherheitsanforderungen unterliegen.

2. Interpretation und praktische implikationen

Aus normativer sicht bedeutet dies: Unternehmen müssen ihre Prozesse so ausrichten, dass Daten nicht nur in maschinenlesbaren Formaten verfügbar sind, sondern auch in einer Weise, die Missbrauch bei Profilbildung verhindert. Das Compliance-Risiko ist real: unklare Formate, fehlende Zweckbindung und inadäquate Sicherheitsmaßnahmen führen zu erhöhten Prüfungen durch Aufsichtsbehörden.

Praktisch heißt das: technische Schnittstellen (APIs), Datenexportfunktionen und Consent-Management müssen überarbeitet werden. Zudem steigen die Anforderungen an Dokumentation und Nachweisführung gegenüber der Aufsicht.

3. Was müssen unternehmen tun

Konkrete Schritte für Unternehmen:

  • Audit der datenflüsse: Erfassen Sie, welche personenbezogenen Daten portabel sind und wie Profiling-Attribute entstehen.
  • Anpassung der datenexportfunktionen: Stellen Sie sicher, dass Exporte interoperabel, vollständig und nachvollziehbar sind.
  • Stärkung der zweckbindung: Implementieren Sie technische und organisatorische Maßnahmen, die die Weiterverwendung der exportierten Daten einschränken.
  • Consent- und rollenmanagement: Überprüfen Sie Rechtsgrundlagen für Profiling und sichern Sie informierte Einwilligungen oder legitimierende Interessen ab.
  • RegTech-einsatz: Nutzen Sie automatisierte Tools für Monitoring, Data Mapping und Nachweisführung.

4. Risiken und mögliche sanktionen

Das Compliance-Risiko ist real: Bei Verletzungen drohen nicht nur Reputationsschäden, sondern auch empfindliche Bußgelder gemäß DSGVO. Die Aufsichtsbehörden können Maßnahmen anordnen, etwa Einschränkungen beim Datenexport, Verpflichtungen zur Löschung oder sogar vorübergehende Betriebsuntersagungen für bestimmte Dienste.

Zusätzlich sind zivilrechtliche Klagen und Schadensersatzforderungen denkbar, insbesondere wenn durch fehlerhafte Profilbildung Diskriminierungen oder wirtschaftliche Schäden entstehen.

5. Best practice für GDPR compliance

Empfehlungen, um rechtssicher zu handeln:

  • Data governance: Etablieren Sie klare Verantwortlichkeiten (DPO, Datenverantwortliche, IT-Security) und dokumentieren Sie Entscheidungen.
  • Privacy by design: Integrieren Sie Datenschutzanforderungen bereits in die Produktentwicklung.
  • Transparenz und nutzerkontrolle: Informieren Sie betroffene Personen verständlich über Portabilität und Profiling und ermöglichen Sie einfache Widerspruchs- und Löschmechanismen.
  • Technische sicherheit: Verschlüsselung, Zugriffskontrollen und Protokollierung sind Pflicht.
  • Regelmäßige compliance-checks: Nutzen Sie RegTech-Lösungen für kontinuierliches Monitoring und Audit-Trails.

Zusammenfassend: Aus normativer sicht verschärfen die neuen Vorgaben die Anforderungen an GDPR compliance und data protection. Unternehmen sollten proaktiv handeln, um regulatorische Risiken zu minimieren und Wettbewerbsvorteile durch vertrauenswürdige datenpraktiken zu erzielen.

Quellenhinweis: Orientierung bieten Veröffentlichungen der Garante/Datenschutzbehörde, des EDPB und einschlägige Entscheidungen des EuGH.

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